Nr. 22   Spirit – Motorsport in Lauter / Sachsen  

15.09.2016

12. Rallye der Saison 2016, die 13. ADMV Rallye Grünhain in Sachsen

 

Hallo Motorsportbegeisterte, Unterstützer und Freunde von Spirit-Motorsport,

 

wie bereits am Anfang des Jahres mitgeteilt, werden wir in diesem Jahr nicht die Priorität auf schon bekannte Veranstaltungen legen,  sondern versuchen so viel wie möglich neue und vor allem kultige Rallyes zu erkunden. (ErzgebirgsRallye, Osterburg, Grabfeld, Zwickau, Gollert usw.) Dazu zählt auf jeden Fall die Rallye Grünhain. Sagenumwoben, mysteriös und immer mit vollem Starterfeld. Also Nennung raus, Startgeld bezahlt und ab nach Sachsen…..aber wie immer der Reihe nach!

Unsere Crew war wieder vollständig am Start und freute sich nach der Sommerpause wieder auf ein ereignisreiches Wochenende. Am Freitag starteten Steffen, Corina mit den Pelzen und ich von Wernsdorf im Konvoi in Richtung Süden. FK1, mit Jana & Bernd waren im Urlaub und hatten sich für Samstag-Vormittag im Basecamp angemeldet.  Für Freitagmittag war der Verkehr wirklich erträglich und der Planet drückte schon wieder gewaltig. Es war ein heißes Wochenende vorausgesagt worden….nicht nur auf der Strecke!

 

Bis auf einen kurzen zähflüssigen Streckenabschnitt erreichten wir ohne Zwischenfälle das Rallye-HQ in Lauter. Ein altes verschlafenes Gebirgsörtchen mit einem alten Emaille-Traditionsunternehmen mitten im Ort. Dort war dann auch alles versammelt. Bei der Einfahrt in´s Fahrerlager waren schon die üblichen Verdächtigen ausgemacht. Kurioserweise wurde als erstes gefragt, in welchem Auto die „Pelze“ sind!? Die zweite Frage war, welchen Kult-Eintopf gibt es am Samstag? Komisch, wer kannte diesen Begriff und diese Tradition außer unserer Crew? Die Auflösung, der MC Grünhain liest die Rallyeberichte von Spirit-Motorsport!! Wär hätte denn das gedacht. Finde ich aber irgendwie Klasse, setzt mich aber mächtig unter Druck, Niveau in die Sache zu bringen!!

Wir suchten uns ein nettes asphaltiertes Plätzchen im hinteren Drittel und bauten unser Basiscamp routiniert auf. Wie bereits geschrieben, die Sonne meinte es wieder einmal wirklich gut und übten schon mal transpirieren für morgen. Nach ca. 30 Minuten war alles erledigt und wir konnten erst einmal etwas chillen und uns auf die Doku- und technische Abnahme vorbereiten.

Die Rallye Grünhain hat ja den Ruf legendär organisiert zu sein….confirmed!

Zeiten für die Doku, Zeiten für die TA, alles super ausgeschildert, so macht Rallye schon von Anfang an Spaß.

So ging es um 17.25 Uhr zur Dokuabnahme in´s Kulturhaus um die Ecke und danach zwei Straßen weiter, nee halt im Gebirge heißt das den nächsten Berg hoch und dann rechts, zur technischen Abnahme. Auch dort alles super organisiert und mit einer großen Anzahl von Zuschauern. (rallyeverrücktes Sachsen)

 

Die Abnahmen verliefen ohne Beanstandungen und so waren wir sehr schnell wieder zurück im Basecamp. Als erstes ploppten wir zwei kalte Bierchen auf und streckten die Beine lang. Um bei der üblichen Tradition zu bleiben, schmissen wir den Grill an und hauten ein paar lecker Steaks, Lammfilet und andere Köstlichkeiten auf den Rost. Nach dem Gaumenschmaus zündeten wir uns noch eine Cohiba an, tranken noch ein kühles Blondes und resümierten über die morgige Streckenführung durch die sächsischen Alpen. Je später der Abend umso …..die Gäste!? Innerhalb von ein paar Minuten waren alle Sitz- & Stehplätze besetzt. Zuerst kamen Lydia & Sven mit ihrem Freund vom Bergrennen & seiner Frau und etwas später gesellten sich noch Andreas & Gernot mit dazu. Eine tolle Runde. Eine super lustige und interessante Runde hatte sich da zusammen gefunden. Auch das Thema Bergrennen ist absolut spannend. Unglaublich was die dort veranstalten. Gegen 23 Uhr mußte ich leider als Spielverderber alle Beteiligten daran erinnern, dass morgen früh um 5.30 Uhr die Nacht zu Ende ist. So löste sich die Truppe gegen 23.30 Uhr auf und schlüpften in die Falle.

 

Am nächsten Morgen ging es dann um 6.30 Uhr zur Bordbuchausgabe, rein in den Boliden und rauf auf die Piste. Leider waren die WP1/4 am Ende der Welt und mussten innerhalb von 50 Minuten erreicht werden. Das war in den Bergen ein ganz schöner Kanten zu fahren. Dafür lagen die WP´s 2/4 & 3/6 in der direkten Nachbarschaft zum Fahrerlager. Der Aufschrieb gestaltete sich, trotz nur einer 35er Rallye, sehr umfangreich. Die bergige Streckenführung ging durch kleine verschlafene Ortschaften, Neben- & Betriebswegen, Spitzkehren, schnellen Twisties bis hin zu so schmalen Wegen bei denen man darauf achten musste die Spiegel nicht abzufahren. Bis auf eine gemeine Baustelle fanden wir alles problemlos und waren relativ zeitig wieder zurück im Basecamp. Dort wartete bereits die FK1 mit dem Frühstück und danach interpolierte Steffen noch einmal seinen Aufschrieb. Ach ja, da war ja noch eine wichtige Info zum Spirit-Team. Bei der Rallye Grünhain war Steffen erneut mein Co. Da Jana & Bernd am Jahresanfang bereits Urlaub beantragt hatten, wurde der Co-Verteilerplan so aufgestellt. Der Chef oder auch CoCo genannt, übernahm dieses Mal selbst die Aufsicht über die Pelze……..mmh das hatten die sich bestimmt auch anders erhofft?? Für die Pelze ist Rallye ja auch immer ein großes Abendteuer.

 

Steffen holte unsere Startzeit und dann ging´s ab auf die Strecke. Am Start erzählte Alfred den Leuten wieder alle möglichen Details über die Teams und prognostizierte, dass bei der starken Klasse das Treppchen für uns schwer werden würde. OK, gesagt getan! Pünktlich erreichten wir WP1. Vor uns startete Andreas & Gernot mit der Nr. 20 und wollte gerade mächtig angasen, da wurde das Rennen auch schon unterbrochen. Der weiße Cossi war gegen einen Baum gefahren. Shit Happens, nur Blechschaden und allen Beteiligten geht es gut! Nach einer Verzögerung von 20 Minuten ging es dann endlich weiter. Wie schon beim Aufschrieb festgestellt, lag mir die WP1 überhaupt nicht und Steffen war leider nach der Hälfte raus. Diese schwere kurvenreiche Strecke auf Sicht zu fahren war eine echte Herausforderung. Mit einer grotten schlechten Zeit erreichten wir das Ziel. Naja, besser geht immer und auf dem langen Weg zur 2.WP hielten wir noch ein wenig Manöverkritik. WP2 war eine Mischung aus ultraschnellen Streckenabschnitten mit brutalen Anbremspunkten, die in Rechts 1 und Links 2 Minus Abzweigen endeten, sowie extrem schmalen Anliegerstraßen. Hier absolvierten wir eine gute Zeit, Steffen optimierte seine Ansagen und wir rollten das Feld von hinten auf. Danach kam WP3 – Rundkurs (2 Runden + Ausfahrt) Ich liebe Rundkurse. Hier kann man so richtig angasen. Gesagt getan und ab ging der Roadrunner. Mit einer guten Zeit, einer Platzierung im vorderen Mittelfeld und keine Schäden am Fahrzeug knatterten wir zum Regrouping.

 

Nach 40 Minuten Regenerierung ging es bei Bruthitze erneut auf die Stecke zur Sektion 2. Aus den Fehlern im ersten Durchlauf (WP1) hatten wir gelernt und WP4 wurde entzaubert. Mit jeder neuen gefahrenen Zeit konnten wir große Sprünge nach vorne machen und hatten unseren Anfangsschnapper fast ausgebügelt. Erstaunlich bei dieser Rallye war die unglaubliche Fanbeteiligung an den Strecken. Tausende von Zuschauern säumten die Straßen. Ein tolles Feeling. Nach einer noch besseren WP5 waren wir in die zwanziger Ränge nach vorne gefahren und in unserer Klasse bereits auf Platz 3, also Treppchen! Der geneigte Leser wird jetzt vermuten, klar nur noch in´s Ziel kommen und den Pokal mitnehmen, bloß nicht mehr rausfliegen oder gar etwas kaputt machen. Tja, so ticken aber Rallyefahrer leider nicht. Der Zeitnehmer zählt runter und dann nur noch Pedal to the Metall!!

…..und genauso kam es in der WP6 Rundkurs. Ich gaste noch einmal richtig an und scheuchte den etwas untermotorisierten Roadrunner um die Ecken. Es lief wirklich echt super….bis zur vorletzten Kurve. Auf einem Bergabstück mit einer vorhergehenden Links 5 und Rechts 5 Kombination (also alles voll), musste auf eine Links 3 angebremst werden. Nach dieser Kurve ging es wieder bergauf und auf einer langen Gerade in´s Ziel. Also hieß es Schwung mitnehmen bei der Links 3. Leider war ich etwas übermotiviert und die Physik nahm sich ihren Tribut. Masse x Geschwindigkeit in Verbindung mit Reibhaftung = Bämm rechts rein in´s Unterholz, rumkurbeln wie ein Ochse am Lenkrad, baah geschafft, nicht eingeschlagen und rüber auf die andere Seite der Strecke. Leider waren dort zwei große Haufen Betonproctor abgeladen worden. Der Schwung reichte noch aus, so dass wir mit allen Vieren in der Luft waren und über einen der Haufen rüber flogen. Der Aufschlag war gewaltig und im Bruchteil einer Sekunde überlegte ich rechts ran zu fahren. Aber was Rallyefahrer als erstes lernen, so lange sich am Auto noch irgendetwas dreht und Vortrieb erzeugt wird, wird weitergefahren.  So rasten wir auf der langen Geraden zum Ziel und beglückwünschten uns selbst zur unerwarteten Zieleinfahrt. Unglaublich, kurz vor dem Ende der Rallye fast noch unseren dritten Platz in der Gruppe weggeschmissen! Unfassbar!

 

 

Mit der Einfahrt in den Parc Fermés war uns klar, 3. Platz in der Klasse und einen wirklich unfassbaren  spektakulären 22. Platz gesamt, bei einem Starterfeld von 109 Teams. Ein tolles Ergebnis. Für den interessierten Leser, dazu noch ein paar Hintergrundinfos: Die Grünhain ist  eine legendäre Einheimischenrallye. Hier fahren Teams die nur diese eine Rallye im Jahr fahren. 70% der Starter wohnen hier und fahren jeden Tag auf den WP´s zur Arbeit oder Sonntag Brötchen holen. Insider haben uns vorab eine gute Platzierung in den dreißiger Plätzen zugesprochen. Bämm Platz 22, trotz Abflug und Untermotorisierung! OK, OK, ich komme wieder runter und weiter im Bericht: Nach dem wir eingeparkt hatten, wollte ich nicht wirklich aussteigen. Wer weiß wie der Roadrunner nach dieser sinnlosen Aktion aussieht!? Da aber keiner der herumstehenden Beteiligten zum Boliden schaute oder gar Bilder machte, rafften wir uns auf und schälten uns aus den Sitzen. Nach der zweiten Runde um das Auto war klar, Subaru baut wirklich tolle Rallyeautos. Nichts, nicht einmal eine Schramme oder andere Deformierungen. Unglaublich. Im Basecamp angekommen wurden wir schon freudestrahlend erwartet und begrüßt. Wir ploppten erst einmal ein Bier auf und berichteten von der Rallye. Als Richard, Lydia & Sven eingetroffen waren, überspielte ich sofort die Onboards auf den Lappi und wir schauten uns alle 6 WP´s brühwarm an. Eine tolle Erfindung diese Gopro´s. Danach würgten wir uns aus den klatschnassen Klamotten und zogen uns für den legendären Eintopf um. Heute war Linseneintopf mit Bratwurst auf dem Plan. Sau lecker und genau das richtige nach so einem Ritt.

 

 

Nach dem wir wieder etwas herunter gekommen waren, lecker gegessen und getrunken hatten, bereiteten wir uns auf die Siegerehrung im Kulturhaus vor. 21.30 Uhr war ausgeschrieben, also erfahrungsgemäß gegen 21.45 Uhr aufschlagen. Leider verzögerte sich die Siegerehrung um eine weitere Stunde. Naja egal, ist eben Rallye, da haben die Veranstalter den Kopf voll:  Zeiten vergleichen, gelbe Flaggen auswerten, Referenzzeiten verteilen, Proteste bearbeiten usw. Der Moment in dem man aufgerufen wird, auf die Bühne geht und den Pokal in Empfang nimmt ist einzigartig. 3. Platz und Pokal bei der Grünhain….damit hatte ich bei der starken Klassenbesetzung nicht gerechnet.

 

 

Am nächsten Morgen wurde um 8 Uhr gemütlich gefrühstückt und lecker Käffchen geschlürft. Bei super Sommerwetter bauten wir dann das Basecamp ab, verstauten alles und machten uns auf den Heimweg. Nach einer stressfreien und ruhigen Rücktour erwischte uns ein Stau kurz vor der Abfahrt Mittenwalde. Hier entschieden wir uns zur Abfahrt und zuckelt durch KW nach Hause.

 

 

Resümee:

Geile Rallye, super organisiert und im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder auf der Liste. Jetzt bereiten wir uns auf die Bad Schmiedeberg Rallye vor. Diese ist gleich am nächsten Wochenende. Der Veranstalter hat das Konzept geändert und will wieder zurück zum Schotter. Auf dem Weg dahin ist die Streckenführung jetzt bei ca. 50/50 angekommen. Da wird der Reifenpoker vermutlich über die Platzierung entscheiden. Wir fahren angefahrene Maxxis Schotterreifen und schau´n mal wie wir die Strecke damit rocken.

 

 

 

Venceremos, Corina + Uwe

 

 

 

Die gute alte Zeit…..