Nr. 41  Spirit – Motorsport im Schatten der Osterburg in Thüringen

10.07.2018

5.  Rallye der Saison 2018, die 47. ADMV Osterburg-Rallye in Weida/Steinsdorf

Hallo Motorsportbegeisterte, Unterstützer und Freunde von Spirit-Motorsport,

 

nach sechs Wochen Rallyepause (Rallye Stade wurde leider in diesem Jahr erneut abgesagt) ging es zur Osterburg Rallye nach Steinsdorf bei Weida. Aus den letzten Jahren bereits bekannt, eine anspruchsvolle & ultra schnelle Streckenführung. Immer für eine Überraschung gut….aber wie immer der Reihe nach!

Am Freitag, den 15. Juni 2018 ging es endlich wieder zur Rallye. In der Zwischenzeit hatten wir die Problematik mit dem übervollen Ausgleichsbehälter des Kühlers gelöst. Die Lösung war dann: Motor raus, zwei neue Kopfdichtungen, einen Satz komplett neue Motordichtungen, eine neue Wasserpumpe, eine neue Ölpumpe und falls das noch nicht ausgereicht hätte….natürlich noch einen neuen Turbo. Man, wenn man bei diesen alten Kisten etwas anfasst findet man aber auch kein Ende. Aber wenn wir etwas machen, dann richtig! Damit natürlich einen riesigen Dank an unseren Spirit-Car Chief und  Copiloten Steffen, der wieder einmal seine Qualitäten als erfahrenen Rallye-KFZ-Meister gezeigt hat!

Am Freitag ging es kurz nach 11 Uhr ab in Richtung Süden. FK1 (Jana & Bernd) warteten schon am gewohnten Kopplungspunkt und Steffen machte noch einen Abstecher nach Sachsen. Er war dieses Wochenende als Copilot bei einem Citroën R1 gebucht und mußte das Zugfahrzeug für den Rallyeboliden stellen. Also, er über Dresden und wir über Leipzig mit der kürzeren Strecke. Unsere Anfahrt entwickelte sich von Kilometer zu Kilometer immer mühsamer. Angefangen hatte das Desaster mit einem (zu erwartenden) Reifenschaden am Trailer. Am hinteren rechten Trailerrad zeigte sich an der Innenseite des Reifens eine überdimensionale Beule, die glücklicherweise von Bernd im hinterher fahrenden Landy mittels Adlerauge entdeckt wurde. Also, ARAL-Tankstelle Niederlehme rauf, Boliden runter, Trailer aufgebockt, Rad runter, neues Rad rauf, Boliden wieder rauf und rauf auf die Autobahn. Die Ferrari-F1-Boxencrew wäre neidisch geworden bei dieser Standzeit!!

….und so ging der Spaß weiter, bereits nach weiteren 15 km kurz vor Ludwigsfelde. Dort gab es eine Vollsperrung im Baustellenbereich, weil ein polnischer Autotransporter auf einen stehenden LKW aufgefahren war. Nach ca. 25 Minuten Standzeit setzte sich die Karawane wieder in Bewegung….und siehe da, unsere Seite war überhaupt nicht betroffen. Die Gaffer & Youtube-Filmer hatten diesen sinnlosen Superstau verursacht. Man, Man, Man…..so was kannte man bisher nur vom Hören-Sagen!  

Mit zunehmender Tageszeit wurde die Autobahn auch immer voller und der Verkehr wurde immer zähflüssiger. Hätten wir die Anfahrt mit der Gopro gefilmt, so würde man annehmen, dass wir den Film in SloMo abspielen.

 

An der Abfahrt Lederhose verabschiedeten wir uns von der Autobahn und zuckelten über die Dörfer nach Steinsdorf. Das Fahrerlager war auf der gewohnten Anhöhe eines Feldes. Hier war die Platzwahl immer von strategischer Wichtigkeit. Bei Regen und falschen Standort bist Du auf diesem Acker verloren. Also, hoch auf den Berg und mit genialem Touristenausblick das Lager aufgebaut. Kurios dabei war der Umstand, dass trotz Umweg Steffen und sein Fahrer bereits auf uns warteten. Dank Zuständigkeit und Arbeitsaufteilung war der Campaufbau in kürzester Zeit geschafft. Bei einem guten Kaffee und leckeren, frischen Kuchen entspannten wir das erste Mal an diesem Tag.

Die Abnahmen waren zu 18 Uhr ausgeschrieben. Aus der Erfahrung heraus, sollte man bei der Osterburg mehr als rechtzeitig in der „Schlange“ stehen. Es wird immer auf die Sekunde genau eröffnet. Also machten wir uns kurz nach 17 Uhr auf zum Jugendzentrum Steinsdorf und stellten die blaue Elise und uns in eine bereits vorhandene Warteschlange. So gegen Viertel nach 5 machte das Gerücht die Runde, dass vermutlich die Dokuabnahme schon etwas eher anfangen würde….und siehe da, nach einem letzten Zigarettchen der Sport-Kommissare ging es kurz nach Halb los. Die Startnummern wurden bei 100 Teams nach der Nr. 51 geteilt und die Abnahmen gingen flott von statten. Wieder zurück an der blauen Elise plünderten wir unsere Tüte und klebten die Startnummern, das Rallyeschild und den Sponsorenaufkleber auf. Frisch präpariert reihten wir uns in die Schlange zur technischen Abnahme. Diese findet immer in einer dunklen & mehr als 100 Jahren alten Scheune statt. Eine bessere Lokation für eine solche Maßnahme gibt es ansonsten nicht im Rallyezirkus. Dunkel, mystisch und man weiß nie, wenn man reinrollt, mit welchem Ergebnis man auf der anderen Seite der Dunkelheit wieder das Licht erblickt. OK, ich komme mal wieder runter. Wenn man ein ordentliches Auto hat, auf dem aktuellen technischen Stand ist und die Klamotten alle mit gültigen Laufzeiten vorgelegt werden, ist das alles nicht so wild…..aber doch immer wieder spannend. Nach einen akribischen und umfassenden Durchsicht des KFP´s, der blauen Elise und der Rallyesachen erhielten wir den ersehnten Pickerl auf der rechten hinteren Seitenscheibe. Mit einem Lächeln tauchten wir aus dem Dunkel wieder auf und die gleißende thüringische Sonne beglückwünschte uns gleichfalls. Alles gut!

Zurück im Basecamp ploppten wir in alter Tradition erst einmal ein paar Bierchen auf. Erneut hatte Steffen für leckeres Polenbier gesorgt und so waren es Dosen statt Flaschen. Mit der Zeit hatten immer mehr Teams die Abnahmen durch und so trafen wir uns z.B. noch mit dem Honda-Team Czekalla-Jünger zu einem Benzingespräch und Andreas (jetzt mit blauen Subi) kam auch noch kurz auf eine Plausch vorbei.

In der Zwischenzeit hatten wir den Grill angefeuert und wie im Ausland üblich, hielten wir noch kurz einen Fahnenapell ab. In großer Runde ließen wir uns die tierischen Delikatessen vom Grill schmecken und beendeten den Abend entspannt, gegen 22 Uhr relativ früh. Der Wecker sollte um 4.30 Uhr den Rallyesamstag einläuten.

Wie bereits angedeutet, klingelte für Corina der Wecker am Samstagmorgen bereits um 4.30 Uhr und ich wurde um 5 Uhr aus der Koje gewuchtet. Dem geneigtem Rallyeberichtleser ist ja bereits bekannt, dass Rallye fahren nichts für Morgenmuffel, Langschläfer und anderen alternativen Lebensformen ist…….hier sind deutsche Tugenden gefragt! Leder, Stahl und Windhunde……

Um 6 Uhr starteten wir zum Recce. Die drei WP´s lagen relativ dicht zusammen und somit sollten wir mit ausreichend Zeit für ein gemütliches Frühstück zurück sein. WP1/4 Wetzdorf-Rohna war in der unmittelbaren Nähe vom Showstart in Weida und mit 5,2 Wertungskilometer sehr kurz um auf Rallyefeeling zu kommen. Nach dem Stoppunkt den TerraTrip genullt und auf zum Start von WP2…….bämm rauf auf die Bremse und schon stand man am Start?? Sollte das stimmen? Ja, die Verbindungsetappe war nur knapp 1km kurz. Auch mal etwas Neues. Also Aufschriebblock raus und auf ging es in die WP 2/5 Rohna-Staitz. Auch diese WP war bereits bekannt und mit 7,75km etwas länger, sowie vom Streckenlayout auch anspruchsvoller. Danach ging es auf einer 19km langen Verbindungsetappe zur WP 3/6 Nässa-Langenwetzendorf. Diese WP hat zwei absolute Highlights. 1. der unberechenbare Schotterteil mit einer Spitzkehre von Asphalt auf Schotter und 2. die geniale Kreuzungsüberfahrt mit Kuppe hebt zwischen zwei Mülltonnen und der Bushaltestation durch. Da braucht´s Eier und „stehen lassen“. Auch hier alles beim Alten und mit der Zieldurchfahrt in einer Kurve mit Betonplatten und Schotterzwischenteil auch sehr gewöhnungsbedürftig. Damit waren wir durch und mit mehr als 2 Stunden Zeit bis zum Start zurück im Basecamp. Jana & Bernd warteten schon mit einem leckeren Frühstück, frischen Brötchen und heißen Kaffee.  Corina und Steffen machten noch Ihre Aufschriebe bunt und wir schauten die Elise nochmals vorm Start ein letztes Mal durch…..alles Ready to Race!

Gegen 11 Uhr fuhren wir nach Steinsdorf zum Startpark und holten unsere Startzeit ab. Um 12.04 Uhr sollte es dann für uns losgehen! Die Zwischenzeit wurde genutzt um mit befreundeten Teams ein paar wichtige weltpolitische Fragen zu erörtern, unter anderem ist das Reifenthema ein nicht enden wollendes und unerschöpfliches Thema.  Pünktlich durchfuhren wir die erste ZK und standen in kürzester Zeit auf dem Marktplatz in Weida. Hier wird jedes Jahr mit großem TamTam und Sprecher der Showstart zelebriert. Naja, allzu viel bekommt man selbst davon eh nicht mit. Als Team versucht man sich auf die Rallye einzustellen und den Aufschrieb im Geiste nochmals durchzugehen. Sekundengenau rollten wir durch den Startbogen und fuhren zur WP1.

Wir starteten mit der Startnummer 15 und Steffen mit Matteo hatten die Startnummer 61.

Mit ausreichend Vorbereitungszeit standen wir am Start von WP1, zogen die Hauben über und setzten die Helme auf. Ohne Verzug lief die Startuhr runter und ab ging die wilde Hatz durch den Thüringer Wald. Schmale asphaltierten Anliegerstraßen mit nur max. 80m Geraden war die komplette Streckenführung, gespickt mit Kuppen und Senken. Alles lief nach Plan, der Aufschrieb stimmte und CoCo fand sich in den Ansagen zurecht. Gerade noch entspannt und die Gurte gelockert, nach der Zieldurchfahrt von  WP1, standen wir auch schon wieder am Start von WP2. Hier waren ein paar ultra schnelle Passagen enthalten. Leider fehlt der blauen Elise der notwendige Atem um hier mithalten zu können. In der Zieldurchfahrt hatten die Spitzenthemas mehr als 200 auf dem Tacho, wir schossen mit 180km/h über die Linie. Wenn man das mal hochrechnet, weiß man auch wo die Zeiten liegen bleiben. Nach einer weiteren Verbindungsetappe von ca. 19km standen wir am Start von WP3. Hier wurde es mit dem Schotteranteil, der Ortsdurchfahrt und der interessanten Zielüberfahrt richtig lustig. Pünktlich und ohne Verzögerung gingen wir auf die Stecke. Alles lief nach Plan, wir wuchteten uns durch und nach nur 4 WP-Km war der Spass auch schon wieder vorbei. Jetzt ging es zum Regrouping nach Weida auf den Aldi-Parkplatz. Bei der Anfahrt war das Subaru-Team Linnbach vor uns. Kurz vor der Einfahrt auf den Parkplatz klang ihr Motor sehr ungewöhnlich und sie bogen auf eine Tanke ab. Leider waren sie nach dieser Aktion nicht mehr an den Start gegangen. Später informierte mich Ulf, dass das Abgasrohr am Turbo defekt war und keine Leistung mehr zur Verfügung stand…..Shit Happens, ist eben Rallye!

Nach einer Zwangspause von ca. 35 Minuten (ohne Toilette!!) ging es in die zweite Sektion mit den WP´s 4, 5 & 6. Alles lief für uns echt prima und wir grinsten auf jedem Kilometer, so macht Rallye Spaß. Wetter super, klasse Organisation, keine Verzögerungen und nichts defekt….so muss das sein. Mit einem Drift über die Betonplatten in der Zielkurve nach WP6 beendeten wir erfolgreich und glücklich die Osterburg Rallye 2018. Jetzt noch die Nerven behalten und die Einfahrt in den Parc Fermés in Steinsdorf hinter uns bringen. Wie gewohnt gab es dort zwei Gläser-Sturz-Sekt (die Gläser werden für den nächsten benötigt) bei der Einfahrt…..Elise abstellen und Feierabend!

Venceremos, Corina + Uwe

Erschöpft, durchgeschwitzt aber glücklich und zufrieden sammelte uns Bernd mit dem Rallyetaxi ein und wir fuhren zum Basecamp. Hier angekommen ploppten wir ein paar eiskalte Bierchen auf und die Mädels gossen sich einen guten Roten in´s Glas. Kurz angestoßen und ein paar heroische Heldengeschichten zum Besten gegeben. Mit dem zweiten Bier zogen wir dann die doppelt so schweren Rallyeklamotten aus, machten uns frisch und ploppten das dritte Bier auf…..und da kamen auch schon die beiden anderen Helden des Tages gemütlich übers Fahrerlager geschlendert….Steffen und Matteo. Auch sie hatten ein tolles Rallyeerlebnis und sind erfolgreich ohne Schäden in´s Ziel gekommen.

Nach dem sich das Citroën-Rallye-Team auch akklimatisiert und umgezogen hatte, wurde der legändere und sagenumwobene Spirit-Rallye-Eintopf aufgetischt.  Auch dieses Mal war es eine kulinarische Erlebnisreise.

Frisch gestärkt und etwas ausgeruht machten wir uns gegen 20.30 Uhr zur Siegerehrung auf. Mit einem zweiten Platz in der Klasse der „dicken Allradler“ könnte ein Pokal drin sein. Die Überraschung war groß, als sogar der Dritte, also Andreas, einen Pokal erhielt. Den Klassensieg holte Ken und damit gingen alle drei Pokale in der Klasse CTC18 geschlossen nach Brandenburg. Ein super Ergebnis!

Wir genossen den Erfolg, noch ein paar Bierchen und grinsten uns in den verdienten Schlaf.

Am Sonntagmorgen trafen wir uns um 8 Uhr zum Frühstück. Steffen war bereits um 7 Uhr mit Matteo abgefahren. Der Umweg nach Sachsen sollte ihm nicht den ganzen Sonntag kosten. Der frühe Vogel fängt….naja Ihr wisst ja.

Also, schön Brötchen aufgetostet, Kaffee aufgesetzt und dem lieben Gott einen guten „Menschen“ sein lassen. Nach einer Stunde Genuss bauten wir das Basecamp ab, verstauten alles und machten uns auf dem Weg zur Homebase nach Wernsdorf. Die Rückfahrt verlief glücklicherweise ohne Vorkommnisse, ohne Staus und machte das negative Anfahrtserlebnis etwas wett. Gegen 13.30 Uhr rollten wir auf den Hof, präsentierten noch schnell unsere Pokale, räumten alles aus & ein und die Osterburg 2018 war Geschichte.

Resümee:

Eine echt gelungene und durchorganisierte Rallyeveranstaltung. Die Osterburg wird auch im nächsten Jahr wieder im Jahreskalender stehen. Jetzt beginnen die Vorbereitungsarbeiten für die Rosenhof-Rallye an der Küste am 06. Juni 2018. Diese Rallye wird erstmals als National A-Veranstaltung durchgeführt und damit sind wir mit am Start. Durch die Holsten und Ostsee Rallye hatten wir schon öfter von dieser Rallye gehört und fahren diese als „neue Rallye“ in diesem Jahr als Premiere. Wir sind gespannt.

Hier noch ein paar Bilder, die es nicht in den Bericht geschafft haben: