Nr. 45  Spirit – Motorsport in Meuro – Sachsen Anhalt (Klassensieg inklusive)

9.  Rallye der Saison 2018, die 13. ADMV Rallye Kurstadt Bad Schmiedeberg

 

Hallo Motorsportbegeisterte, Unterstützer und Freunde von Spirit-Motorsport,

 

wie der interessierte Leser, nach nun mehr als 44 Rallyeberichten weiß, beginnen meine Berichte von desaströsen Rallyes immer mit: Es gibt so Rallye´s und Rallye´s…diese war mal wieder so eine Rallye. Nach dieser Rallye aber mal im entgegen gesetzten Sinne: hammermäßig, spektakulär, legendär, erfolgreich……aber wir immer der Reihe nach!

 

Am Freitag, den 07. September 2018 ging es gen Süden nach Bad Schmiedeberg in der Dübener Heide. Wir machten uns kurz nach 11°° Uhr auf den Weg nach Meuro, ca. 5 km vor Bad Schmiedeberg, in dem das Fahrerlager eingerichtet war. Steffen hatte bereits am Donnerstag die Elise aufgeladen, das andere Equipment geladen und fuhr am Freitag auf eigene Faust zur Rallye. Kurz nach 13°° Uhr trafen wir auf der Wiese ein und staunten nicht schlecht. Steffen war schon da und wir waren auch sonst nicht die Ersten. Im letzten Jahr (wir waren nicht am Start) muss wohl das reinste Chaos auf dem Platz geherrscht haben. Das haben sich einige Teams gemerkt und reisten in diesem Jahr früher an. Der Veranstalter hatte aber reagiert und für diese Rallye einen zusätzlichen Trailer- & Campingplatz vorbereitet.

Wir begrüßten uns, steckten unseren Claim ab und positionierten die Fahrzeuge & Wohnwagen. Der Basecampaufbau verlief routiniert und innerhalb kürzester Zeit saßen wir gemütlich bei frischen Kaffee und leckeren selbstgebackenen Kuchen (klar, wieder von meiner lieben Mammi)

20.09.2018

Ab 17°° Uhr standen die Abnahmen auf dem Programm. Erfahrungsgemäß wird es bei der Anzahl der eingeschriebenen Teams (so etwas um die 95) voll und so setzten wir uns 45 Minuten vor Beginn der legislativen Pflichttermine in Bewegung. Die Dokumentenabnahme erfolgte in einem Veranstaltungshaus auf dem Gelände. Dort gab es zwei verschiedene Hinweisschilder, wo die Abnahme erfolgen sollte. Da Steffen bereits im letzten Jahr mit Sven auf diesem Gelände war wusste er, einmal rum um den Block und ab in den Keller. So saßen wir einsam und verlassen am Eingang des Kellerabgangs und niemand kam. Ich nervte Steffen mit dem anderen Schild..….und eventuell machen die das in diesem Jahr anders…...und hier kommt keiner..…naja und so weiter! Wir blieben sitzen. Kurz nach Halb kam das finnische Team Reinikainen dazu und ich machte mir Hoffnung….Steffen zündet sich noch eine an. Um 16.45 Uhr rollte mit einem mal eine riesige Menschenmenge auf uns zu und die Schlange reichte aus dem Haus, den Kellerabgang entlang, die Treppe hoch bis um´s Haus…und das innerhalb weniger Minuten. So standen wir als zweites Team in der Warteschlange und freuten uns, die richtige Location belagert zu haben. Die Abnahme erfolgte erwartungsgemäß ohne Vorkommnisse und so waren wir ruckzuck wieder raus dem Keller.

 

Die technische Abnahme erfolgte ebenfalls auf dem gleichen Platz, in einem riesigen Veranstaltungs-Festzelt. Wir bappten also die Startnummern, das Rallyeschild und die ungewöhnlich hohe Anzahl von Sponsorenaufklebern auf die blaue Elise und reihten uns nach den Finnen zur Abnahme ein. Wartezeiten gab es zum Glück keine, da die TK´s mit zwei Teams die Abnahmen durchführten. Wie immer, bei der Rallye Bad Schmiedeberg, erfolgt die technische Abnahme vor interessierten Publikum und Moderator. Die technische Abnahme ist immer die erste Bewehrungsprobe jeder Rallye. Es werden die komplette Fahrerausrüstung auf Vollständigkeit und Zulassungsdatum geprüft, die Unterlagen und die Sicherheitsausrüstungen des Autos, Homologationsblätter, die Zertifikate, die Zulassung und der KFP gesichtet. Wenn dann alles passt und gültig ist, gibt es das Pickerl zur Startfreigabe auf den Boliden. Gesagt, getan, Pickerl drauf und raus aus dem Zelt. Alles wieder in rekordverdächtiger Spitzenzeit.

Der Vorteil der frühen Abnahmen liegt klar auf der Hand. Wenn wir bereits unser erstes kühles Bierchen inhaliert haben und der Grill auf Wohlfühltemperatur ist, stehen viele Teams in einer nicht enden wollenden Schlange an und genießen den Abend eben anders. So auch dieses Mal….Bier auf, Grill an und die Leckerbissen genossen. So muss eine Rallye beginnen…..das Team vollständig, das Wetter super und das Essen lecker!

Am Samstagmorgen war dann Rallyetime. Das Wetter versprach trocken und sonnig zu werden. Steffen holte kurz nach 7°° Uhr das Bordbuch von der Rallyeleitung und ab ging es in die Dübener Heide. Als erstes fuhren wir nach Bad Schmiedeberg, von wo der Showstart geplant war. Leider war die Zufahrt zum Startpunkt mit einem elektrisch versenkbaren Poller blockiert. So gestalteten wir noch eine kurze Sightseeing Tour durch die Altstadt von Bad Schmiedeberg und fuhren vom bekannten Kreisverkehr dann zur ersten Wertungsprüfung. WP1 & 4 Reinharz war westlich von Bad Schmiedeberg abgesteckt und verlief direkt am Fahrerlager vorbei. Die Gesamtlänge betrug 10,3 Wertungskilometer. Davon waren 2,9 km Asphalt und 7,4 km Gravel. Aus der Erinnerung der Rallyes aus den Jahren 2015 & 2016 wußte ich noch zu glauben, dass Schmiedeberg eine unglaublich schnelle Schotterrallye war…aber wie immer toppte die Realität mal wieder alles. Es ging durch die Meuroer Berge mit einer Geraden von mehr als 1km von einer Kuppe zur nächsten…….260 Kuppe gerade voll, 280 Kuppe gerade voll, 360 links 2, Holzstapel außen! So fuhren wir unseren Recce von einer spektakulären und nicht enden wollen Geraden zu nächsten. Von hier aus fuhren wir zur WP 2 & 5, Patzschwig mit 8,1 km Asphalt, östlich von Bad Schmiedeberg, zum legendären Rundkurs. Dieser startet in Patzschwig und ging volle Lotte durch das Örtchen Kleinkorgau. Die Streckenführung sah zwei Runden + Ausfahrt vor und war aus den vorhergehenden Rallyes so weit bekannt. Also, rum um den Kurs und ab zur letzten Wertungsprüfung, nördlich von Schmiedeberg, die WP 3 & 6 Pretzsch mit 1,8 km Asphalt und 10,7 km Gravel. Die WP Pretzsch war eine nochmalige Steigerung der Streckenführung von WP 1. Auch hier wieder unendliche Geraden auf losem Geläuf durch den Wald. In dem betreffenden Waldstück wurden aktuell Rodungs- & Fällarbeiten durchgeführt. Dem entsprechend waren die Waldwege in einem „etwas losen“ Zustand und die eh schon schmalen Wege wurden von unzähligen Baumstammlager eingegrenzt. Naja, dass konnte ja lustig werden. So kehrten wir pünktlich aber ein wenig ratlos in´s Basecamp zurück. Hier bereitete uns das Team ein köstliches Frühstück zu und wir hatten ausreichend Zeit um noch etwas die Füße hochzulegen. Steffen machte seinen Aufschrieb bunt und kurz vor der Abfahrt bereiteten wir noch die blaue Elise für den harten Einsatz vor.

Kurz nach 11° Uhr ging es dann zum Altstadtmarkt nach Bad Schmiedeberg, von dem aus der Showstart ab 12.30 Uhr mit großem Theater und Brimborium erfolgte. Die Wartezeiten sind immer mit die schlimmsten Zeitabschnitte und nerven. Hier helfen nur ein paar ablenkende Gespräche mit Gleichgesinnten.

Wir fuhren pünktlich durch den Startbogen und machten uns auf zur WP 1, vorbei am Fahrerlager. Wir erreichten die WP pünktlich und starteten sauber in die Wertungsprüfung. Die Strecke war erwartungsgemäß sau schnell und mit dem losen Sand und rollenden Schotter sehr anspruchsvoll. Am Ziel klatschten wir erst einmal ab und freuten uns noch im Spiel zu sein….man was für ein Ritt, aber es lief erfreulich gut. Nach einmal schütteln und Staub aushusten erreichten wir den Start von WP2, den legendären Rundkurs. Hier trat der Copilot vom Team Surner heran und verwies auf einen Plattfuß vorne links…..mmhhh, kurz vor dem Start….….also ran an das Reserverad und in Formeleinsmanier das Rad gewechselt. Da Steffen und ich nun schon das eine und andere Jahr zusammen an den Boliden schrauben, harmonierten unsere Handgriffe wie einstudiert, erstaunlich und das ohne Training….OK, muss man aber trotzdem nicht unbedingt haben. Somit verfügten wir nach nur einer WP über kein Reserverad mehr. Das war nicht gut, die entscheidende WP war auf jeden Fall die lange und gnadenlose WP 3. Was soll´s, rauf auf den Rundkurs und eine Superzeit abgespult. Mit Spitzengeschwindigkeit von mehr als 190km/h kam hier richtig Spaß auf. Erwartungsgemäß hatte ich nach WP2 auch keinen einzigen Außenspiegel mehr. Meinen hatte ich bereits auf WP1 an eine Warnbarke zerstört und auf WP2 gab es eine geöffnete Schikane in der man „stehen lassen kann“ wenn man es sich traut, gesagt getan und voll durch…..OK, hat geklappt, nur der Spiegel nicht, der hing unmotiviert an der Beifahrertür. Jörg Litfin hatte am Stempelposten der WP2 ein Einsehen, riss das Elend vom Auto und reichte den Spiegel ins Auto. Auf der Verbindungsetappe zu WP3 machten wir uns ein wenig Sorgen, wie wir ohne Reserverad noch 4 WP´s fahren sollen. Rettung war nur das Regrouping mit Reifenwechselzone.

 

Bernd war zum Austausch des defekten Rades bereits geordert. So rasten wir durch den Golmer Weinberg und schafften es tatsächlich ohne Reifenschaden in´s Regrouping.

Nach dem Regrouping hatten wir also wieder ein funktionstüchtiges Reserverad an Bord und ein besseres Gefühl. Vielleicht schaffen wir ja die Schmiedeberg mit dem noch vorhandenen Reserverad….? Wer weiß!

WP3 war nach der 1. Sektion dermaßen zerfahren, dass wir nicht glaubten hier heile wieder raus zu kommen. Die Schläge waren unglaublich und gingen durch Mark & Bein. Wir machten trotz der materialmordenden Stecke eine gute Figur und fuhren die WP ohne Fehler. Am Ziel waren wir aber mehr als zufrieden, dass „Ding“ nicht noch einmal fahren zu müssen. So fuhren wir entspannt zum Start von WP5. Aus der Erfahrung des ersten Durchlaufs sprangen wir aus der Elise und siehe da, hinten links der Reifen platt. Die Reifenflanke war bis zur Karkasse aufgerissen und die Felge hatte eine spanabhebende Kunstform an der Flanke. Wie auch immer, die geübten Handgriffe zum Wechseln nochmals choreographisch abgespult und den letzten der Mohikaner aufgezogen. Ab jetzt waren wir bei Null weiteren Optionen angekommen. Was einmal klappt, könnte auch ein zweites Mal klappen, mhh Optimismus!

So brannten wir beim zweiten Durchlauf des Rundkurses eine noch bessere Zeit in den Asphalt wie in WP1. Die Reifen hatten gehalten und so ging es zur letzten, zur WP 6. Die längste und härteste WP der Schmiedeberg. Was soll´s, zur Not fahren wir auf der Felge in´s Parc Fermés, aber wir geben nicht auf. Petri hatte uns 2015 sehr bildlich vorgemacht wie so etwas geht. Wir knallten also die letzte WP durch den Wald und waren im Ziel richtig erstaunt wie gut und sauber der Durchlauf erfolgte. Nach erfolgter Zieldurchfahrt testete ich durch Wedeln mal kurz an ob noch alle Reifen funktionierten, dann kurzes Abklatschen und die Rallye Schmiedeberg war Geschichte. Hallejulia !

Ziel war leider wieder das Kurhaus in Bad Schmiedeberg. Hier erwartete uns die Zieleinfahrt durch den bekannten Torbogen, zwei Becher warmer Sekt und ein Dankeschön des Veranstalters und Zuschauern. Das schönste Highlight am Ziel war das Treffen mit Björn. Er war als Zuschauer zur Rallye Schmiedeberg gekommen. Das verkürzte die Wartezeit bis zu Zieldurchfahrt ungemein und ich freute mich sehr, mit ihm mal wieder ein paar Worte zu wechseln. Vom Kurhaus ging es nach Meuro, in´s Park Fermés, direkt neben unserem Basecamp gelegen. Als wir auf den Platz rollten freuten wir uns riesig gesund und vollständig angekommen zu sein und das die blaue Elise durchgehalten hatte und keine sichtbaren Schäden hatte. Nach unserer ersten Hochrechnung sollten wir trotz Klassenzusammenlegung einen Podestplatz erreicht haben.

Nach dem uns Bernd mit dem G-Rallye-Shuttel abgeholt hatte, gab es erst einmal eine große Begrüßung und Beglückwünschung zur erfolgreichen Rallyeankunft. Nach zweiter Hochrechnung waren wir auf Rang 2 unserer Klasse. Durch die Zusammenlegung waren wir 7 Teilnehmer und es gab also mind. 3 Pokale. Leider war im Fahrerlager kein (extrem eingeschränkt) Internetempfang möglich. Wir ploppten ein paar Bier auf und stoßten gemeinsam mit den Mädels auf die Rallye Bad Schmiedeberg an. Das Wetter, die Strecke und die blaue Elise waren an diesem Samstag einfach nur spektakulär!

Die Mädels bereiteten den sagenumwobenen & leckeren Spirit-Eintopf vor und so genossen wir den Samstagabend. Pünktlich zum Aushang des nicht offiziellen Gesamtergebnisses waren wir auf Platz 1 unserer Klasse und auf einem unglaublichen 14. Gesamtplatz der Rallye. Somit war klar, ab 21°° Uhr ab in´s Festzelt zur Siegerehrung und Pott abholen. Gesagt, getan, Aufruf, Abklatschen und ab auf die Bühne. Zusammen mit dem Subaruteam Straße nahmen wir unseren Siegerpokal in Empfang und freuten uns riesig. Die Rallye Bad Schmiedeberg ist ja nicht irgendeine Rallye. Mit den extrem hohen Starterzahlen von TOP-Gravelteams und der gnadenlosen und anspruchsvollen Streckenführungen ist ein Sieg bei der Schmiedeberg etwas ganz besonders. Ich kannte das Gefühl ja schon, da ich mit Corina bereits 2015 den Klassensieg bei der Schmiedeberg verbuchen konnte. Aber, es ist immer wieder spektakulär und sehr befriedigend!

So feierten wir bis nach Mittagnacht unseren Sieg und fielen dann in den notwendigen Erholungsschlaf. Am Sonntagmorgen trafen wir uns wie gewohnt gegen 8°° zum Frühstück und grinsten immer noch. Nach dem Frühstück schauten wir uns noch die Onboardaufnahmen auf dem Laptop an und kommentierten die eine oder andere Aktion. Ich hatte aus welchen Gründen auch immer, den gesamten Technikkoffer in der Remise vergessen, somit auch unsere Gopro. Zum Glück konnte uns Andreas aushelfen und borgte uns eine von seinen Kameras. Danke nochmals, es wäre wirklich ein herber Verlust gewesen, bei dieser Rallye auf die Onboards verzichten zu müssen.

Danach packten wir relaxt unser Basecamp ein, verluden die Elise auf den Trailer und rollten gemütlich vom Platz.

Resümee:

Unsere Entscheidung (rein pragmatisch) die Rallye Bad Schmiedeberg mit Semislicks zu fahren war, dem Ergebnis folgend, die richtige Entscheidung. Hätte es nicht geklappt, hätten wir super diese Entscheidung als Fehlentscheidung verwenden können.  Es war eine anspruchsvolle und materialmordende Veranstaltung. Dass ich, als Schotter-Vollpfosten, diese Rallye so gerockt habe, freut mich persönlich am meisten. Muss ja auch mal so langsam werden, mit dem losen Untergrund. Unser Rallyenachcheck hat so die eine und andere Baustelle aufgemacht. Aber was soll´s, it´s Rallye….…und das muss so!

Aktuell bereiten wir uns auf die Ostseerallye in Oldenburg vor. Eine super Asphaltrallye mit tollen Stecken und spitzen Teams. Ziel ist es, erstmals in diesem Jahr mal wieder den Roadrunner von der Leine zu lassen, na schauen wir mal ob das klappt.

 

Venceremos, Corina + Uwe

Bilder die es nicht in den Bericht geschafft haben: