Nr. 43  Spirit – Motorsport auf dem Truppenübungsplatz Putlos/Ostholstein

15.08.2018

7.  Rallye der Saison 2018, die  53. ADAC Holsten Rallye – Gut Görtz bei Oldenburg

Hallo Motorsportbegeisterte, Unterstützer und Freunde von Spirit-Motorsport,

 

am 03. August 2018 ging es erneut nach Ostholstein in die Nähe von Oldenburg zur Holsten Rallye. Das Rallye-Hauptquartier, das Fahrerlager, alle Abnahmen, Start & Ziel, sowie ein Regrouping waren auf dem Gut Görtz eingeplant. Somit war alles fußläufig und übersichtlich. Die Nennliste hatte sich zum Vorjahr fast verdoppelt und mit sieben Prädikaten war die Rallye hoch angesetzt…....aber wie immer der Reihe nach.

Am Freitag machten wir uns zusammen mit FK1 gegen 8°° Uhr auf in Richtung Norden. Steffen war gerade aus dem Urlaub zurück und war damit dienstlich unabkömmlich. Der Planet drückte schon um diese Uhrzeit mächtig und aus der letzten Rallye im Norden (Rosenhof) wussten wir so annähernd was uns auf der Fahrt erwarten sollte…….baah. Du hast einen Plan und Gott lacht! So auch dieses Mal. Ich hatte mir mal den Spaß gemacht und die Baustellen von der Auffahrt Erkner bis hinter Lübeck (A1) gezählt, sage und schreibe 14 Autobahnbaustellen. Dabei habe ich die irrwitzigen Wanderbaustellen für Markierungs- & Reparaturarbeiten nicht mit gezählt. Dazu kamen zwei Unfälle. Ein getunter 3er Golf hat sein linkes Vorderrad, von seinen nicht eingetragenen und illegalen Felgen, verloren und war in die Mittelleitplanke eingeschlagen. Der andere Unfall, kurz vor Schwerin, war dann doch eher etwas böser. Mit 2 Helikoptern, 5 Rettungswagen und unzähligen Polizei- & Feuerwehrautos verbrachten wir 1,5 Stunden in sengender Mittagshitze auf der Autobahn. Nur 8 Autos vor uns waren 4 PKW´s mit einem LKW irgendwie an einander geraten……..….so etwas muss man wirklich nicht haben. Somit erreichten wir nach endlosen 6,5 Stunden Gut Görtz und konnten unser Basiscamp errichten. Aus der Erfahrung des letzten Jahres haben wir uns einen rückwärtigen Stellplatz auf einer Anhöhe gesucht.

Eine, aber nur für Außenstehende, witzige Situation gab es beim Aufbau. Ich habe den Landy Rückwärts an den Wohnwagen eingeparkt und sprang kurz raus um zu überprüfen, ob die Hecktür ausreichend aufgeht um auszuladen. Alle standen bei dieser Aktion direkt daneben und als ich wieder einsteigen wollte und die Türklinke betätigte verriegelt der Landy bei laufenden Motor alle Türen…….??? Mhh, der Motor läuft und alle Türen und Fenster sind zu? Super, das brauchst Du bei diesem Zeitdruck und vor allem bei diesem Wetter. Also was tun? Einen Automobilclub anrufen?, irgendeinen der vielen KFZ-Meister auf dem Platz ansprechen?…..nöö, um´s Auto schleichen, hier drücken, da aufbiegen und da Fluchen…….aber wir sind ja im Osten auf gewachsen, für die Wessis unter den Lesern: in Westpolen. Also, Werkzeugkoffer raus (der war zum Glück im G) und die hintere Beifahrertür abgeschraubt. Da der Landy vor 500 Jahren als Nutzfahrzeug konstruiert wurde, sind die Türen von außen auf die Karosse geschraubt. D.h. innerhalb von 4 Minuten kann man einen Landy mit einem Schraubenschlüssel klauen!!

Tür ab, Verriegelung hoch und alles war wieder gut…..Man, Man, Mannnn

 

Somit ging es mit ca. 30 Minuten Verspätung zur Dokumentabnahme in´s Torhaus vom Gut Görtz. Wie immer alles vollständig ausgefüllt, alle Unterlagen und Nachweise dabei, kurz die kommende Teilnahme an der Ostsee Rallye bestätigt und innerhalb von ein paar Minuten war die Doku Geschichte. Unten dann noch schnell die Aufkleber und Startnummern auf den Boliden und ab zur Technischen Abnahme. Hier hatten wir weniger Glück und standen gemütlich in der prallen Sonne und betrachteten das Treiben von den hinteren Rängen. Nach ca. 30 Minuten  waren wir dann an der Reihe. Die TK´s waren die Gleichen von der Rosenhof Rallye. Die blaue Elise war also von „Person bekannt“ wurde trotzdem nochmals durchleuchtet, die Unterlagen gesichtet und die persönlichen Teamsachen überprüft. Schlussendlich bekamen das wichtige Pickerl und alle Pflichtveranstaltungen für diesen Tag waren abgearbeitet.

Durchgeschwitzt aber zufrieden öffneten wir erst einmal ein paar kühle Blonde und streckten alle Viere von uns. Zum Glück gibt es oben an der Küste immer noch ein wenig „steife Brise“ und die Bullenhitze nervte nicht ganz so. Eine Stunde später schmissen wir den Grill an, hissten zwischendurch noch schnell die Fahnen, schmissen die Leckereien auf den heißen Grill und ließen es uns gut gehen. Der Abend klang dann noch ruhig und entspannt aus.

Am Samstagmorgen entschieden wir etwas länger zu schlafen und machten uns dann kurz nach 6°° Uhr vom Acker. Die Anfahrt, vom Gut Götz zum Truppenübungsgelände dauert je nach Verkehrslage um die 20 Minuten. Ab 6.30 Uhr war der Aufschrieb geplant. Im letzten Jahr hatte der wachhabende Offizier die „Sache“ nicht so ernst genommen und entschied 30 Minuten später zu kommen. In diesem Jahr lief alles super und pünktlich. Die Streckenführungen waren mit der Rallye aus dem letzten Jahr fast identisch und mit den drei verschiedenen Farben der Richtungspfeile auch gut nachvollziehbar. Die WP1 und WP2 lagen direkt hinter einander. Im Ziel von WP2 wurde gewendet und in der anderen Richtung dann die WP5 (Zusammenlegung der WP1 & 2) gefahren. Das war mit dem entgegenkommenden Recce-Verkehr ab und zu etwas umständlich, aber machbar. Wie immer ging es am Superstrand entlang und Urlaubsstimmung kam auf. Mittlerweile hatten wir auch schon wieder um die 38° und Unmengen von Staub in der Elise. Gegen 9°° Uhr ging es zurück in´s Basiscamp. Dort angekommen frühstückten wir genüsslich, Corina machte Ihren Aufschrieb bunt und ich bereitet die Elise auf die große Hatz vor.

Um 10.30 Uhr war die Fahrerbesprechung angesetzt, die Bordkarten wurden ausgehändigt und die Startzeiten ausgehangen. Wir wurden erwartungsgemäß mit der Startzeit 11.06 Uhr auf die Bahn geschickt.

Pünktlich und ohne Zwischenfälle erreichten wir den Truppenübungsplatz und standen am Start von WP1. Ein Rundkurs mit 2 Runden + langer Ausfahrt (10 km). Mit der Startnummer 6 standen wir bei diesem hochrangingen & erfahrenen Starterfeld mächtig unter Druck und die ersten 5 Boliden rasten im Rundkurs imposant an unserer Startaufstellung vorbei. Der Starter zählte runter und ab ging´s auf die Strecke. Soweit so gut, die MRF-Reifen noch kalt und im letzten Jahr sind wir mit dem 200 Kg leichteren Roadrunner die Holsten gefahren. Also konnte ich nicht wirklich auf Erfahrungswerte zurückgreifen. Wir absolvierten den Rundkurs sauber und ohne Patzer. Mit den Leistungsdaten war ich überhaupt nicht zufrieden und fluchte vor mich hin…….man wie Sightseeing, so langsam kam die Kraftentfaltung der Elise auf der Geraden..oh gucke mal rechts ein paar Kühe und links ein schöner Busch!!

Egal, anderes Auto, also auch anderes Fahrverhalten. So ging es auf der WP 2, Start-Ziel-WP (6,7km) weiter. Nach eine fehlerfreien Fahrt wurde mit dem ersten Regrouping das Fahrerfeld auf einem Panzerparkplatz, in praller Sonne & ohne Toiletten, wieder eingesammelt. In dieser Pause bemerkte Corina, dass in unserem Roadbook vier Seiten Streckenführungen fehlten. Es handelte sich dabei um die Zuführung vom Regrouping ZK6A in Gut Götz zurück zur WP5. Die Streckenposten vor Ort konnten uns bei diesem Thema nicht helfen. Wir machten dann aus dem Roadbook von Andreas ein paar Bilder und hofften damit weiter zu kommen. Mal wieder ein Thema aus der Rubrik: Es gibt nichts was es nicht gibt. D.h. beim nächsten Mal das Roadbook beim Empfang kurz auf die Vollständigkeit der Seitennummerierung durchsehen. Nach ca. 1 Stunde Zwangspause  ging es dann zur WP 3 & WP4. Auch hier lief alles super, nur die schlappe Performance der blauen Elise trieb mich auf die Palme. Als ob ich mit angezogener Handbremse unterwegs war. Das Bodenblech hatte bereits im Bereich des Gaspedals eine beträchtliche Delle und das Lenkrad einige Bissspuren….!! Nach WP4 ging es zurück zum Fahrerlager in die Service- & Reifenzone. Auch hier verbrachten wir eine pummlige Stunde Wartezeit. Mittlerweile waren wir nach vier WP´s auf einem enttäuschenden 33. Gesamtplatz von 55 Startern abgerutscht.

Nach dieser weiteren Zwangspause ging zurück zum Truppenübungsplatz. Hier warteten die WP5 & WP6 auf das Endfinale. Hierzu wurden die WP´s 1 & 2 zusammengelegt und in die entgegengesetzte Richtung gefahren. Saugeil und mit knapp 16km konnte man auch den berühmt berüchtigten Flow der Strecke erleben. Erstaunlicherweise entwickelte die blaue Elise wieder ihre gewohnte Performance. Nicht wie vom Gummi abgeschossen aber zügig. Der Ladedruck zeigte auch wieder normale Werte an und so konnten wir auf den letzten beiden WP´s noch sagenhafte 10 Startplätze gut machen. Man, was für eine Rallye!? Was immer auch die Elise auf den ersten vier WP´s festgehalten hatte, die beiden letzten WP´s machten mal so richtig Spaß. Einziger Wermutstropfen war die Zwangspause zwischen der 5. & 6. WP. Hier standen wir mehr als 1 Stunde auf dem Acker im Nirgendwo und warteten auf die Startfreigabe. Kurz vor Ablauf der maximalen Deadline für die genehmigte Veranstaltungszeit ging es auf die letzte WP. Corina legte eine perfekte Ansage hin und wir genossen die Fahrt in vollen Zügen. Ohne Schäden, Ausfällen oder anderen Verlusten erreichten wir das Ziel auf Gut Görtz und rollten in den Parc Fermés.

Ankommen ist wie immer, eins der besten Gefühle bei einer gesamten Rallyeveranstaltung.

Mittlerweile war es schon nach 19.30 Uhr.

Man, das muss mal bewusst aufgeführt werden: Da rollst Du um 6°° Uhr morgens vom Hof, erstellst einen möglichst perfekten Aufschrieb, rammelst zurück, ziehst Dich um, bereitest die Elise vor,  Aufschriebkontrolle, Fahrerbesprechung und ab zur Rallye……und nach 13,5 Stunden, 42° Grad & Tonnen von Staub in der Elise rollst Du wieder auf den Hof. Also mal ehrlich, Rallyefahrer sind doch alle bekloppt!! Egal, nach der Rallye ist vor der Rallye. Ich kann hier nur jeden inständig warnen. Wenn man einmal vom Rallyevirus infiziert wurde ist es vorbei. Es gibt weltweit keine einzige erfolgreiche Behandlung dagegen.

Nach dem wir uns akklimatisiert hatten und umgezogen waren, wurde der legendäre Spirit-Eintopf auf den Tisch gestellt und genüsslich verschlungen. Pichelsteiner mit extra Wurst und den geheimnisvollen Zutaten. Danach kopierte ich noch die Onboards und wir schauten uns die Rallye nochmals auf dem Laptop an. Hier sah man in einer Szene sehr schön genau den Zeitpunkt, ab dem die Elise wieder frei Atmen konnte.

Zur Siegerehrung flanierten wir kurz zum Torhaus, applaudierten ein paar Gewinnern und fotografierten die Rangliste. Wir konnten uns tatsächlich vom gelangweilten 33. Platz auf den 23. Platz nach vorne kämpfen. Stellt sich die Frage, was wir für ein Ergebnis eingefahren hätten, wenn die Elise von Anfang an richtig funktioniert hätte…..hätte, hätte Fahrradkette…..eins der meist verwendeten Begrifflichkeiten im Rallyesport. Es ist halt wie es ist….passt schon! Wir holten dann noch die Elise von Ihren Kumpels aus dem Parc Fermés ab und genossen noch einen schönen und ruhigen Abend in angenehmer Gesellschaft.

Am Sonntagmorgen trafen wir uns wie gewohnt zum Brunch und genossen das super Sommerwetter an der Küste. Die Gesamtwetterlage hatte sich etwas runtergekühlt und mit frischen Landbrötchen und heißem Kaffee starteten wir in den Morgen. Nach einer Auswertung (mit etwas Abstand) der gestrigen Rallye ging es dann zum Abbau der Homebase, dem Beladen der Mulis und zur Vorbereitung auf den langen Ritt gen Süd-Osten. Erfahrungsgemäß graute uns schon etwas davor….aber was soll´s, positiv denken, aufsatteln und ab ging die Post. Auf der A1 bis Lübeck rollte es ganz gut, dann kamen die ersten Baustellen und alles wurde wieder zäh. Hinter Lübeck rollte dann wieder der Verkehr und bis zu unserem gewohnten Pausenstopp, auf dem Flugplatz Neustadt-Glewe verlief alles ohne Vorkommnisse. Kaum trafen sich die Hamburger- mit der Rostocker Autobahn auf Höhe Wittstock, wurden alle Horrorszenarien Wirklichkeit. In der Auswertung hätte man bei einem Automatikauto den Fuß vom Gas nehmen können und im Standgas bis zum Autobahndreieck Pankow durchrollen können…..aber nein, viel zu einfach….Stopp & Go ist doch viel erlebnisreicher. So verbrachten wir rückzu fast genauso viel Zeit auf der Autobahn, wie hinzu. Alles wie geplant. Nach  15°° Uhr rollten wir auf den Hof unserer Homebase, räumten alles aus & ein und waren gegen 16°° Uhr gesund und munter wieder zu Hause.

Resümee:

Wie schon im vergangenen Jahr, eine der tollsten und spannendsten Rallye´s im Kalender. Mit der speziellen Streckenführung auf dem Truppenübungsplatz steht diese Rallye wirklich Solitär bei den uns bekannten Rallyes und mit den unzähligen Belagwechseln stellt diese Rallye eine große Herausforderung für das Team (Fahrer und Copilot gleichermaßen) und der Technik dar. Auch hier sollte mal wieder die neue Reifenwahl positiv Erwähnung finden. Nach der extremen Tortur auf der Rosenhof Rallye haben wir die gleichen MRF-Reifen jetzt auf der Holsten gefahren. Hier zeigten sie gleichfalls kein Schwächen. Auf den schnellen Asphaltpassagen konnte man sich auf den Grip verlassen und auf den Schotterabschnitten boten die Reifen sogar eine gewisse Führung. Echt klasse!

Zurzeit bereiten wir alles für die Grünhain-Rallye vor. Hier wird Steffen mal wieder den Copilotenpart übernehmen.

Venceremos, Corina + Uwe

Bilder die es nicht in den Bericht geschafft haben: