06.07.2016

10. Rallye der Saison 2016, die 23. ADAC Grabfeldrallye in Sulzdorf an der Lederhecke (Bad Königshofen)

 

Hallo Motorsportbegeisterte, Unterstützer und Freunde von Spirit-Motorsport,

 

eigentlich waren wir zur Flugshow auf dem Teterower Bergring im Rahmen des Schotter Cup´s gebucht, aber wir wollten mal mit ein paar vorherrschenden Vorurteilen aufräumen. Also, ab zur größten Rallyeparty im nationalen Rennzirkus. Eine Rallye wie sie schwer zu beschreiben ist. Bisher kannten wir nur negative Vorurteile von Leuten die selbst noch nie da waren……aber wie immer, der Reihe nach!

Am Freitag starteten wir zur Reise in das 450km entfernte Sulzdorf an der Lederhecke. Für alle die in der Geographiestunde in der Ecke stehen mußten oder gerade Kreide holen waren, dass liegt direkt an der Thüringischen-Bayrischen Landesgrenze, in der unmittelbaren Nähe von Bad Königshofen (Unterfranken) Landkreis Röhn-Grabfeld….man man, Allgemeinwissen!

Als Spirit-Team waren dieses Mal nur Steffen, Bernd, Corina und ich am Start. (und natürlich die Pelze) Jana mußte wegen einem Trauerfall in der Familie leider zu Hause bleiben. Hiermit nochmals unsere herzliche Anteilnahme.

Mit 100% Asphaltanteil wurde also der Roadrunner verladen und Steffen übernahm erneut den „heißen Sitz“ ;-)

Erstaunlicherweise gestaltete sich die Anreise an einem Freitag und Urlaubsbeginn sehr entspannt und der Verkehr rollte. Die erwarteten Engstellen, auch Baustellen genannt, waren flüssig und fluppt durch!

Pünktlich und wie geplant trafen wir gegen 14.30 Uhr in Sulzdorf an der Lederhecke ein. Schon das alleine war ein Highlight….komplette Ausschilderung von der Autbahnabfahrt bis zum Fahrerlager, Ordner und Personal vor Ort, alles abgeflattert und zugeordnet….machte schon mal einen guten Eindruck. Die Dimension des Fahrerlagers, des Parc Fermés und vom Rallyehauptquartier (ein riesen Volksfestzelt) lies schon auf so einiges Hoffen.

Auf dem riesigen Gelände konnten wir uns einen super Stellplatz am rechten Außenrand mit Blick zum Wald und kurzen Weg für die Pelze sichern. Zur Doku und TA war alles kurz zu Fuß zu erreichen. Wie uns dann die „Spätankommer“ neidvoll bestätigten, haben wir ihren Platz belegt….Grund: am Rand und abschüssig, wenn´s regnen würde kommt keiner mehr von der Wiese!!! ….und ihr ahnt schon was am Ende des Berichtes kommt.

So bauten wir unser Basiscamp routiniert auf, verlegten den Rasen, warfen das Aggregat an und schlürften erst einmal ein paar Kaffee´s

Nr. 20   Spirit – Motorsport bei der Rallyeparty des Jahres  

Nr. 20   Spirit – Motorsport bei der Rallyeparty des Jahres  

Zu halb Fünf machten wir uns auf zur Dokumenten- & technischen Abnahme. Also rein in den Roadrunner und ab zum Festzelt. Auch hier die absolut perfekte Organisation. Fünf startnummernbezogene Einzelcounter zur Dokuabnahme, ein Einzelcounter für die C-Lizenzen und ein Counter für die Ausgabe der Rallyeunterlagen. Bup..angestellt, ran gekommen, Unterschrift und weg..…unglaublich. Genauso die TA, wir hatten gerade die obligatorischen Aufkleber auf´s Auto gebappt, da stand schon der erste TK am Kofferaum und wollte die Rallyeklamotten sehen. Also Taschen auf, kurzen Check und fertig, dann den Roadrunner noch durch die TA geschoben, vorne reingeschaut, Mitte reingeschaut, Pickerl auf´s Auto und durch……schneller als man ….was auch immer! So muß das eben gehen bei 200 genannten Teams……..da hilft nur deutsche Perfektion und Organisation.

