Nr. 34  Spirit – Motorsport im sächsischen Erzgebirge in Grünhain

27.09.2017

8. Rallye der Saison 2017, die 14. ADMV Rallye Grünhain

 

Hallo Motorsportbegeisterte, Unterstützer und Freunde von Spirit-Motorsport,

braucht man eigentlich nicht mehr viel darüber berichten. Aber wie dem geneigten Leser dieser Berichte bereits bekannt ist, besteht Rallye nicht nur aus Bestzeitenabschnitten, sondern ist ein komplexes Konstrukt zwischen hochjubelnder Euphorie und am Boden zerstörter Frustration. Diese Rallye war für uns irgendetwas dazwischen. Aber wie immer, der Reihe nach…..

Am Freitag, den 01. September 2017 ging es auf zur Rallye Grünhain. Eine der schönsten und schnellsten Rallye´s im Kalender. Das Örtchen Grünhain liegt im Bundesland Sachsen und dort im Landkreis Erzgebirgskreis. Viele von Euch werden diese Gegend aus den Wanderurlauben im Sommer und aus den Skiurlauben im Winter kennen. Wir fahren dort Rallye! Ansonsten kann man über die schöne Landschaft und traditionsreichen Ortschaften einen eigenen seitenlangen Bericht verfassen. Interessant ist auf jeden Fall die Geschichte von Grünhain. Schon die Römer kannten diesen Ort als keltisches Oppidum mit Marktplatzfunktion. Die Zisterziensermönche erkannten den Standortvorteil und errichteten bereits 1230 das Kloster Grünhain und ab 1285 gab es dann das Stadtrecht. Also mit anderen Worten, hier tropft die Tradition aus allen Ecken und Winkeln.

Die Anreise gestaltete sich sehr zäh und wir hatten mehrmals Glück nicht in einem Stau zu versauern. Es regnete vom ersten Kilometer bis zur Ankunft. Es sah auch nicht nach Besserung aus. Das Fahrerlager war in der Ausschreibung mit „Am Sportplatz“ in Grünhain-Beierfeld benannt. Also, Navi gefüttert und auf zur Adresse. Bei der Ankunft waren wir die Ersten und der große Platz hinter der Sporthalle war noch komplett leer. Wir taten uns bei diesem extremen Wetter relativ schwer einen geeigneten Platz für unser Basiscamp zu finden…..zu dicht an den Bäumen, Senke, soviel Wasser, usw. Nachdem wir uns für einen Platz entschieden haben ging es im strömenden Regen an den Aufbau des Camp´s. Um es kurz zu fassen, es gibt besser Jobs, die mehr Spaß machen! In Rekordzeit hatten wir alles ausgeladen, ausgepackt, aufgebaut und befestigt. Nun ging es an Strom besorgen. Bernd machte sich mit einer Kabeltrommel auf, die Gegend zu erkunden. Der ehemalige Hausmeister hatte trotz Pensionierung noch das Wohnrecht und war erster Ansprechpartner. Er rief den amtierenden Hausmeister an und dieser sagte zu innerhalb der nächsten 15 Minuten vorbeizukommen und Strom aus der Sporthalle zur Verfügung zu stellen. Prima!

Es vergingen keine 10 Minuten, da kam Heinz auf Krücken über den Platz und meinte wir wären hier vollkommen falsch. Das Fahrerlager ist in Grünhain am Sportplatz. Wir checkten nochmals die Ausschreibung Die Anschrift war „Am Sportplatz“ und diese Adresse gibt es nur hier. Hinterher haben wir erfahren, dass „Am Sportplatz“ nur der Hinweis war, wo das Fahrerlager sein wird. Das Ärgerliche daran ist nur, dass wir dem Veranstalter zwei Mails mit der Anfrage zur genauen Anschrift des Fahrerlagers übermittelt haben. Leider blieben diese Mails unbeantwortet und wir standen einsam und verlassen in Beierfeld am Sportplatz. Okay, also das Beste daraus machen! Wir klärten mit dem Veranstalter und Heinz, dass wir auf dem Parkplatz bleiben durften und vermieden damit, den unnötigen Abbau und das Umsetzen des Basiscamps bei strömenden Regen. Jetzt war nur noch das Stromproblem zu klären. Der amtierende Hausmeister lehnte einen Stromanschluss ab und wir platzierten bereits das Aggregat. Die einzige Chance war jetzt noch hatten war Heinz. Sein Haus lag in annehmbarer Kabeltrommeldistanz für einen Stromanschluss. Also, Bernd hin, wie immer leger, smart & zielorientiert verhandelt und als Ergebnis: ein Stromanschluss, Wassernachschub und das Angebot für Kaffee usw. Echt cool und nochmals Danke an Heinz und seine Frau!!

Pünktlich zur Fertigstellung des Basiscamps und dem Stromanschluss kam die Sonne heraus. Also Kaffeemaschine raus, Kuchen auf den Tisch und die Regenanfahrt, das falsche Fahrerlager und den Regenaufbau genüßlich wegdrücken. Gegen 16 Uhr machten wir uns dann auf, in das nur 3km entfernte Grünhain, zu den Abnahmen. Dort war alles vom feinsten organisiert und wir konnten ein paar interessante Gespräche mit dem Veranstalter und anderen befreundeten Teams führen. Erfreulich war auch, dass es mit den ausgeschriebenen Anfangszeiten für die Dokumentanabnahme nicht so genau genommen wurde und es bereits 30 Minuten eher los ging. Alles verlief stressfrei und war vollständig. Mit der „Tüte“ machten wir uns auf zur technischen Abnahme, bei der freiwilligen Feuerwehr in Grünhain. Zweimal um´s Eck und schon war man da. Alles super organisiert. Hier herrschte bereits Volksfeststimmung. Alles abgesperrt, Stände aufgebaut, jede Menge Menschen und das Feuerwehrhauptquartier ausgeräumt und vorbereitet. Die TK´s waren auch schon anwesend und so stellten wir uns brav in geordneter Reihe zur Abnahme an. Leider wurde der gewonne Zeitvorteil von den TK´s wieder wettgemacht. Hier bestand man auf die Ausschreibung und so standen wir bis 18.30 Uhr vor der Feuerwehr. Pünkltich auf die Sekunde begann die Abnahme. In der Wartezeit hatten wir ein ineressantes Gespräch mit dem Trabantteam Barth. Es ist schon erstaunlich (vor allem als alter Ossie) was so alles mit einem Trabant möglich ist.

Die technische Abnahme erfolgte akribisch und detailiert genau. Nach Vorlage des KFP´s, der Homologation und dem Zertifikat für den Käfig bekamen wir das „Pickerl“ aufgeklebt und wir konnten los.

Zurück im „Spirit-Fahrerlager“ ploppten wir ersteinmal ein verdientes Bier auf und schmissen den Grill an. Jetzt stand genießen und entspannen auf dem Plan.

Am Samstagmorgen war das Wetter zwar trocken, aber der Himmel versprach Regen vom Feinsten. Wir holten um 7 Uhr unser Bordbuch ab und ab ging es zum Recce. Wie erwartet waren die Streckenführungen wieder genial und es versprach eine tolle Rallye zu werden. Der bekannte Rundkurs in Lauter als WP 1/4, die ultraschnelle WP2/5 mit Start in Elterlein und Ziel in Hermannsdorf und die technisch anspruchsvolle Streckenführung von WP3/6 durch enge Ortschaften (Schönfeld, Wiesa, Neundorf) und schmalen Verbindungsstraßen. Als Höhepunkt hatte sich der Veranstalter einen Zuschauerrundkurs direkt in Grünhain ausgedacht. In der Ausschreibung war dieser bereits benannt und wir freuten uns auf den „bekannten“ Rundkurs in Grünhain mit genialer Ortsdurchfahrt, super schnellen Passagen und der legendären Sprungkuppe an der Friedhofsmauer. Dieser Rundkurs wird bei mehreren Rallye´s in der Region ausgeschrieben. Aber wir sollten uns täuschen. Nach Bordbuch standen wir am Punkt“ Start bei Schlecker“!? OK, wir alle wissen, dass es Schlecker so das eine oder andere Jahr nicht mehr gibt. Da die Rallye Grünhain zu 85% von einheimischen Teams bestritten wird, waren wir mit unserer Unwissenheit alleine auf weiter Flur. Dem glücklichen Umstand geschuldet, dass WP7 nach Bordbuch als letzte WP gefahren wird, waren bereits ein paar Teams vor Ort und wir konnten den Startpunkt festmachen. Die Streckeführung war dann aber eine Erkenntnis. Einmal rum um den Kirchturm, im warsten Sinnes des Wortes! Wenn man einen Smart oder ein Kart zur Verfügung gehabt hätte, wäre der Rundkurs bestimmt ein Highlight gewesen. Mit unserem großen und schweren Allradler war dieser Mickey-Mouse-Kurs nicht mehr witzig. Aber egal, Aufschrieb hergestellt und damit zurück in´s „Spirit-Fahrerlager“. Hier erwarteten uns bereits FK1 mit Frühstück, frischen Kaffee und die Pelze. Die Zwischenzeit nutzten wir noch um den Boliden kurz durchzuchecken, den Reifendruck zu reduzieren und zu relaxen. Das Wetter war immer noch unkalkulierbar. Mit der Abfahrt der Strecken hatten wir von Tal zu Tal eine andere Wetterlage. Wir entschieden uns auf Semi-Slicks zu bleiben und hofften auf die Güte des Wettergottes.

Um 11.30 Uhr ging es zum Startpark nach Grünhain. Hier wurden auch die Startzeiten ausgehangen und eventuelle Änderungen im Ablauf, den Strecken usw. als Bulletin bekannt gegeben. Mit der Startnummer 11 ging es für uns um 12.41 Uhr los. Also nochmals knapp eine Stunde warten.

Dann ging es endlich los, die Rallye Grünhain. Für CoCo zum 1. Mal und für mich zum 2. Mal. Im letzten Jahr übernahm Steffen den heißen Sitz als Co. Die Wertungsprüfung Lauter (Rundkurs) war original die gleiche Streckenführung wir im letzten Jahr, mit schnellen Passagen von 160 – 170 km/h am Gebirgsbach vorbei und Anbremsen an einer Schikane, sowie der raffinierten bergab Twistykombination mit vielen Unfällen und unserem spektakulären Fastabflug im letzten Jahr auf der letzten WP, war wieder alles vertreten. Sauber und mit einer passablen Zeit beendeten wir WP1 und fuhren zur WP2. Eine der schnellsten Streckenführungen bei all unseren gefahrenen Rallye´s. Pünktlich waren wir am Start und es ging ohne Verzögerung auf die Strecke. Auf der langen Passage, im letzten Drittel der Strecke, führt die Landstraße durch ein Tal. Man fährt also von Kuppe zu Kuppe mit uneingeschränkter Sicht. Im letzten Teil dieser ultra schnellen Streckenpassage, bremst man mit einer Geschwindigkeit von über 200km/h an einer Schikane an. Das ist echt Tricky und verlangt eine totale Bremspunktoptimierung.  Wir hatten im vorsorglichen Vorabcheck entschlossen die Bremsbeläge auszubauen und genauer zu inspizieren. Es war genau das richtige Timing. Die vorderen Bremsscheiben waren bereits untermaßig und an den Bohrungen zeigten sich erste Ermüdungserscheinungen. So entschied Steffen vorne neue Bremsscheiben zu montieren und alle Bremsbeläge zu erneuern. Genau die richtige Entscheidung. Mit neuen Bremsen flogen wir ran an die Schikane und in letzter Sekunde, Zentimetergenau, ankerten wir mit ABS im Zwischenraum der Schikane. Wuchteten den Roadrunner um das mittlere Hindernis herum und weiter ging die wilde Hatz.  So absolvierten wir erfolgreich die WP2 und es machte ein riesen Spaß.

Am Start von WP3 entstand bereits ein Stau und es gab Verzögerungen.

Genau bei unserem Start kam es zu einem Startabbruch. Der Audi TT hatte die Strecke verlassen und mußte geborgen werden. Dem Team ist nichts passiert, nur der Audi war wohl etwas zerknittert. Da Startabbrüche ungeplant sind und die Bergungen meist länger dauern, werden die Motoren abgestellt……und das Fiasko begann!

Nach mehreren Minuten war die Strecke wieder freigegeben und es kam das Kommando zum Motor starten. Man, endlich gings weiter, Schlüssel rum und…….und, und, und??? Nichts geschah! Ich schaltete den Hauptschalter aus, wartete kurz und schaltete neu ein. Zündung an, Anzeigenlichter leuchten, Starten…..nur Lampenflackern und sonst nichts. Oh man das kann doch wohl nicht wahr sein. Der Starter winkte uns raus und so standen wir am Startrand. Ich überprüfte alle Leitungsführungen, alle Anschlüsse die sichtbar waren, die Batterie und deren Anschlüsse….alles gut. Dem Schadensbild folgend war vermutlich eine lose Masseverbindung, eine lose Verbindung an der Rückseite des Hautpschalters oder ein durchgescheuertes Kabel die Ursache. Um kein weiteres Risiko einzugehen und den Roadrunner nicht auf einer 35er Rallye abzufackeln entschieden wir uns auf Rennabbruch. Unfassbar! Ich informierte FK1 über unseren Ausfall und Bernd sattelte den G mit Trailer. Wir manövrierten den Roadrunner rückwärts aus der Startzone heraus und warteten. Ich machte es mir auf einem Brückengeländer gemütlich und grüßte die vorbeikommenden Rallyeteams……..gaaaanz toll! In einer unglaublich kurzen Zeit war Bernd zur Stelle. Wir hatten uns spektakulärerweise natürlich die weitentlegendste Stelle für einen Ausfall ausgesucht.

Also, den G in Position, den Roadrunner davor und ran an die Winde. Hier machte sich wiedereinmal die menschliche Faulheit bemerkbar. Nach der Aktion im bayrischen Wald vom letzten Jahr war klar, dass wir den Trailer mit einer elektrischen Winde ausstatten. Der Witz dabei ist, dass alles für die Umrüstung seit Monaten in der Homebase liegt. Es muss nur mal gemacht werden. So, Strafe muss sein und Kondition gestärkt. Ruckzuck stand der Roadrunner auf dem Trailer, festgemacht und ab ging´s ins „Spirit-Fahrerlager“.

Zurück im Basiscamp analysierten wir nochmals die Lage und werteten die gefahrenen WP´s aus. Echt Schade. Der frühe Ausfall versaute uns eine schöne Rallye. Shit Happens. So zogen wir das Aufploppen der Bierchen etwas nach vorne, schauten uns die zwei gefahrenen WP´s als Onboard auf dem Lappi an und genossen den legendären Spirit-Eintopf…..die Erkenntnis dabei: trotzdem lecker! Danach ließen wir den Abend gemütlich ausklingen und gingen früh in die Kojen.

Sonntagmorgen wurde wie gewohnt um 8 Uhr gemütlich gefrühstückt, danach routiniert und ohne Hektik das Basiscamp abgebaut und der Ort der Niederlage still & leise verlassen.

Für Sonntagsverhältnisse war die Autobahn sehr überfüllt und die nervige Zahl der unkalkulierbaren Sonntagsfahrer war wirklich nicht mehr zählbar. Da wird auf der Mittelspur 95 km/h gefahren, dann gibt es Experten, die fahren auf der Autobahn 85 km/h ??? Was soll so etwas mit einem PKW auf der Autobahn? Und natürlich nicht zu vergessen und unsere absoluten Favoriten : die Bremser auf der Beschleunigungsspur der Autobahnauffahrten. Wie kann man mit 60 km/h auf der Beschleunigungsspur glauben reinzukommen? Klar, man reißt das Steuer nach links und zwingt den gesamten Autobahnverkehr in die Knie. Nach knapp vier Stunden und einer Pause (für die Pelze) erreichten wir die Homebase. Wir luden alles aus, stellten die Gespanne ab und die Rallye Grünhain war Geschichte.

Resümee:

Rallye Grünhain….immer wieder und auf jeden Fall Empfehlenswert! Tolle Orga, sehr gute Abläufe und spitzenmäßige Streckenführungen. Ein Muss für jeden Aspahltrallyefreund. Im nächsten Jahr auf ein Neues!

Eventuell finden wir dann auch mal das Fahrerlager und sehen die Zielfahne…….

Jetzt bereiten wir uns auf die Ostsee Rallye in Oldenburg vor. Es wird wieder eine geile Asphaltrallye auf dem Truppenübungsplatz Putlos. In der Woche verbringen wir unsere Freizeit mit dem Umrüsten der blauen Elise. Wir spendieren ihr mal ein Sechsganggetriebe mit all den schönen Anbauteilen die so dazu gehören. Zielsetzung ist es auf jeden Fall, mit der neuen Gangübersetzung etwas konkurenzfähiger im Schotter zu werden. Mit dem Fünfgang-Seriengetriebe war ein Rallyefahren auf Schotter und losem Untergrund unmöglich. Der 1. Gang ging nur im Stand rein und die Endübersetzung reichte für einen Vmax auf der Rolle von 270 km/h..….genau das braucht ja auch ein Schotterauto mit dem man durch den Wald fährt ;-)  Ich bin gespannt wie sich der Umbau bemerkbar machen wird.

 

 

Hier noch ein paar Bilder, die es nicht in den Bericht geschaft hatten:

Venceremos, Corina + Uwe