Nr. 25 Spirit - Motorsport in Mosbach / Eisenach in Thüringen

15. Rallye der Saison 2016, die 17. ADAC-Rallye Race Gollert

 

Hallo Motorsportbegeisterte, Unterstützer und Freunde von Spirit-Motorsport,

 

es gibt so Rallyes und es gibt so Rallyes. Diese war „so“ eine! In der Kurzfassung: Außer Spesen, nichts gewesen.

Aber wie immer der Reihe nach.

Am Freitag, den 14.10.16, machten wir uns mit FK1 und den Pelzen auf nach Thüringen, in das beschauliche Mosbach bei Eisenach am Rennsteig. Einige von Euch waren bestimmt schon mal im Urlaub da. Die Anreise verlief für einen Freitag und Ferienbeginn erstaunlich gut und mit einer Pause waren wir nach 4 Stunden am Waldbad in Mosbach. Für Wissensbedürftige : Waldbad Mosbach!? Ja klar, da trainierten unsere Schwimmer für Olympia 1936. Ha und wieder was gelernt und den Bericht nicht umsonst gelesen. Auf dem Parkplatz des Waldbadrestaurants bauten wir unser Basiscamp auf. Die Betreiber waren leider genau in dieser Woche im Urlaub und so waren wir bei der Stromversorgung auf unser Aggregat angewiesen. Nach dem alles aufgebaut, ausgepackt und eingerichtet war konnten wir uns gemütlich zurück lehnen und die Landschaft, Gegend und Umgebung genießen. Am Waldbad gab es eine interessante Tiefbau-Baustelle die mein Interesse weckte. Mh, Baustelle? Ja klar, was machen Bauunternehmer immer als Erstes ? Eine Rechnung stellen für die Baustelleneinrichtung, also unter anderem für die Einrichtung von Baustrom….und siehe da, eine herrenlose Kabeltrommel lungerte verlassen auf der Baustelle rum. Also, unsere Kabeltrommel raus und den verlassenen Baustrom für´s Wochenende adoptieren. Somit war die Stromversorgung auch gesichert. (Ich hoffe diesen Bericht lesen nicht die falsche Leute, eventuell können wir für den verbrauchten Strom ja 10,- € für wohltätige Zwecke spenden!?) Gegen 16.30 Uhr trudelte Steffen ein und die Crew war komplett.

 

 

20.10.2016

Die Dokuabnahme und die TA waren bereits für 17 Uhr ausgeschrieben und so machten wir uns, zusammen mit Steffen, gegen 16.40 Uhr auf den Weg nach Mosbach. Unser Basiscamp lag nur 4,5 km entfernt und die Überfahrt führte durch verwinkelte und sagenumwobene Bergdörfer. Das Rallyezentrum in Mosbach war auf einem kommunalen Betriebshof, in einer Bushalle, eingerichtet. Pünktlich um 17 Uhr absolvierten wir die Dokumentenabnahme, beklebten unseren Rallyeboliden mit den üblichen Devotionalien und stellten uns bei der technische Abnahme an. Auch diese verlief ohne Beanstandungen und somit waren wir gegen 17.45 Uhr wieder zurück im Basiscamp. So muss das…! Getreu dem Motto : Amat Victoria Curam (Der Sieg liebt die Vorbereitung)

Im weiteren Verlauf des Berichtes werdet Ihr wieder einmal die Komplexität einer Rallye erfahren. Die Vorbereitung ist eine wichtige Schlüsselvoraussetzung, aber Rallye besteht aus so viel mehr. Es ist manchmal wirklich unglaublich!

Als wir im Basiscamp zurück waren, lud Torsten gerade seinen Golf vom Trailer und wir verabredeten uns zu einem späteren Bier. Steffen holte von einem Getränkemarkt noch zwei Kästen einheimisches Bier und so ploppten wir entspannt und erwartungsfreudig ein paar Bier auf. Traditionell wurde dann der Grill angeschmissen und Fleisch raufgeworfen. Mhh, Lammfilet mit würziger Marinade, Hammer!

Nach dem Torsten mit seinem Co, Andreas, die Abnahmen hinter sich gebracht hatten, trafen wir uns zum gemütlichen Bier und ein paar Benzingesprächen bei uns im Camp. Mit der Erfahrung aus mehreren Jahrzehnten Rallye sorgt Torsten immer für super interessanten Gesprächsstoff. Er kannte die Streckenführungen der Gollert von der Wartburgrallye und beschrieb Kurvenkombinationen, Anbremspunkte und heikle Stellen die besonderer Beachtung bedurften. Wir waren echt gespannt auf die Thüringen Achterbahn und das Wetter sollte trocken bleiben. Geil! Gegen 21.30 Uhr besuchte uns dann noch Richard mit seiner Frau und die Runde war perfekt.

Wie gewohnt war am Samstag wieder frühes Aufstehen angesagt und gegen 6.40 Uhr machten wir uns mit unserem Boliden auf nach Mosbach, das Bordbuch abzuholen. Zur Ausgabe wurden gleich zwei Bordbuchänderungen wegen Baustellen mit verteilt. Diese Baustellen veränderten massiv die Verbindungsetappen zu den einzelnen Wertungsprüfungen und sorgen in der Praxis immer zu unkalkulierbaren Zeitverzögerungen. Also, checken ab welchen Roadbook-Zeichen die Änderung beachtet werden muss und ab welchen Zeichen man wieder in die durchnummerierte Wegbeschreibung einsteigen muss. Die 1.WP lag nordwestlich von Mosbach hinter Eisenach, einer relativ lange Verbindungsetappe. Corina aktualisierte das Roadbook, vermerkte sich die Änderungen und ab ging die „Tour de Gollert“. Es ist von Rallye zu Rallye für uns auch immer wieder interessant wie die Veranstalter ihre Roadbooks erstellen. Von absolut perfekten Büchern, mit genauesten Streckenlängen, Straßennamen und Fotos der entsprechenden Wegmarken, bis hin zu einer schlecht kopierten A4 Seite, bei der nur Einheimische wissen wo die WP´s stattfinden, haben wir bei unseren bisherigen 25 Rallyes alles erlebt. Bei der Gollert stand erfreulicherweise ein gut gemachtes Roadbook zur Verfügung. Teilweise fehlten aber in den kleinen abseits gelegenen Örtchen mal ein paar hilfreiche Straßennamen zur Orientierung. Aber wer Corina kennt, hier wird ins Roadbook gebissen und perfekt navigiert. Gesagt getan und wir erreichten im Nirgendwo den Start von WP1. Ein weißer Strich auf einem asphaltierten Betriebsweg!! Für die Kenner unter den Lesern, die WP1 ist ein Teilstück der berühmt berüchtigten WP „Cosmodrom“ von der Wartbugrallye.

Also Aufschriebblock raus und das Wirrwarr von Kurven, Kuppen und Besonderheiten angesagt und aufgeschrieben. Aus den YouTube-Videos kannte ich ein wenig die Streckenführung und wusste auch, dass die RSG Mosbach ihre Streckenverläufe mit eigenen gelben Warnbarken bestückt. Diese werden vom Veranstalter meisten eingesetzt um das Cutten (Schneiden der Kurve) zu verhindern. Mit dem Cutten wird Dreck auf die Strecke gebracht und macht für die nachfolgenden Teams das Fahren dieser Kurven zu einer wirklichen Herausforderung. Je mehr Teilnehmer und Durchläufe, umso wichtiger ist es, auch solche Kurven mit Cut´s in dem Aufschrieb zu vermerken. Der Veranstalter vermindert mit diesen Barken die notwendige Nachbetreuung und Säuberung der Strecke nach der Rallye. Jeder Rallyefahrer hat in seiner Karriere unzählige rot-weiße Warnbarken weggeknallt oder gar überfahren. Nicht schön, aber im Eifer des Gefechtes nicht zu vermeiden…..oder doch!? Hier könnte der Bericht jetzt Enden und ich könnte mir die Schmach der Einzelheiten ersparen. Aber wat mutt, dat mutt.

Nachdem wir die erste Besichtigungsrunde hinter uns hatten, aktivierten wir das Navi und fuhren wieder zum Start. Leider hatte der Veranstalter keine Rückführungen zum Start für die zweite Abfahrt mit ausgewiesen. Aber das kennen wir glücklicherweise schon von anderen einheimisch dominierten Rallyes. Am Start entschied ich, die anstehende bergab Kurvenkombination, etwas anzugasen, um zu probieren wie das Heck reagieren wird. Gesagt getan. An Kurve Zwei, ja, in der zweiten Kurve, kam ich zu weit nach innen und tuschierte die Warnbarke. Tja, normalerweise kein Problem, man klappt den Spiegel wieder aus oder wenn´s mal etwas rasanter erfolgte, hat man eben kein Spiegelglas mehr…..nicht bei der Gollert. Bähm und im Bruchteil einer Sekunde war die linke Beifahrerscheibe in tausende Einzelteile zerschossen. Durch die vorgeschrieben Sicherheitsfolien ist glücklicherweise nichts passiert, aber mir war sofort klar, das war´s mit der Rallye. Vier Kurven weiter fuhren wir rechts ran und analysierten die momentane Situation. Scheibe komplett raus, Spiegelglas und unzählige Einzelstücke zersplittert. Mit der Berührung der Barke wurde der Spiegel schlagartig in die Seitenscheibe gefeuert und zerstörte damit punktgenau das Fenster…..aber warum? Wir hatten bisher unzähligen Warnbarken eine verpasst. Rechte Seitenspiegel und Spiegelgläser habe ich im Abo in der Homebase zu liegen. In einer Entfernung von ca. 10 Meter stand so ein mistgelbes Ding. Ich ging hin und trat dagegen….haa was für eine Erkenntnis, massiver Stahl mit Vierkant im Betonfuß. Unkaputtbar und für die Ewigkeit gebaut. Respekt, das hätte man wissen müssen! (können?)

Wir versuchten unsere Lage zu bewerten und kamen schlussendlich zur Erkenntnis, dass die Race Gollert für uns damit beendet ist, bevor sie angefangen hat. Wir informierten telefonisch unsere Crew und fuhren rück zu am Rallyezentrum vorbei und meldeten uns ab. Alle Beteiligten dachten, dass wir ein Scherz machten und konnten es auch nicht glauben. Shit Happens, ist Rallye!

So waren wir gegen 9.30 Uhr wieder im Basiscamp und erläuterten nochmals haarklein den unglaublichen Fahrfehler. Wie immer im Leben gibt es Gewinner, Verlierer und welche die sich freuen. Wer ? Natürlich die Pelze,  die fanden es super, dass wir wieder so früh zurück waren. Naja, was soll man sagen? Als wir wieder alle etwas gefasster waren, hockten wir uns gemeinsam zu einem gemütlichen Frühstück hin und schlürften ein paar leckere Kaffees. Einstimmig entschieden wir das Lager abzubrechen und nach Hause zu fahren. So war gegen 11.30 Uhr alles abgebaut, verstaut und verladen….na Klasse, pünktlich zur Fahrerbesprechung um 12 Uhr sind wir also fertig. Bei der Abfahrt trafen wir dann noch ein paar Teams auf den Weg zur Besprechung, echt grausam!

Die Rallye selbst war sehr durchwachsen. Es kam zu vielen Ausfällen durch technische Defekte und auch wegen fatalen Fahrfehlern. Für die, die sich interessieren, bei YouTube unter „Rallye Race Gollert 2016“ kann man sich ein paar spektakuläre Szenen anschauen. Ein BMW tuschiert einen Baum und rutscht den Hang hinunter, Torsten reißt sich bei voller Fahrt das rechte Hinterrad ab und zieht einen Feuerschweif hinter sich her und so weiter und so weiter. Gewinner war erwartungsgemäß zum 7.mal das Team Ramonat, als Lokalmatador, vor Reindl. Glückwunsch!

Die Heimfahrt gestaltete sich am Samstagmittag absolut stressfrei. Nach einer Pause auf einem Autohof kamen wir gegen 16 Uhr in der Homebase in Wernsdorf an, entluden alles und waren pünktlich um 17.15 Uhr auf der Couch um die WRC in Spanien auf Sport1 zu verfolgen. Mikkelsen zeigte uns dann, wie man an einer Leitplanke das Fliegen lernen kann. Zum Glück nichts passiert, alle wohlauf, aber spektakulärer Abflug….it´s Rallye! Bei diesem Sport wird jede deiner Handlungen, ob richtig oder falsch, sofort umgesetzt. Das Ergebnis entscheidet dann über Sieg oder Niederlage!!

Mit diesem Bericht auch nochmals eine herzliche Danksagung an´s Team. Ohne Euch wäre das Alles nicht möglich.

Resümee:

Nächstes Jahr also ein neuer Versuch die Gollert mal zu fahren. Von der Streckenführung absolut tolle Rallye und landschaftlich ein Highlight. Wir freuen uns auf 2017 und der 18. Ausgabe  Race Gollert.

Jetzt bereiten wir uns intensiv auf den Höhepunkt des Rallyejahres vor, die Internationale Lausitz Rallye in Boxberg/Lausitz. Unser sechsköpfiges Team wird vom 26.10. bis zum 30.10.2016 das Basiscamp dort aufschlagen und drei Tage Rallye feiern. Die bisherige Nennliste ist hochkarätig besetzt und lässt auf spektakuläre Ritte durch die Heidelandschaft und Tagebaue hoffen.  

Venceremos, Corina + Uwe