Nr. 23   Spirit – Motorsport in Bad Schmiedeberg in Sachsen - Anhalt  

13. Rallye der Saison 2016, die 11. ADMV-Rallye Kurstadt Bad Schmiedeberg

 

Hallo Motorsportbegeisterte, Unterstützer und Freunde von Spirit-Motorsport,

 

was macht man in einer kleinen Stadt mit 8.000 Einwohnern in Sachsen-Anhalt am Wochenende bei 32°C im Schatten ??.....genau Rallye fahr´n !! Rallye Kurstadt Bad Schmiedeberg…eine Hammerveranstaltung im Jahreskalender. Im letzten Jahr Klassensieg und in diesem Jahr Reifenpoker……aber wie immer der Reihe nach!

Am Freitag, gegen Mittag, ging es mit Corina, Jana und den Pelzen im kleinen Konvoi in das beschauliche Örtchen Bad Schmiedeberg, kurz hinter Wittenberg (von uns aus gesehen). Bernd und Steffen mussten am Freitag noch etwas Malochen und kamen dann später nach. Klar, wer will bei den Temperaturen auch ein Basiscamp aufbauen!? ;-)  Das Fahrerlager, die Doku und TA waren auf dem, bereits aus dem letzten Jahr bekannten, Parkplatzareal der Firma Kermos. Zum Glück waren wir zeitnah angereist und so konnten wir einen schönen Platz für unser Camp beanspruchen. Erst später merkten wir, dass wir direkt an der Zufahrt zur technischen Abnahme aufgebaut hatten…aber dazu etwas später. Der Aufbau verlief routiniert und schweißtreibend. Genau auf dem Punkt, also nach Fertigstellung, kam Bernd und pünktlich zur TA trudelte auch Steffen ein. Das Team war um 17 Uhr vollzählig.

15.09.2016

Um 17 Uhr ging es zur Dokumentenabnahme, dann wurde der Roadrunner beklebt und zur technischen Abnahme geschoben. Die TA war im Festzelt mit Sprecher und Zuschauern. Die Teams wurden vorgestellt und es gab für den interessierten Besucher ein paar technische Details zu den Rallyeautos. Der TK machte einen guten Job, wir tauschten noch ein paar Anekdoten von anderen Rallyes aus, er sichtete noch ein paar Zertifikate und das Homologationsblatt und dann hatten wir unseren Pick´l am Boliden. Alles ohne Hektik, ohne Beanstandungen und im überschaubaren Zeitrahmen.

Mit der Starnummer 15, den Abnahmen und dem Pick´l waren wir also Ready to Rallye. So ploppten wir erst einmal ein paar kühle Blonde auf und philosophierten noch ein wenig über die mysteriöse und sagenumwobene Technik von Rallyeautos. Der Roadrunner hatte am Freitagmorgen auf der Fahrt zur Shelltanke ein paar unschöne Zündunterbrecher. Die Probefahrt mit Steffen in Bad Schmiedeberg bestätigte leider meinen Eindruck….hier haut irgendetwas nicht hin. Steffen kroch in das Auto, unter das Auto, lag daneben und drauf…aber nichts  Augenscheinliches zu sehen. Alles war fest, dran und funktionierte. Also entschieden wir uns eine bewehrte Taktik von anderen Teams zu übernehmen….wir ignorierten den Vorfall! Nun zur Schlüsselstellung des Spirit-Basiscamp. Wir waren genau am Eingang zur TA postiert, heißt, alle Teams mussten an uns vorbei…und genauso müsst Ihr Euch das auch vorstellen. Von Minute zu Minute wurde unser Camp voller. So viele Gespräche hatten wir vermutlich nicht zusammen aus den letzten drei Rallyes. Sau coole Stimmung und tolle Leute. Rallye ist eben Geil!

Nach ein paar Bierchen zum Abkühlen und einem fusseligen Mund schmissen wir den Grill an und fettes Fleisch rauf. Wie immer ein Genuss. Am Abend schauten noch Thomas, Sven und Richard bei uns vorbei und wir beendeten den Abend mit gemütlichen chillen.

Am Samstagmorgen ging´s um 7 Uhr zur Roadbookausgabe und rauf die Strecke. Die Rallye Bad Schmiedeberg ist wieder zurück zu ihren Anfängen und hat den Schotteranteil auf 50% zum Vorjahr erhöht. Damit war das Rallyefahrerlager in zwei Gruppen geteilt. Die Racer fuhren aus ihrer Erfahrung vom Asphalt die Semislicks und die Techniker mit Schottererfahrung entschieden sich für Schotterreifen. Da wir uns mit unserer erst einjährigen Erfahrung im Rallyesport weder zu den Einen noch Anderen zählen können, entschied ich mich für einen Mittelweg..…abgefahrene Maxxis. Das sind Schotterreifen mit sehr guten Asphalteigenschaften.

Die gesamte Rallye gliederte sich in 4 Wertungsprüfungen, die in zwei Sektionen zweimal durchfahren werden sollten. Als WP1 war gleich eine 12km lange Schotterprüfung angesagt. Dann kamen der Rundkurs und eine weitere WP mit 100% Asphalt und zum Schluss noch einmal eine 10km lange Misch-WP. Wie bereits aus dem letzten Jahr bekannt, waren die Streckenführungen ultra schnell, enthielten unglaublich lange Geraden die in Abzweigen im Nirgendwo endeten und Schikanen, Schikanen, Schikanen. Also, wieder viele Möglichkeiten ein paar Knitter ins Kleid des Roadrunners zu zaubern. Corina machte als Co Ihre Sache wieder perfekt und so fanden wir jede WP ohne Umwege, der Aufschrieb und die darauffolgende Abfahrt hauten hin und so waren wir relativ zeitnah, also für eine 70er Rallye, wieder im Basiscamp. Hier entspannten wir noch ein wenig, frühstückten und Corina machte noch Ihren Aufschrieb bunt.

 

 

Dann ging es zu 11.45 Uhr nach Bad Schmiedeberg zum Showstart auf den Marktplatz. Alfred stellte wieder alle Teams vor und ab ging die Rallye. An der WP1 angekommen standen wir in der prallen Mittagshitze und warteten auf den Start…..und warteten….und warteten, nichts geschah. Als Gerücht wurde die Info verteilt, dass am Stempelposten ein Streckenposten fehlte und man warten musste.  Nach ca. 30 Minuten Verzögerung kam auf einmal mächtig Bewegung in´s Starterfeld. Leider nicht von vorne, wie zu erwarten, sondern von hinten. Ein Haufen Leute rannte umher, es wurde lauter und alle Boliden machten die Straße frei. Was war passiert? Ein Copilot hat die Hitze nicht vertragen und ist am Fahrzeug bewusstlos zusammen gesackt. Ein Fahrer rannte nach vorne zum Start und holte von dort den Sani-Einsatzwagen. Im Nachhinein erfuhren wir, dass die Lage wirklich ernst war. Der Co war wirklich komplett weg und konnte nur mit der sofortigen Ersthilfe bis zum Eintreffen des Notarztes am Leben gehalten werden. Die Abholung erfolgte sogar mit einem Einsatzhelicopter. Für alle Interessierten, Jo geht es schon wieder besser und er hat sich auf Facebook bereits bei allen Beteiligten bedankt. Tja, mit dieser Startverzögerung und dem jetzt fehlenden Sani-Einsatzwagen musste die WP annulliert werden. So fuhren wir in geminderter Geschwindigkeit die WP ab und zur WP2, Rundkurs = 100% Asphalt. Hier gasten wir ordentlich an und ich erlebte die Nachteile der kleinen Schotterbremse in Verbindung mit Schotterreifen auf heißem Asphalt….geht gar nicht! Als ob du harten Radiergummi über eine heiße Herdplatte schiebst…..schlechte Verzögerung, Untersteuern, also das Schieben über die Vorderräder und brutales Übersteuern, das Ausbrechen des Hecks, wegen der großen Hinterbremse vom Asphaltsetup. Ein Tanz auf dem heißen Blechdach. Als wir im Ziel waren und abstempelten qualmten links und rechts die Bremsen derart, dass Corina dachte das Auto brennt.

So oder so ähnlich absolvierten wir die zwei weiteren WP´s und fanden uns pünktlich zum Regrouping ein. Die Strecke und vor allem die Hitze hatten bereits ihren Tribut geholt und eine große Anzahl von Teams aus dem Rennen genommen.

 

Mit dem Eintreffen im Basecamp mussten erst einmal ein paar kühle Getränke dran glauben. Nach dem ersten Runterkommen, den ersten Kampfberichten und Auswertungen ging es uns auch wieder richtig gut. Die anschließende Dusche machte die Sache rund und wir besprachen die Rallye mit ein paar Freunden und anderen Teams. Wie gewohnt und bewährt, überspielte ich die Onboards auf den Lappi und wir schauten uns im Team die bewegten Bilder von der Rallye brühwarm an. Leider hatte der Akku auf der letzten WP den Geist aufgegeben und wir hatten kein Beweismaterial für die Schadensursache….ach ja, da war ja noch was. Nach dem Steffen am Boliden durch war, konnte die Schadensursache lokalisiert werden. Ein unglaublicher Zufall! Der platte Reifen entstand durch einen brachialen Einschlag an einem Stein und verbeulte die Innenflanke der Felge so extrem, dass diese am Sattel der Bremse einhakte. So entstand das unschöne drehzahlabhängige Geräusch. Aber warum war dieses Geräusch noch nach dem Wechseln des Rades immer noch vorhanden? …..dieses war auch verbeult!! Da wir am Roadrunner hinten mit der großen Asphaltbremse fahren, gibt es fast keinen Zwischenraum zwischen Sattel und Felge. Bei der kleinen Schotterbremse an der blauen Elise ist dieser Abstand größer. Somit konnten wir mit der kleinen Verformung an der Elise fahren und beim Roadrunner hatten wir wieder dieses unschöne und herzzerreißende Geräusch am Hacken. Die Zündaussetzer hielten sich bei der Rallye erstaunlicherweise in Grenzen und nervten nicht wirklich. Die Angst bestand aber immer darin, wegen diesem technischen Handicap eventuell komplett auszufallen. Aber, ignorieren hat in diesem Fall geholfen!!

Traditionell gab es am Samstagabend noch den legendären Spirit-Eintopf. Dieses Mal stand Pichelsteiner mit Knacker auf dem Speiseplan. Sau lecker und immer wieder das Richtige nach einer Rallye. Da sich diese Tradition langsam rumspricht hatten wir auch einen Ehrengast in der Loge. Richard war zu Gast und freute sich über die kulinarische Abwechslung. (er tat wenigstens so, mit Nachschlag)

Venceremos, Corina + Uwe

Nach einer Pause von ca. 40 Minuten machten wir uns auf zur 2. Sektion. Alle WP´s wurden auch gefahren und wir rangierten bei einem Gesamtstarterfeld von 106 Teams bereits auf dem 18 Gesamtrang. Coole Sache! Auf WP8 begann die Strecke auf Asphalt und ging nach ca. der Hälfte auf brutalen Schotter über. Genau an diesem Übergang beherrschte auf einmal ein sehr lautes & drehzahlabhängiges Geräusch die Fahrt. Kardanwelle zertrümmert?, Antrieb abgerissen?, hinteres Diff zerlegt…? Wir entschieden uns die Warnblinkanlage anzuschalten und einen Gang zurück zu schalten. Immerhin war Durchfahren und Ankommen wichtiger. Mit diesem Fahrstil verloren wir mehr als 3 Minuten und natürlich unseren sensationellen Gesamtplatz. Nach dem Abstempeln schmiss ich mich unters Auto um zu schauen was passiert ist. Nichts zu sehen. Alles fest, alles dran. Beim zweiten Mal Umrunden des Roadrunner sah ich den platten Reifen hinten links. OK, platt, das habe ich beim Fahren schon gemerkt, aber woher kam das Geräusch?? So wechselten Corina und ich den Reifen und weiter ging´s in Richtung Parc Fermé. Sobald sich der Roadrunner wieder bewegte kam dieses Geräusch wieder, nur dieses Mal etwas schwächer.  Das wäre es ja noch gewesen, vom Ziel der letzten WP auf dem Weg zum Parc Fermé ausgefallen. Mit jedem Kilometer kamen wir dem Gesamtziel immer näher. Kurz und gut, wir schafften die Rallye, Bernd realisierte wieder den Shuttelservice und somit kamen wir wohl behalten und gesund im Fahrerlager an.

Am Sonntagmorgen trafen wir uns um 8.30 Uhr zum Frühstück, tranken ein paar leckere Kaffee und bauten dann routiniert das Basecamp wieder ab. Der Planet drückte selbst am Vormittag schon wieder gewaltig. Nach einer stressfreien Rückfahrt mit zwei Blitzern kamen wir gegen 12.30 Uhr wieder zu Hause in der Homebase an. Kurzes Ausladen und ab nach Hause, Sonntagnachmittag genießen.

Jetzt haben wir erst einmal 14 Tage Pause und dann geht es am 23.09.2016 zur Zwickauer Land Rallye nach Reinsdorf in Sachsen, 70% Asphalt & 30% Schotter = dieses Mal mit Asphaltsetup und Semislicks! Resümee:

Eine sehr schöne und reizvolle Streckenführung mit wechselndem Belag und großen Herausforderungen. In physischer und psychischer Hinsicht. Unschön waren die unnötigen Wartezeiten und das bei dieser brutalen Hitze.  Warum der Veranstalter so viel Zeit zwischen den WP´s plante, hat sich uns leider nicht erschlossen. Das man bei einer 70er Rallye tanken muss, dass man bei einer Schotterrallye zwischen den WP´s mal einen Reifen wechseln muss, alles klar, aber dafür 20-25 Minuten zusätzlich zur Fahrtzeit einzuplanen scheint etwas übertrieben. Schade, aber der Veranstalter wird sich mit seiner Erfahrung schon etwas dabei gedacht haben!