…und wisst ihr was wirklich erstaunlich war? Alle Leute vom Veranstalter (Orga, Einweiser, Doku, TA usw.)waren kompetent und freundlich. Es wurde unglaublich viel gelacht. Das haben wir auch schon mehrmals anders erlebt!

 

In einer enterprisemäßigen Zeit waren wir wieder zurück im Basiscamp und ploppten ersteinmal ein paar verdiente Bierchen auf. Dann gings zum gemütlichen Teil über, heizten den Grill an und stellten den Tisch bis auf den letzten Zentimeter mit kulinatrischen Genüssen voll. Man, das alleine fetzt schon bei einer Rallye!

Am nächsten Morgen ging es um 7 Uhr zum Aufschrieb auf die Strecke. Auch hier wieder ein Superlativ, diese Rallye bestand nicht wie gewohnt aus 3 WP´s die zweimal gefahren werden, nein, es waren 6 WP´s die jeweils nur einmal durchfahren werden. Nichts mit Antesten und mal schaun ob die Kurve eine 3 oder doch eher eine 4 sein könnte. Rauf auf die Strecke und Gummi war die Parole für diese Rallye. Aber erst einmal 6 WP´s in der Zeit schaffen, auch nicht gerade eine MickyMouseVeranstaltung. Nach 4 Stunden waren wir erfolgreich im Basiscamp zurück und konnten die ersten Streckenerlebnisse bei einem üppigen Frühstück verarbeiten. Der Wetterbericht sagte nicht nur möglichen Regen voraus, nein er garantierte diesen! Also, was wollen wir mit der Reifenwahl machen!? Sicherheitshalber hatte ich Regenreifen eingepackt. Fakt war jedenfalls, dass bei den schmalen Wegen, den Kanten, Cut´s und Belagswechseln ein normaler Straßenreifen keine Chance haben wird. Wir entschieden uns trotz Regen für die Slicks ohne Profil…heidewitzka das wird ein Spass!!

Erwartungsgemäß fing es genau zur Startzeit an zu regnen. In der Zwischenzeit hatte Steffen als Copilot auch die Vorteile einer Checkliste erfahren. Mit seinem Griff in die leere Tasche und der Erkenntnis, er hat seinen HANS (head and neck support) vergessen, war die Rallye vorbei bevor diese begonnen hatte. Zum Glück packt Corina ihre komplette Rallyeausrüstung mit ein, um allen Möglichkeiten entgegen zu wirken. So viel dazu…also, HANS umwürgen, in´s Auto springen und ab zum Startbogen. Bisher hätte man nie gedacht das wirklich an die 200 Teams an dieser Rallye teilnehmen. Alles entspannt, pünktlich und ohne Hektik. Alleine an dieser Stelle gibt es Veranstalter, die zu diesem Zeitpunkt mit 60 Teams bereits überfordert wären.

Nach den ersten beiden WP´s ging es dann zurück zum Regrouping nach Sulzdorf. Erwartungsgemäß waren die Strecken platsch nass und durch das vorhergehende Starterfeld, wir hatten die Stratnummer 97 und starteten als 88zigster), unglaublich ausgefahren. Der größte Anteil der Strecken waren asphaltierte Betriebswege zwischen den Feldern. Diese waren genauso breit wir der Roadrunner, endeten grundsätzlich auf eine 90° Kurve und hatten immer links und rechts Entwässerungsgräben. Man, was für eine Strecke. Hier hattest Du auf jeden Fall mehr Potential raus zu fliegen als heile anzukommen. Auf WP1 erinnerte ich mich an die weisen Worte von Björn, langsam rein und schnell raus! Genauso gings dann durch die Rhön. Ran an die Kurve, sinnig durch und sobald das Lenkrad wieder gerade Stand : Pedal to the Metall!! Mit dieser Taktik konnten wir unseren Klassenfeinden (CTC28) gleich in der ersten WP mal 20 Sekunden überbraten. Unser Team verfolgte die Ergebnisse gspannt am Liveticker und konnte es kaum fassen. Dazu muss man wissen, dass wir mit einem Delta Integrale Allrad und einem BMW M3 Boliden (300 PS) zwei ernst zunehmende Gegner vor uns hatten. Wir machten uns eigentlich keine großen Siegeshoffnungen, zu mal der M3 vom einheimischen Veranstalterclub war. Die 2.WP lag mir dann noch besser und Steffen fummelte sich ins Roadbook. Alle lief super und so erreichten wir durchgeschwitzt und mit geschwellter Brust das Regrouping…aber alles noch kein Grund euphorisch zu sein! Nach 50 Minuten Zwangspause ging es um 15.45 Uhr zu den weiteren vier WP´s….und die sollten es noch in sich haben.

Als wir an der WP3 ankamen entstanden schon die ersten Wartezeiten. An einer bösen Kuppe mit einem sofortigen Versatz in der Geraden waren mehrere Abflüge zu verzeichnen. Wir kamen sauber durch und zementierten unseren Zeitvorsprung ohne weiter in´s Risiko zu gehen. Jetzt ging es zur WP 4 und WP 5. Diese lagen im Osten und waren mit einer Verbindungsetappe von mehr als 35 km extrem weit weg. Unterwegs konnten wir uns noch alte Grenzzäune und Wachtürme anschauen. Man, ist das schon wieder lange her und irgendwie unwirklich.

WP 4 hatte es dann richtig in sich. Auf einer langen Geraden mit V-Max endete diese in einer links 5 die über eine Kuppe sofort in eine rechts 1 bergab und in eine links 1 endete. Das Ergebnis : 10 Boliden wurden bereits an dieser einen Stelle weggeschmissen. Rutschig, glatte Streckenverhältniss und ein richtiger Aufschrieb gehört eben zur Rallye. Der WP-Leiter kam dann genervt am Start von Auto zu Auto und beschrieb die umminöse Stelle. Wir schauten sofort in unseren Aufschrieb und waren hoch erfreut, dass genau diese Stelle mit Achtung! Rutscht! sofort brems und grüner Hinterlegung besonders gekennzeichnet war. Cool! Also nach ca. 30 Minuten Verzögerung, in praller Sonne und aufsteigenden Dunst vom vorhergehenden Regen, machten wir uns auf die Strecke. An der betreffenden Kurvenkombi war es wirklich verdammt glatt und man mußte den Roadrunner fasst rumtragen…...aber allet jut und wieder mit Klassenbestzeit durch´s Ziel. Bähmm!

Ab der 4.WP wurden die Streckenverhältnisse merklich besser und trockner. Der M3 gaste mächtig an und versuchte auf den letzten drei WP´s seinen Powerüberschuss auszuspielen…..und dann kam WP 5.

In der letzten Kurven, also wirklich in der letzten, verbremste er sich und schob seinen Boliden über ein Hindernis. Alle vier Räder hatten nicht mehr genug Bodenhaftung und die Rallye war für ihn aus. Wir erhielten an dieser Stelle die gelbe Fahne und mußten Gas rausnehmen. Steffen zeigte bei den Zeitnehmern gelb an und wir erhielten vom Veranstalter eine „Referenzzeit“. Wie so etwas berechnet wird entzieht sich unserer Kenntnis. Jedenfalls kann unsere nicht stimmen. Wie erhielten gegenüber dem Delta nur zwei Sekunden Vorteil. In den vier vorhergehenden WP´s hatten wir bei Beiden immer mind. 10 – 20 Sekunden abgenommen. Naja, was soll´s, wir fahren ja nicht um den Gesamtsieg und es reichte uns bei weitem um entspannt die 35 km zurück zu fahren und den Rundkurs in Sulzdorf als WP 6 anzugehen. Ein ultra schneller Kurs, mitten durch den Ort mit zwei bösen Spitzkehren und einer langen „ArschzusammenkneifenundaufdemGasbleiben“ Kurve. Hier nahm ich nach der ersten übermotivierten Runde extrem das Gas raus und wir beendeten trotzdem noch mit mehr als zwei Sekunden schneller als der Delta den Rundkurs.

Gesamtsieger wurde das Team Ramonat/Centner auf einem EVO und das zum vierten Mal, Respekt. Wir wurden von 183 gestarteten Teams 70zigster und 34 Teams sahen die Zeilflagge leider nicht. Mit Einfahrt in´s Parc Fermés war klar, wir haben die Grabfeld komplett überstanden, wir haben nichts kaputt gemacht und sind außerdem noch Klassensieger geworden. Was für eine Rallye. 200 Teams und dann noch den Klassensieg. Bei so vielen Teilnehmern kann man davon ausgehen, dass nicht nur Nasenbohrer an den Start gehen.

Bernd erwartete uns bereits am Tor und hängte das Spirit-Plakat für alle sichtbar und unübersehbar direkt an der Einfahrt auf. Nach dem Einparken und Luft holen, fiel mir persönlich ein riesiger Stein von den Schultern. Das wir diese Rallye unbeschadet überstanden hatten und dann noch den Bayern einen Pokal abnahmen war einfach unfassbar und irgendwie nicht real. Da mußte noch etwas Zeit vergehen um das zu verarbeiten.

Als Erstes zurück zum Basiscamp, Corina begrüßen (die sich auch riesig freute das wir heile wieder da waren) die Pelze abknuddeln, und……ihr wißt, erst einmal ein Bier aufploppen. Verdient ist verdient!

Dann ging es erst einmal Duschen, umziehen und zum zweiten Bier. Als Spirit-Tradition gab es wieder am Samstagabend „Eintopf“ Dieses Mal Kartoffelsuppe mit extra Einlage. Super lecker, stressfrei und nahrhaft.

Gegen 22 Uhr machten wir uns auf zur Siegerehrung. Unsere „La“ Mannschaft hatte bis dahin Null Null gespielt und pünklich zum absoluten Endspielkrimi saßen wir mit mehr als 1.000 verrückten und adrenalinvollgetankten Rallyefreaks im Festzelt. Das muss man in seinem Leben mal erlebt haben….unglaublich was da abgeht. Zum Glück haben wir gewonnen. Nach 12 Uhr wurde dann die Siegerehrung vollzogen und um 0.30 Uhr hielten wir Stolz unseren Pokal in den Händen….riesen groß und schön bunt!

Am Sonntagmorgen trafen wir uns dann unausgeschlafen aber glücklich um 8 Uhr zum gemeinsamen Frühstück. Wir bauten dann ohne Hektik das Basiscamp ab, verluden den Roadrunner und machten uns gegen 10 Uhr vom „Acker“. Hier sind wir wieder beim Thema von Seite 1. Der Veranstalter hatte aus Erfahrung bereits einen Unimog zur Verfügung gestellt und schleppte schon seit Stunden Frontkratzer und Heckschleudern mit Caravanhänger vom Acker. Tolles Bild.

Die Rückreise gestaltete sich genauso stressfrei wie die Hintour. Alle Baustellen waren flüssig, der Verkehr war überschaubar und unser Zeitplan hielt.

Allen selbst ernannten Fachleuten mit ihren Voruteilen zum Trotze, eine unglaubliche Rallye und immer eine Teilnahme wert. 200 Teams, 6 verschiedene WP´s….wo will man vergleichbares erleben und erfahren? Jedenfalls nicht in Deutschland. Wir waren angetreten um uns selbst eine Meinung über diese Veranstaltung zu verschaffen. Das uns diese Rallye so angenehm überrascht hätten selbst wir nicht zu hoffen gewagt. Eine unvergleichliche Organisation, ein sauberer und durchdachter Ablauf der Rallye und alle Beteiligten bishin zu den Anwohner und Rallyefans an den Strecken (über 10.000) waren super gut drauf. Ein Jahreshöhepunkt für die ganze Region. Wir werden im nächsten Jahr wieder antreten und würden uns freuen ein paar weitere Teams aus unserem Umfeld mit überzeugen zu können.

In 14 Tagen geht es dann runter nach Niederbayern, in´s schöne Passau zur Ostbayern Rallye. Da fahren wir wieder in alter bewehrter Teambesetzung, CoCo als Co und Bernd mit Jana. Steffen baut zurzeit den Roadrunner auf Schotter um. Leider sind die notwendigen Blechteile für die blaue Elise noch immer nicht geliefert worden.  Hoffentlich können wir die Wedemark mit der Elise bestreiten. Schau´n wir mal!

 

Venceremos, Corina + Uwe