18.05.2016

8. Rallye der Saison 2016, die 15. Baron von Aretin Rallye in Emmersdorf / Passau

 

Hallo Motorsportbegeisterte, Unterstützer und Freunde von Spirit-Motorsport,

 

diese Rallye könnte man kurz und knapp auf einer Seite zusammenfassen: very tricky and slippy !

Das waren die beiden Hauptworte im Aufschrieb : Heikel und rutschig……...aber wie immer, der Reihe nach.

Am Freitag, zum langen Pfingstwochenende, machten wir uns früh um 7 Uhr auf und begannen den langen Ritt nach Süden, 620km, nach Niederbayern. Der Wetterbericht sagte Regen, Regen und Regen voraus….und er sollte Recht behalten. Wie erwartet wurde die Autobahn gegen Mittag mehr als voll und es folgte zähflüssiger Verkehr auf der ganzen Linie. Zum guten Schluss standen wir 10km vor dem Ziel noch eine halbe Stunde komplett im Stau. Der Himmel verdunkelte sich von Minute zu Minute und verhieß nichts Gutes.

 

Die Dokumentenabnahme und die technische Abnahme wurden gleichfalls auf dem Gelände der Metallbaufirma durchgeführt. Die Orga war wirklich gut und die Wege damit sehr kurz. Die Doku lief perfekt und zur TA standen wir mächtig im Regen….nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes. Bei der Abnahme stellte ein TK fest, dass an einem Stoß des Käfigs, an der oberen Stelle, nicht durchgeschweißt wurde. Nach 40 Minuten verhandeln und diskutieren mit drei TK´s und dem Ober-TK, entschied der Chef auf Ausnahme und erteilte uns die Starterlaubnis. Wir sagten per Handschlag zu, diesen Mangel bis zum nächsten Start abzustellen. Man, der war knapp! Die Kritik war und ist berechtigt. Da ich den Käfig durch einen Fachmann habe einschweißen lassen, war ich natürlich über diesen sehr offensichtlichen Mangel sehr erschrocken. Dieses Detail ist sicherheitsrelevant und darf nicht übersehen werden. Ansonsten lief die TA gut ab und wir erhielten unseren Pickerl.

Wir erreichten das HQ & Fahrerlager trotz der bedrohlichen Wetterlage trockenen Fußes (Reifen) und bauten auf dem Parkplatz einer Metallbaufirma unser Basiscamp auf. Jana & Bernd hatten sich dieses Mal für die Pensionsvariante entschieden. Damit war der Aufbau des Camp´s etwas kleiner und wir waren relativ schnell mit allen notwendigen Arbeiten durch. So langsam kommt auch Routine in die ganze Sache und die Handgriffe sitzen! Pünktlich mit dem Aufklappen des letzten Stuhls begann es zu regnen.

Dem SchotterCup geschuldet, starten die „Großen“ immer hinten. Dazu kam die Erfahrung aus dem letzten Jahr und der Veranstalter startete erst alle 2 Minuten ein Fahrzeug. Das hieß für uns, mit der Startnummer 65, eine Startzeit nach 14 Uhr. Mehr als zwei Stunden nach dem 1. Fahrzeug. Daraus resultierte, dass ein Viertel des Starterfeldes bereits zum Regrouping zurück kam und wir noch nicht einmal gestartet waren. Man, dass nervt. Der Himmel ließ die Muskeln spielen und zeichnete Szenarien an den Horizont die wirklich sehenswert waren. Niemand wollte irgend eine Wette zum kommenden Wetter abgeben. Wir machten uns auf das schlimmste gefasst. Bis zum Start kam das Wetter aber über Posen nicht hinaus und es blieb erst einmal trocken.

Nach einer durchregneten Nacht haben wir entspannt um 7.30 Uhr unser Bordbuch abgeholt und machten uns zum Aufschrieb auf die Strecke. Aus dem letzten Jahr wußten wir in etwa was uns erwarten wird. Aber wie immer, die Realität toppt alles. Von der Strecke war teilweise nicht mehr viel übrig. Sturzbäche an Wasser hatten den Untergrund in eine unglaubliche Wasser- & Schlammzone verwandelt. Selbst die Asphaltetappen, die langsam abtrockneten, wurden durch Cut´s wieder mit Schlamm überzogen und wie im Gebirge üblich, sucht sich das Wasser als Rinnsale den Weg über die Straßen. Also, very tricky and slippy! Nach dem wir wieder im Fahrerlager zurück waren, mußten wir die Elise ersteinmal vom Schlamm der Strecke befreien….und das war nur der Aufschrieb. 6 Teams sind nach dem Aufschrieb erst gar nicht angetreten.

Nr. 18 Spirit – Motorsport feiert 1.000 Jahre bayerisches Bier  

Nr. 18 Spirit – Motorsport feiert 1.000 Jahre bayerisches Bier  

Nach diesem Erlebnis ploppten wir erst einmal ein paar Bier auf und schmissen jede Menge Fleisch auf´n Grill. Das Wetter hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt nochmals verschlechtert und es ging ein Wolkenbruch vom Himmel den man gesehen habe mußte. Wenn man zu diesem Zeitpunkt draußen gewesen wäre, hätte man Schnappatmung bekommen und wäre ertrunken. In den Nachrichten wurde dann unsere Einschätzung bestätigt. Die Landesregierung hatte für unseren Bereich um Passau Katastrophenalarm ausgerufen. Feuerwehr, Polizei und THW waren im Dauereinsatz, Bäche überspülten Straßen und Brücken, Keller liefen voll und in den Ortschaften wurden die Gullideckel hochgespült. (klar und wir fahren Rallye)

Der Start verlief pünktlich und ohne Verzögerungen. Unsere FK1 hatte wieder werbewirksam das Spirit-Plakat aufgehängt und ab ging es zur ersten WP. Bernd und Jana übernahmen die Bespassung der Pelze, Frühstückten erst einmal in Ruhe und haben dann noch ein wenig Sightseeing veranstaltet.

Wie zu erwarten gestaltete sich die Rallye zu einem totalen Fiasko. Mitten in der 2.WP, genau im Übergang von der Asphaltstrecke auf Schotter merkte ich, dass wir vorne Rechts ein Plattfuß hatten. Ich radierte den Plattfuß noch bis zur Felge runter, aber auf der aufgeweichten und schlammigen Strecke war an Weiterfahrt leider nicht mehr zu denken. So mußten wir mitten im Wald einen Radwechsel durchziehen. Mit einer verloren Zeit von knapp 5 Minuten waren wir von Platz 15 auf 40 abgerutscht. Damit konnten wir die weiteren WP´s etwas entspannter angehen. Die Ausfälle häuften sich und die Verzögerungen von WP zu WP waren nervig und sehr unschön. Kompensiert wurden diese Verzögerungen durch eine Reduzierung der Regroupingzeit von 1 Stunden auf 1 Minute. Das hatten wir auch noch nicht. Aber das ist eben Rallye, es wird nie langweilig. Die Strecke wurde in der zweiten Sektion teilweise nicht mehr fahrbar. Alle Teams schlichen nur noch durch den bayerischen Wald und versuchten irgendwie heil diese Rallye zu beenden. Zum Start der letzten WP kam es erneut zu einer 20 minütigen Verzögerung. Wir sprachen noch mit anderen Teams. Alle waren genervt und wollten nur noch irgendwie die Zielfahne sehen. Egal wie. So machten wir uns mit einer mächten Verspätung und bei ununterbrochenen Landregen auf die letzte Wertungsprüfung.

Tja und dann nahm das Schicksal seinen Lauf! Mitten im tiefen bayerischen Wald sind wir aus einer rechts drei Kurve gerutscht und haben in Zeitlupe eine Wurzel nebst Baum gestreift. Ergebnis: Aufhängung und Rad hin, Weiterfahrt unmöglich. So standen wir mitten auf der Strecke im dunklen Wald, na super! Wir sind ersteinmal raus mit dem OK-Schild um den Rest der Meute zu warnen und Corina machte sich auf die Suche nach einen Streckenposten. Nach uns kam Rene Möller mit seinem Subaru angeflogen und mußte stoppen. Er und sein Beifahrer sicherten sofort die Stecke nach hinten und stoppten das anrasende Fahrerfeld. Ich startete die Elise wieder und schob sie mit aller Gewalt von der Strecke. Das kostete leider die neue Kupplung, aber die Strecke war wieder frei. Nach dem alle Boliden die Elise passiert hatten konnten wir mit der Streckensicherung und dem Schlussfahrzeug die Elise etwas ausrichten und FK1 über den Ausfall informieren. Bernd sattelte den G und holte den Hänger. Das Aufladen war im dunklen Wald bei Regen und Schlamm mit einem schräg stehenden und blockierten Hinterrad eine sportliche Veranstaltung. Aber, gemeinsam haben wir einen guten Job gemacht und nach einem kurzen Brainstorming hatten wir den Boliden sicher und gut verladen. So ein Mist, kurz vor dem Ziel noch ein Totalausfall, es war und ist nicht zu fassen. Wir waren nicht zu schnell und sind eigentlich auf sicheres ankommen gefahren…..Mist, Mist, Mist (mehr fällt mir dazu leider nicht ein!)

Nach dem wir schlammbeschmiert, durchnässt und durchgeschwitzt zurück im Basiscamp waren haben wir uns als erstes im Team zusammen gesetzt und das Erlebnis ausgewertet. Nach einem kühlem Bier und einem guten Schluck Wein war dann auch alles nicht mehr so schlimm. Ein paar andere Teams fragten noch nach was wäre und ob bei uns alles klar ist. Nach dem aktuellen Infoaustausch haben wir dann genüßlich zu Abend gegessen und dann noch etwas gechillt.

Am Pfingst-Sonntag-Morgen haben wir dann noch genüßlich gefrühstückt, ein paar leckere Kaffees getrunken, das Basiscamp abgebaut und uns auf den langen Rückweg gemacht. Das Wetter blieb zum Glück bis zur Abfahrt trocken. Die Rückreise gestaltete sich dieses Mal stressfreier als die Hinfahrt. Am Sonntag fahren keine LKW´s und der Sonntagsverkehr hielt sich in überschaubare Grenzen. Einzig der lange Weg und die Zeit von lockeren 8,5 Stunden ist Wahnsinn.

Resümee:

In der Auswertung unserer WP-Zeiten hätten wir ohne Radwechsel und natürlich ohne Totalausfall einen respektablen 15.-16.Platz gemacht. (was für Schotter schon mal spektakulär gewesen wäre)

Nach einem ruhigen Pfingstmontag in heimischen Gefilden haben wir die beiden Aretin-Rallyes sachlich betrachtet und für uns gewertet. Abschließend haben wir entschieden im nächsten Jahr in Emmersdorf nicht mehr anzutreten. Die Streckenführungen und die Streckenverhältnisse haben nichts mit Rallye fahren zu tun…und das ist nicht nur unsere Meinung. Das Rallyeteam Christ (diesjähriger Gesamtsieger) hat selbst eingeschätzt, dass man nur mit einem „Omafahrstil“ durchkommt. Wenn wir mal Wittenberg und Bad Schmiedeberg als annähernd vergleichbare Rallyes zum Maßstab nehmen, ist das durch den Wald schleichen und bloß nicht anecken in Emmersdorf kein Rallye fahren. Wittenberg ist eine unglaublich schwere und brutale Strecke. Die Abschnitte sind aber technisch beherrschbar und durch fahrbare Teilstücke richtig geil. Die Bad Schmiedeberg hat die gleichen Belagswechsel wie die Emmersdorf. Die Streckenführungen sind ultra schnell und mit den Belagswechseln auch eine große Herausforderung. Da kann man Rallye fahren!

 

Wir wissen, dass wir auf Schotter noch sehr viel zu lernen haben, aber nicht mit Schleichen durch den schlammigen bayerischen Wald.

 

Jetzt steht die Elise bei Steffen auf dem Hof und erzählt den anderen japanischen Neuwagen wie hart so das Autoleben da draußen ist und was sie so erwartet wenn sie ersteinmal verkauft sind.

Momentan sind wir am Teile ordern, um zur Teterow Rallye am Bergring wieder einsatzfähig zu sein.

Als nächste Rallye steht jetzt die Osterburgrallye in Weida am 25.06.2016 an. 100% Asphalt mit dem Roadrunner! Wir schaun mal.

 

Für alle die Jürgen´s Boliden noch kennen. Der BMW hat den bayerischen Wald nicht überlebt. Das wird teuer.

Venceremos, Corina + Uwe