Nr. 31   Spirit – Motorsport in Weida

27.06.2017

5. Rallye der Saison 2017, die 46. ADMV Osterburgrallye in Weida / Steinsdorf

 

Hallo Motorsportbegeisterte, Unterstützer und Freunde von Spirit-Motorsport,

 

am letzten Wochenende war es nun endlich mal wieder so weit, RRRRAAAALLLLLYYYYEEEEE!!!!!!!! Durch die Absage der Rallye Stade waren wir zu einer Zwangspause von 7 Wochen nach der Neuruppin Rallye verdammt. Es stand die Osterburgrallye mit 35 Wertungskilometern, davon 99% Asphalt und 1% Schotter, auf dem Programm. Im letzten Jahr eine der besten Rallyes überhaupt, sehr schnell und mit den kleinen engen Mickey Mouse Kurven durch die Wälder, Dörfer und Felder auch selektiv und tricky! Fehler und/oder Auslaufzonen ? Fehlanzeige !.....aber wie immer der Reihe nach.

 

Im Vorfeld hatten wir uns die beeindruckende Nennliste der Starter zu Gemüte gezogen. 92 Teams hatten genannt, davon 17 (in Worten Siebzehn) Allradler. Eine Übermacht von EVOS trat gegen nur drei  japanische Spitzenprodukte an. Das Beste vorweg: Gesamtsieger :  S U B A R U ! Bäämm!! Bernd Michel zeigte wieder einmal wie man fährt.

Das Erstaunlichste in unserer Gruppe/Klasse ist in diesem Jahr der Zulauf, obwohl wir bisher immer etwas belächelt wurden. Die Klassen F3A und H16 hatten freie Möglichkeiten und ein breit gefächertes technisches Reglement. Mit Wegfall der Gruppe H mußte dann entschieden werden, wo die Rallyereise hingeht. Also rein logisch, ab in die Gruppe F. Mhh, doch nicht so toll, 33er Restriktor, alles mit Einzelabnahmen usw. Also schauen, ob das alte Schlachtschiff homologiert ist und ab in die CTC. Alles klar. Die Auswüchse dieser technischen Reglements, aus den Homologationsblättern, haben ihren Ursprung in den wilden 80er Jahren und wurden von Rallyesaison zu Rallyesaison von den Werksteams weiterentwickelt. Somit könnt Ihr Euch vermutlich vorstellen, was in den Mitte der 90er bis Mitte 2005er Jahren für homologierte Boliden am Start waren…..und das sind heute CTC28 (18) startberechtigte Autos! Es gibt jetzt EVO´s am Start, die immer noch mit sequentiellen Getriebe, 400 PS und Bremsscheiben so groß wie XXXL-Pizzaböden an den Start gehen.  Gleiches gilt bei den Subarus. Unsere blaue Elise hat eine WRC-Homologation mit der wir sogar Pedelshafts am Lenkrad fahren dürften. Kosten dafür : 55.000,-€ als Grund warum wir das nicht fahren ;-( . OK, jetzt wird mir der Eine oder Andere rallyeaffine KfZ-Meister ein paar Schwachstellen und Halbwahrheiten meiner oben ausgeführten Lageeinschätzung um die Ohren hauen. Aber Ihr wisst was ich damit meine, die CTC ist die neue H. Von uns kann noch keiner Abschätzen, was in den nächsten zwei Jahren in dieser Gruppe passieren wird. Am Ende wird der DMSB diese Gruppe als nächstes abschießen…..denkt an meine Worte! Wir sind live dabei. Kommen wir zur Osterburgrallye.

Am Freitag, den 16.06.2017 starteten wir mit unserem gewohnten Track um 11 Uhr von der Homebase in Wernsdorf in das 275km entfernte Steinsdorf bei Weida. Steffen wollte dann etwas später dazu stoßen. Wir entschieden uns, wegen der Baustellen über Dresden anzureisen. Fehler: eine Baustelle nach der anderen. Aber der Verkehr rollte und wir kamen ohne Stau 14.30 Uhr auf der Campingwiese an…..und siehe da, Steffen war schon da!? Wie auch immer. Der Aufbau erfolgte  gelassen und routiniert. Innerhalb von 30 Minuten stand das Basescamp. Wie gewohnt und langsam Tradition ging es dann gemütlich zu Kaffee und Kuchen! Wie spießig!

Gegen 17 Uhr machten wir uns auf zum Jugendclub Steinsdorf, um die notwendigen Abnahmen hinter uns zu bringen. Erfahrungsgemäß war hier der alte Spruch : „wer zu spät kommt, straft das Leben“…oder so….wirklich zu beherzigen. Wir standen also mit unserem Roadrunner als Fünfter in der Reihe und siehe da, bei der Doku sogar an Erster. Leider nimmt es das Veranstalterteam hier immer sehr genau und eröffnet wirklich extrem deutsch den Einlass erst Sekundengenau um 18 Uhr….mmmhhhh! Also rein, Dokumente auf den Tisch, alles perfekt ausgefüllt, alles vorab unterschrieben, Tüte in die Hand und weg. Genauso wie Ihr das jetzt gelesen habt, hat es gedauert. Wuussch und wieder raus. Unser Technikteam hatte in der Zwischenzeit den Roadrunner an der Schlange vorbei buchsiert und somit standen wir als Erste zur technischen Abnahme…..…das kann gut sein, muss aber nicht!

Also rein in die dunkle, hundert Jahre alte Scheune…..und da standen dann auch schon die drei apokalyptischen Streiter des technischen Reglements. Nach nun mehr als zwei aktiven Jahren und 30 Rallyes ist Ross und Reiter bekannt. Das macht die Abnahmen immer etwas entspannter. Klappen und Türen geöffnet, Papiere raus und Taschen mit dem Equipment auf. Alle Fragen wahrheitsgemäß beantworten, Nummern, Teile und technische Besonderheiten am Fahrzeug zeigen, klappen, schalten oder lösen und schon ist die TA vorbei wie sie begonnen hat: stressfrei!  Pickerl rauf und raus aus dem historisch wertvollen Landwirtschaftsgebäude.

Mit dieser kommandoartig geplanten Abnahmeaktion waren wir unglaublicher Weise um 18.45 Uhr zurück im Basiscamp. So muss das sein! Ich hoffe nicht, dass diesen Bericht noch andere Rallyeteams lesen und mal über ihre Abnahmesituation nachdenken…..nein, nein, lasst es mal wie es ist. So etwas wie wir machen nur Streber, Anfänger usw.….und dazu wollt Ihr ja nicht gezählt werden, dann lieber bis 21 Uhr anstehen und cool sein. Genau!*zensiert

Also, zurück zu uns : Pilsetten aus den Kühlschrank und plopp, plopp, plopp …genießen. Super. Nach einer weiteren kühlen Blonden schmissen wir den Grill an und kulinarische Spezialitäten rauf. Wie immer ein Freitagabend-Speziale.

Da wir bereits zur Doku am Freitag die Abfahrtkarten und Bordbücher erhalten hatten, konnten wir den Samstagmorgen mit dem Recce selbst gestalten. Ab 6 Uhr war die Strecke geöffnet. Ich konnte meinen Ohren nicht trauen, als mein Co unseren Zeitplan zusammenstellt und erst ab 7 Uhr auf die Strecke wollte……?? Wird Corina jetzt locker? Wir gingen nochmals die Verbindungsstrecken und die WP´s durch und es blieb bei 7 Uhr. Cool.

Gesagt getan, Samstagmorgen ausgeschlafen und doch wieder eher fertig als erforderlich. Somit saßen wir schon um 6.30 Uhr im Roadrunner und machten uns auf den Weg. Im letzten Jahr bin ich die Rallye mit Steffen als Co gefahren. Bei Jana gab es 2016  eine bedauerliche familiäre Situation, die ein eventuell sofortiges Handeln erforderlich gemacht hätte. Damit hatte CoCo die Hundebespaßung am Hacken. Ich glaube aber, das die beiden Pelze den Begriff vermutlich anders definiert hätten. Mit Jana & Bernd ist es bestimmt cooler, wenn wir (der Chef) mal nicht da sind!! Der Aufschrieb (Recce) verlief routiniert und mit den erweiterten Details wird er auch immer runder und präziser. Da nur zwei verschiedene WP´s gefahren werden und eine davon nur noch einmal umgegehrt, waren wir nach 2,5 Stunden wieder im Basiscamp. Die Crew war sichtlich überrascht und hatte mit uns überhaupt noch nicht gerechnet. Somit hatten wir mehr als ausreichend Zeit für Kaffee, Frühstück und Relaxen. CoCo nahm sich nochmals ihren Aufschrieb vor und machte ihn bunt. Um 11.30 Uhr ging es dann in den Startpark und um 12.11 Uhr zum Showstart nach Weida.

Die Rallye gliederte sich in drei Sektionen mit zwei Zwangspausen. Gefahren wurde die WP1 & 2. Erwartungsgemäß waren ein paar Aha-Situation in den Strecken enthalten und wir positionierten uns im guten Mittelfeld. Danach ging es nach Weida auf den Aldi-Parkplatz zum Regrouping. Die ersten 30 Minuten Zwangspause, Langeweile und kappen des Flow´s.

Nach erfolgtem Neustart ging es zu den WP´s 3 & 4, also die Gleichen wie 1 & 2. Leider hatte der Veranstalter noch keine Erfahrung mit dem größeren Fahrerfeld der Histeriker (Histo+Gleichmäßigkeit). Als wir eintrafen, waren zum Teil die Gleichmäßigkeitsfahrer noch immer auf der Strecke. Es kam zu sonnigen & heißen 20 Minuten Verzögerung. Wir spulten die beiden WP´s ohne Fehler ab und waren im zweiten Durchlauf merklich schneller. Das heißt also, mit mehr Erfahrung und Routine könnte man sein Leistungspotential auch schon in der ersten Sektion abrufen. Naja, wir arbeiten daran. Nach erfolgreicher Durchfahrung der beiden WP´s ging es wieder zum Aldi-Parkplatz. Hier waren weitere 45 Minuten Zwangspause geplant. Diese wurden aber gleich um weitere 30 Minuten herauf gesetzt. Einmal wegen den Histerikern und es mußte nach dem letzten Fahrzeug die WP umgebaut werden. Aus der 1 & 3 wurde dann die 5. Diese wurde dann anders herum gefahren. Genau diese WP sind wir bereits im letzten Jahr gefahren. Ich hatte das Gefühl, dass die Strecke anders herum einfach besser flutschte. Ich stelle mal die Theorie auf, dass wir die WP 5 anders herum schneller fahren werden als die 1 & 3. Mein Gefühl hatte mich nicht getäuscht.

Nach einer schadenfreien & extrem heißen Rallye fuhren wir stolz und zufrieden in den Parc Fermés. Wie ich immer wieder in den Berichten ausführe, das Ankommen und das schlussendliche Einparken ist ein so tolles Gefühl. Alles was dazu gehört, wie Organisation, das Team, die Vorbereitung, der Aufschrieb, die WP´s, das Abklopfen des Limits fällt in diesem Moment von deinen Schultern und alles ist einfach nur gut. Endschuldigt meine Prosa zum Thema, aber es ist unwahrscheinlich schwer eine solche Grenzerfahrung wie Rallye fahren mit allen Höhen und Tiefen, mit dem Teamgeist und dem Risiko irgendwie begreifbar zu machen. Wir lieben es!

Steffen holte uns standesgemäß mit dem Basecamp-Shuttel ab und wir berichteten von der heroischen Schlacht im historischen Vogtland. Zurück im Basecamp wurden wir schon freudig erwartet. Ein paar herzliche FK1-Umarmungen, ein paar Knuddeleinheiten für die Pelze und wir konnten endlich entspannen. Als Erstes wie immer, eine eiskalte Blonde aufploppen und das Leben genießen. Gesagt getan! Nach weiteren Gerstenkaltschalen zogen wir uns um und bereiteten den legendären Spirit-Samstag-Eintopf vor. Linseneintopf mit Mega-Fleischeinlage. Treu dem Motto: Fleisch ist mein Gemüse! Zur späten Stunde kamen dann noch Andreas & Gernot (ein weiteres Subaruteam) vorbei und wir fachsimpelten noch etwas zur Lage der Rallyenation.

Am Sonntagmorgen holte Steffen ein paar frische Brötchen und wir genossen ein vorzügliches Frühstück. Nach einigen leckeren Kaffee´s und einer kurzen Rallyeauswertung machten wir uns an den Campabbau und suchten unsere sieben Sachen zusammen. Nach weniger als 1 Stunde war alles verstaut, verpackt und gesichert. Gegen 10.30 Uhr machten wir uns auf den langen Weg nach Hause. Dieses Mal über Leipzig…..Du hast einen Plan und Gott lacht! Gefühlt doppelt so viele Baustellen wie auf der Dresdner Strecke. Wir hatten aber Glück. In der Gegenrichtung hatten sie unterwegs sage und schreibe viermal Stau, wir nicht einmal! So erreichten wir ohne Vorkommnisse unsere Homebase, räumten alles aus und weg und lagen am frühen Nachmittag auf der Couch. Ich hatte vorsorglich das Erzbergrodeo aufgenommen und so konnten wir uns das Spektakel zeitversetzt reinziehen. Da soll noch mal einer was gegen Rallyes sagen….die Jungs haben doch einen an der Waffel. Respekt!!

Resümee:

Eine tolle Rallye mit reizvollen Streckenführungen, die mit Vollgasanteil und tricky Kurvenführungen sehr selektiv gefahren werden muss. Zum Nachdenken bewegten dann noch die Diskussionen auf Sozialmedia zum Thema Schikanen. Hier gibt es vermutlich noch ein wenig Klärungsbedarf für die nächsten Rallyes. Wenn´s passt werden wir auch im nächsten Jahr an den Start gehen. Ob in der CTC wird sich zeigen.

In 14 Tagen, also am 01.07.2017, geht es zur legendären Grabfeldrallye nach Sulzdorf an der Lederhecke. Im letzten Jahr 200 Teams und eine super Veranstaltung mit legendärem Ruf. In diesem Jahr haben bisher ca. 115 Teams genannt !? Wir sind gespannt.

Venceremos, Corina + Uwe  

Hier noch ein paar Impressionen vom Wochenende: