Nr. 35  Spirit – Motorsport im Schleswig-Holsteinischen Oldenburg

10.10.2017

9. Rallye der Saison 2017, die 10. ADAC Ostsee Rallye

 

Hallo Motorsportbegeisterte, Unterstützer und Freunde von Spirit-Motorsport,

 

am Freitag, den 29.09.2017 ging es erneut an die westdeutsche Ostseeküste, nach Schleswig-Holstein. Der MSC Holstein war schon der Ausrichter der Holsten-Rallye und zog jetzt mit der 10. ADAC Ostsee Rallye im Rahmen des DMSB Rallye Cup´s nach. Leider war die voran gegangene Informationspolitik, zum tatsächlichen Veranstaltungs-termin, sehr verwirrend und man mußte viele Kanäle nutzen um aktuell zu bleiben. Wer auf den bekannten Termin Mitte September gesetzt hatte (Urlaub, Orga, Crew usw.)  mußte leider die Karten neu mischen. Aus organisatorischen Zwängen und Genehmigungsgründen wurde der Termin 14 Tage nach hinten verschoben. Einige Teams konnten diese Verschiebung nicht kompensieren und so war dieser wichtige Lauf des DMSB-Rallye-Cup Nord mit nur 27 Teams besetzt. Respekt für den Veranstalter, der vermutlich nur für dieses Prädikat entschieden hatte die Rallye trotzdem durchziehen….an dieser Stelle nochmals Danke für diese Entscheidung!!

Wir starteten mit unserer Spirit-Crew, ohne unseren chief mechanic Steffen,  kurz nach 9 Uhr von der Homebase in Richtung Norden. Das verlängerte Wochenende, durch den Feiertag, und Ferienbeginn in ein paar Bundesländern machten eine Prognose zur Fahrzeit relativ schwer. Dem entsprechend kam das Navi aus „die Route wird aus aktuellem Anlass neu berechnet“ gar nicht mehr raus. Vor Lübeck und Hamburg wurden mehrere Staus mit bis zu drei Stunden Wartezeit aufgerufen. Also entschied das Navi, wir fahren quer durch Lübeck…… …eine schöne Stadt!

Aber nicht am Freitag um 13 Uhr mit einer gesperrten Autobahn. Alle Umfahrungsrouten wichen auf die schöne alte Innenstadt von Lübeck aus…..so verbrachten wir am Freitagnachmittag eine Stunde mit Sightseeing und das mit drei Gespannen. Egal, wir wurschtelten uns durch und kamen in Bad Schwartau (mit dem größten, sich drehenden Marmeladenlogo der Welt) geschlossen und ohne Verluste wieder raus. Allet jut! Um 14.30 Uhr erreichten wir Oldenburg und fanden auf Anhieb das Fahrerlager am Wallmuseum.

Das Wallmuseum ist eine coole Location, in der anschaulich und live das Leben, Wohnen, Arbeiten und das kulturelle Schaffen der Slawen in einem Museumsdorf gezeigt wird. Mit original getreuen Nachbauten und mit authentischen Komparsen wurde mit dem Wallmuseum greifbare Geschichte umgesetzt. Tolle Anlage.

Bei der Ankunft teilten wir uns den großen Parkplatz mit einer Hochzeitsgesellschaft und wir belegten einen optimalen Platz am Rande des Geschehens. Die Doku, TA, Startpark und Parc Fermés waren alles auf diesem großen Parkplatz geplant…optimal! Der Aufbau, ihr ahnt es schon, verlief choreographisch & routiniert Perfekt ab und in kürzester Zeit war das Basescamp komplett. Wie immer war die Suche nach einem Stromanschluss das gesetzte Ziel jeden Aufbaus. Auch diesmal konnten wir einen erneuten Sieg zum Thema verbuchen. In ca. 80m Entfernung hörte ich Bohrmaschinen und Stemmhämmer. Da diese nicht mit Brennnesselsaft funktionieren, sollte hier was gehen. Bernd übernahm dann die dafür notwendigen Verhandlungen und kam mit einer angeschlossenen Kabeltrommel und freudestrahlend zurück. Sauber!

Pünktlich, um 16 Uhr, erfolgt im Torhaus vom Wallmuseum, die Dokumentenabnahme und danach ging es fließend zur technischen Abnahme. Für die technische Abnahme waren die gleichen TK´s von der Holsten Rallye vor Ort und so kannte man sich schon. Die Abnahme erfolgte wie gewohnt gründlich und akribisch, es wurden Zertifikate gesichtet und der KFP geprüft. Am Ende gab es stressfrei das wichtige Pickerl auf´s Auto.

Somit waren wir noch vor 16.30 Uhr zurück im Basiscamp und konnten einen sonnigen Nachmittag angehen lassen…..genau, erst einmal ein paar Bierchen aufploppen und einen leckeren Roten in´s Glas. Pünktlich zum Fahnenappel kam dann noch das Team Xado mit Ken und Mario und so konnten wir standesgemäß das Rallyewochenende beginnen.

Nach ausgiebiger Entspannung schmissen wir den Grill an und……nein, dieses mal keine halben Ochsen und ganze Schweine, sondern Burger! ….eine schöne Boulette mit Röstzwiebeln, Burgersoße, Käse, Salat und Gurken. Auf der Rallye mal was Neues und super lecker. Das machen wir auf jeden Fall nochmal. Der Abend verlief dann auch mit Vielvöllerei & entspanntem Ausklingen in eine ruhige Nacht ohne Vorkommnisse.

Am nächsten Morgen klingelte um 5.30 Uhr der liebe Wecker und es war Rallyesamstag! Die Bordbücher und Abfahrts- & Zeitkarten gab es wie gewohnt bereits am Freitag. Somit war die frühe Organsation und Abfahrt zu den WP´s sehr entspannt. Eine Bitte: Sollten, aus welchen Gründen auch immer, Rallyeveranstalter diesen Bericht lesen, bitte, bitte, bitte übernehmt dieses tolle Detail, Bordbücher am Freitag ist einfach nur spitzenmäßig. Es ersparrt Euch am Samstagmorgen viel Orga, mürrische Frühaufsteher und Zeit!!  Danke.

Wie bereits vorab bekannt wurde, mußte die Ostsee Rallye in diesem Jahr auf dem gleichen Gelände des Truppenübungsplatzes in Putlos ausgerichtet werden. OK, die Holsten war schon ein super Knaller, aber nochmals da fahren!? Wir waren skeptisch. Der Recce verlief routiniert und wir waren über die neue Streckenführung erstaunt. Noch selektiver und mit den unzähligen Belagswechseln von Schotter auf Asphalt und umgekehrt eine wirkliche Herausforderung. Bis auf einen Abzweig für WP5/6 an dem ein hilfreiches Richtungsschild fehlte (hier kamen bereits Teams aus allen möglichen Himmelsrichtung zurück und zuckten mit den Schultern) fanden wir alle  Streckenabschnitte problemlos und gestalteten ein detailiertes und verfeinertes Roadbook. Ein paar Passagen waren schwer einzuschätzen, dazu gehörte z.B. auf WP 2 die dunkle Walddurchfahrt auf Betonplatten mit Laub und feuchten schwarzen Boden mit massenhaft Bäumen an der Strecke und natürlich auch die Graspassagen, quer über den Truppenübungsplatz. (Lehmboden, Pfützen, rollender Schotter….usw.)

Pünktlich waren wir zurück im Basiscamp und Frühstückten erst einmal genüsslich. Dann hatten wir noch etwas Zeit für´s Auftanken, Luftdruck reduzieren und sogar noch zum Entspannen.

Um 10.30 Uhr gabe es die Startzeiten und wir machten uns zu 11.15 Uhr gemütlich zu Fuß auf, in den nur 100m entfernten Startpark. Start erstes Team um 11.31 Uhr, unsere Startzeit war also mit Start-Nr. 5 auf 11.35 gesetzt. Bernd hatte wieder strategisch genial unser Spirit-Banner am Start platziert und ab ging die 10. ADAC Ostsee Rallye.

Pünktlich und ohne Verzögerung ging es an den Start der WP1, Georgenhof mit 8,28 Wertungskilometern. Ein Rundkurs mit zwei Runden + Plus Ausfahrt. Die Ausfahrt war dann aber auch extrem länger, als man das sonst so von einem Rundkurs kennt. Geile Streckenführung mit ultraschnellen Kurvenkombanitonen über Kuppen bei denen man einfach nur die Arschbacken zusammenreißen mußte und das Gas stehen lassen konnte. Auch die Schikane im Rundkurs, nach einem super schnellen Schotterteil, war beim Anbremsen über eine Kuppe auf Beton mit mitgenommenen Schotter nicht zu unterschätzen. Mit einem sensationellen 8. Platz im Gesamtfahrerfeld beendeten wir WP1 und grinsten nur die ganze Zeit. Durch eine sehr kurze Verbindungsetappe standen wir schon in kürzester Zeit vor WP2, Groß Wessek mit 8,71 Wertungskilometern. Hier war bereits ein Streckenabschnitt von der Holsten bekannt. Die Schotter-Asphaltabschnitte und die Panzerplatte wurden jetzt bei der Ostsee Rallye nur anders herum gefahren. Danach ging es um die Panzerwaschanlage, auf eine extrem schnelle rechts links Kurvenkombination, mit ca. 160 km/h durch eine Baumallee, mit einem Anbremspunkt runter auf 25-30 km/h, rechts 2 in den Wald mit der schmierigen Belagskonsestenz. OK, richtig eingeschätzt, Tempo raus und durch. Danach kamen noch weitere sauschnelle Passagen, die mit Belagwechseln in den Kurven und Kuppen extrem selektiv gefahren werden mußten. Dazu gehörte auch der Streckenteil vom Holsten-Rundkurs, in dem ein Twisty in den Wald hinein, aus einer super schnellen rechts 5 lang, lang und eigentlich vollgeht, wenn man richtige Nuts hat geht das auch. Wir beendeten die WP2 mit einem tollen 9. Gesamtplatz. Geil. Dann ging es zum ersten Regrouping, gleich um die Ecke, und ohne Verzögerung zogen wir nach 30 Minuten Pause die WP3 (gleiche Strecke wie WP1) und die WP4 (gleiche Strecke wie WP2) durch.

Nach den beiden Einzel-WP´s ging es dann zurück zum Startpark zur Reifenwechsel- & Tankzone am Wallmuseum in Oldenburg. Bernd wartete schon mit dem entsprechenden Equipment an der nahe gelegenen Tankstelle auf uns und wir tankten aus dem Kanister 20 Liter Shell V-Power nach. Es ist immer wieder erstaunlich, welchen Verbrauch solch ein Rallyebolide unter Volllast hat. Nach kurzem Check der Dmack-Reifen entschieden wir uns dabei zu bleiben und keinen Wechsel vorzunehmen. Treu dem Motto: do not change a winning team!

Nach 25 Minuten ging es dann zur 3. und entscheidenden Sektion der Ostsee Rallye. Jetzt wurden die WP´s 1 & 2 zusammengelegt und als WP5 & 6 mit 13,71 Wertungskilometern gefahren. Einfach nur Geil! Das hatte schon bei der Holsten total gefetzt. Wir freuten uns riesig. Pünktlich und erneut ohne jegliche Verzögerung ging es auf die Strecke und wir bretterten die knapp 14km über die Wertung. Mit dieser WP-Streckenführung wurden alle unsere Erwartungen übertroffen, so etwas Tolles gibt es wirklich nur auf dem Truppenübungsplatz Putlos. Wir beendeten die WP5 mit einem 10. Platz in der Gesamtwertung und es ging zur ZK9 als letztes Regrouping mit 20 Minuten Pause. Jetzt hieß es letzte WP, durchkommen, Spaß haben und vor allem….ankommen! Erneut pünktlich zählte die Starterin routiniert runter und schickte uns auf die Strecke. Mit einem erneuten 10.Platz in der Gesamtwertung beendeten wir die letzte WP und waren überglücklich über unseren Erfolg, der gezeigten Leistungen und das der Roadrunner in einem Stück ohne Schäden durchs Ziel rollte. Mega!! CoCo hat erneut auf dieser sehr selektiven, ultra schnellen und anspruchsvollen Rallye eine tolle Leistung abgeliefert. Unser Team ist erneut enger zusammengewachsen und unsere spezielle Verfeinerung des Roadbooks hat Früchte getragen. Somit fuhren wir erschöpft aber zufrieden über die Ziellinie in Oldenburg und parkten den Boliden im Parc Fermés.

Mit nur drei ausgefallene Teams war es für alle Teilnehmer eine erfolgreiche und schöne Rallye, ohne Unfälle,  ohne nervige Verzögerungen und Standzeiten. Es hat jede Menge Spaß gemacht und wir haben viel gelernt.

Durchgeschwitzt und kaputt öffneten wir erst einmal ein paar kühle Blonde und stießen zusammen mit einem guten Roten mit unserer Crew zur erfolgreichen & schadensfreien Rallye an. Danke auch nochmals an Jana & Bernd, als FK1 unserer Crew!!

Nach dem wir uns akklimatisiert, gewaschen und umgezogen hatten, zog ich die Onboards auf den Lappi und wir bereiteten uns auf die Teilnahme an der Siegerehrung vor. Ken (Team Xado) hatte einen hervorragenden 3. Platz vor den beiden Lokalmatadoren auf Porsche, erkämpft und war damit Pokalanwärter. Mit nur 27 Teams könnte die Siegerehrung etwas flau ausfallen können. Da müssen wir als Brandenburger zusammenhalten und Präsenz zeigen. Gleich um´s Eck war das Restaurant, in dem die Siegerehrung stattfinden sollte. Es herrschte bei unserer Ankunft ein unfassbares Chaos, Leute ohne Ende, die Bude brechend voll und Kellnerinnen die total überfordert im Saal rumschrien, wer denn nun Bratwurst mit Bratkartoffeln bestellt hatte!? OK, für uns kein Problem, wir essen später unseren legendären Spirit-Eintopf und wollten nur etwas trinken. Nach einer solchen Anstrengung wäre ein kühles Blondes vom Hahn eine echte Wohltat. Also ran an den Tresen, wo schon Ken & Mario genervt auf irgendeine Bedienung warteten. Wir verkündeten unseren Wunsch zur frisch gezapften Gerstenkaltschale und beide waren begeistert. Als nach mehreren Minuten immer noch keine Bedienung in Sicht war, nahmen wir das Zepter selbst in die Hand, oder eher den Zapfhahn, und schauten mal was geht. Nichts….das Ding war seit Monaten nicht mehr im Gebrauch. Eine dicke Staubschicht auf den Zapfhähnen erzählte vom Elend. Das demoralisierte uns schlussendlich Vollendens und wir entschlossen uns, unser Abendessen im Basecamp vorzuziehen. Ken & Mario kündigten sich dann noch zur späteren Stunde und Manöverkritik an. Also Flaschbier auf und den Linseneintopf mit Megafleischeinlage aufgeheizt. Superlecker und super nahrhaft. Immer wieder legendär!

Nach mehr als einer Stunde Verzögerung zum Zeitplan war dann die Siegerehrung auch Geschichte und Ken gesellte sich mit Mario und seinem Pokal zu uns in´s Spirit-Basecamp. Er drängte unbedingt darauf, unsere Onboards sehen zu wollen. Ich wehrte mich mit Händen und Füßen, einem so erfahrenen Rallyefahrer mit mehr als 20 Jahren Rennerfahrung unsere laienhaften Onboards zu zeigen. Nach argumentativer Ausräumung aller Bedenken und dem Angebot zeitgleich seine Onboards dagegen zu setzen, willigte ich ein. Im Nachhinein eine wirklich gute Entscheidung. Es war schon erstaunlich, dass unsere Linien und Gangwahlen sehr identisch waren. (naja, Rundstreckengeschädigte unter sich) Es war auch sehr klar erkennbar, dass dem Roadrunner an den entscheidenden Stellen einfach nur Leistung fehlt und ich auf losem Untergrund einfach mehr Erfahrung benötige. Ken gab an der einen und anderen Kurve und Bremspunkten noch wertvolle Tipps und wir besprachen nochmals und ausgiebig die Reifenluftproblematik vor und während einer Rallye. So ein Coaching hat schon etwas. Klasse war dabei auch, dass wir das zeitnah und sofort nach der Rallye mit den jeweiligen Onboards gemacht hatten. Da blieb so einiges für die Zukunft hängen. Der Abend zog sich dann doch etwas länger als geplant und es wurde viel gelacht.

Am nächsten Morgen hatte sich leider der Himmel verdunkelt und es hatte in der Nacht angefangen zu regnen. Gegen 8 Uhr holte Bernd frische Brötchen und wir genossen ein vorzügliches & gemütliches Frühstück an der Ostsee. Pünktlich zum Abbau des Basecamps hörte es auf zu regnen und wir konnten wie gewohnt alles ordnungsgemäß verstauen und verpacken. Um 10.30 Uhr waren wir Startklar und ab ging es wieder nach Hause, in der Hoffnung mit dem Verkehr rückzu etwas mehr Glück zu haben. Der Verkehr lief für Sonntagsverhältnisse echt gut, bis auf Höhe Wittstock. Hier gab es bereits eine riesige Stauwarnung, die aber zum Glück die Gegenseite betraf. Ein Megastau vom Autobahnkreuz Rostock/Hamburg bis hinter Neuruppin. Wer die Strecke kennt, kann sich ungefähr vorstellen was das für die Gegenseite heißen sollte. Wir hatten dann kurz vor Berlin etwas zähen Verkehr, kamen aber ohne unnötige Standzeiten ganz gut durch. Nach mehr als 5 Stunden Gesamtfahrtzeit waren wir wohlbehalten in der Homebase angekommen, räumten alles aus & ein und waren gegen 17 Uhr wieder zu Hause.

Resümee:

Eine tolle Rallye, die auf jeden Fall mehr Teilnehmer verdient hat. Im nächsten Jahr sollen wie gewohnt zur Ostsee Rallye wieder Außen-WP´s dazu kommen. Wir sind gespannt und schreiben die Holsten und die Ostsee Rallye in unseren Rallyekalender 2018. Vielleicht können wir ja so das eine oder andere Team in unserem Bekanntenkreis zur Teilnahme im nächsten Jahr motivieren.

 

Hier noch ein paar Bilder, die es nicht in den Bericht geschafft haben: