Nr. 42  Spirit – Motorsport in Ostholstein an der Ostsee

17.07.2018

6.  Rallye der Saison 2018, die 7. ADAC Rosenhof-Rallyesprint (R70) mit TOP-10 Ergebnis und Klassensieg

 

Hallo Motorsportbegeisterte, Unterstützer und Freunde von Spirit-Motorsport,

 

endlich stand mal wieder eine neue Rallye im Jahreskalender. Seit wir bei der Holsten, Cimbern & Ostsee Rallye fahren, war die Rosenhof Rallye hin und wieder ein Gesprächsthema bei der Jahresplanung. Diese Rallye findet nur alle zwei Jahre statt und war als Rallye-Sprint bisher immer sehr kurz. Da stand die Anfahrt mit 430 km in keinem Verhältnis zu den WP-Km. Doch wie immer im Leben….alles ändert sich!  Aber wie immer der Reihe nach.

 

Am Freitag, den 06. Juli 2018 sattelten wir um 8°° Uhr die Gespanne und machten uns zusammen mit FK1 auf nach Norden. Eigentlich eine total verrückte Idee. Am Vortag begannen die Sommerferien und die Autobahnen zur Nord- & Ostsee waren eine einzige Baustelle…..und genau so sollte es auch kommen. Rein Subjektiv würde ich sagen, wir sind in Erkner auf die Autobahn raufgefahren, sofort in eine Baustelle hinein und kurz hinter Lübeck sind wir aus dieser Baustelle wieder raus gefahren. Alles in Allem hatten wir aber noch Glück und mit zeitweise zähen Schritttempo spulten wir die Strecke zur Ostsee ab. Bei unserem gewohnten Zwischenstopp in Richtung Norden, in Neustadt-Glewe auf dem Sportflugplatz, mussten wir etwas improvisieren.

 

 

Hier war am Wochenende ein Dance-Festival mit DJ´s und bis zu 50.000 Besuchern geplant.  

Also, improvisieren & nomadenmäßig am Straßenrand gehalten und Pause gemacht

Wie geplant erreichten wir kurz nach 13°° Uhr das Gut Rosenhof im Ort Grube, kurz hinter Grömitz und kurz vor der Insel Fehmarn. Kai Dieter Kölle lädt alle zwei Jahre den Rallyezirkus auf sein Privatgelände ein und veranstaltet eine Rallye mit hohem Niveau. Das Basiscamp bauten wir direkt am Gutshof, auf einer benachbarten Weide auf. Der Planet drückte gewaltig vom Himmel, aber im Norden gibt es ja die „steife Brise“. (Bitte das „ST“ als „st“ lesen und nicht wie gewohnt als „scht“) Der Aufbau hatte dementsprechend zwischenzeitlich etwas von Kitesurfen. Nach ca. einer Stunde stand das Camp und wir machten uns sofort zu den, bereits um 15°° Uhr stattfinden, Abnahmen auf.

Einer der größten Vorteile dieser Veranstaltung ist die Kompaktheit von Fahrerlager, Abnahmen und selbst 4 WP´s donnern direkt durch den Gutshof. Also für Teams & Besucher ein absoluter Hammer. Wir trafen dann auch schon die ersten bekannten Teams und frönten ein paar interessanten Benzingesprächen. Hauptthema war in diesem Jahr natürlich das geänderte Konzept der Veranstaltung vom Rallyesprint auf eine National A-Rallye. Die Dokumentenabnahme erfolgte in einer dunklen & leeren Lagerhalle (es ist ja noch vor der Ernte) und war wie gewohnt ohne Beanstandungen. Danach machten wir uns auf zum Aufschrieb (Recce)…….…Aufschrieb am Freitag und ohne TA? Ja genau. Auch das wird hier anders gehandhabt. Die WP 5 & 6, Siggeneben als Start-Zielprüfung, sowie WP 2 & 3 Rosenhof als Rundkurs mit zwei Runden + Ausfahrt, wurden bereits am Freitag trainiert. Wir fuhren als Novizen die Strecken ordnungsgemäß nach Bordbuch und waren über den Rundkurs mehr als überrascht. In den bisherigen 41 Rallyes hatten wir eine solche Streckenzusammenstellung noch nicht erlebt. Von Asphalt, losen Sand, losem Schotter, Betonplatten, Altstadtpflaster (Katzenköpfe) bis hin zu frisch gemähten Feldern & Grasstrecken war alles in einer WP vertreten. Nach akribischen Aufschrieb und anschließender Kontrollabfahrt waren wir ruckzuck wieder im Fahrerlager auf dem Gutshof. Hier hatte bereits die technische Abnahme begonnen. Auch hier wieder etwas anders als gewohnt, die TK´s kamen zu den Fahrzeugen. Nach einer akribischen Durchsicht, Kontrolle der Unterlagen und Sichtung der Rennausrüstung erhielten wir das begehrte Pickerl zur Startfreigabe.

Mit erfolgreicher Abarbeitung des straffen Freitagsprogramms ging es dann an´s Entspannen und Vorbereitung zum gemütlichen Grillen. Also, kühles Bierchen auf, den guten Roten in´s Glas, Grill an und wie üblich im Ausland, die Fahnen hoch. Das Abendessen war wie immer super lecker und so chillten wir gemütlich in den Sonnenuntergang.

Am Samstagmorgen konnten wir, für Rallyeverhältnisse, entspannt ausschlafen. Es stand nur der Recce für die WP 1 & 4 Suxdorf bis zum Start auf dem Programm. Also, gemütlich kurz nach 7°° Uhr in die blaue Elise geschwungen und ab ging´s nach den 22km entfernten Suxdorf. Die Straßen leer, das Wetter super und wir ausgeschlafen, dass wird eine super Rallye. Die WP Suxdorf ist auch so ein Phänomen im Rallyezirkus. Der Rundkurs, 2 Runden + Ausfahrt, führt komplett durch das Dorf Suxdorf. Hier können eigentlich nur absolute Rallyefans wohnen…Respekt!

Der Aufschrieb gestalte sich enorm schwierig, da der Rundkurs auf einspurigen Asphaltstraßen mit Kehren, scharfen Kurven, Cut´s mit Schotter auf dem Asphalt, Kuppen, Hügeln und unübersichtlichen Streckenverläufen ging. Also, Konzentration, den Aufschrieb verfeinern und nochmals zügig abfahren….OK, sollte passen. Somit ging es sehr schnell wieder zurück zum Basiscamp. Dort warteten Jana & Bernd mit frischen Brötchen und Kaffee zum Frühstück. So macht Rallye Spaß! Danach machte CoCo ihren Aufschrieb bunt und wir konnten noch schön relaxen. Um 10°° bereitete Bernd und ich die Elise für den Start vor und wir packten für das Fahrerlager noch die Plane mit ein. Um 10.30 Uhr ging es dann zur Fahrerbesprechung und 11.41 Uhr war unsere Startzeit ausgeschrieben.

Auf die Sekunde genau ging´s vom Start ZK1 „Gut Rosenhof“ auf zur 1.WP in das 22km entfernte Suxdorf…….Ihr erinnert Euch?? Ferienbeginn, Urlaubszeit, Urlaubsgegend……ja genau. So müsst Ihr Euch dann auch die Fahrt nach Suxdorf vorstellen. Der Veranstalter hatte für die 22km Verbindungsetappe eine Zeit von 25 Minuten in der Bordkarte vorgegeben. Baahhh…..Urlauber mit Fahrrädern, Touristen mit Gespannen (die einmal im Jahr und/oder erstmalig überhaupt mit einem Gespann fahren) und Sightseeing-Experten die bei 100km/h nur 40 km/h fahren, rechts blinken und dann doch links abbiegen….Von Kilometer auf Kilometer ran uns die Zeit davon. Hin und wieder mußte ich einen frechen aber vertretbaren Überholvorgang vornehmen um überhaupt dem Start etwas näher zu kommen. Kurz vor der finalen Anfahrt auf Suxdorf bogen wir auf eine Nebenstraße ab und konnten noch etwas Angasen. Vor uns waren wir auf die Startnummer 24 & 25 aufgelaufen und hinter uns waren auch schon bereits zwei weitere Teams an unserer Stoßstange. Kurioserweise verpasste die Nr. 25 die Einfahrt zum Dorf und war dann auch nicht mehr am Start….…wie auch immer. Wir fuhren ohne Haube & Helme sekundengenau in die Zeitkontrolle. Von da an hatten wir nochmals 2 Minuten um uns startklar zu bekommen….was für ein Streß. OK, it´s Rallye! 1.WP Suxdorf, Rundkurs mit zwei Runden und raus (8,4 WP-Km). Der Starter zählte runter und ab ging die Elise. Erstaunlicherweise lag der Mickey-Mouse-Rundkurs der Elise und wir wuchteten die Schotterbitch um die Ecken. In der letzten Kurve an der Ausfahrt optimierte ich die Fahrstrecke und knallte wie gewohnt den rechten Außenspiegel ab…..braucht eh keiner! Vom Ziel aus ging es zurück zum Rosenhof. Wie schon auf der Hinfahrt, ein Touristenspektakel erster Güte. So nutzten wir die freien Zwischenstücke um Gas zu geben und erreichten die ZK von WP 2 mit spektakulären 30 Sekunden Reaktionszeit. Die Helme hatten wir vorsorglich aufgelassen. Sah für die Touris, mitten im Sommer, bestimmt witzig aus….ist es aber nicht! Der Rundkurs mit 14,5 WP-Km hatte nicht zu viel versprochen und wir nahmen die Vielfalt der Streckenbeschaffenheiten in Angriff. Die WP 2 begann mit einem super schnellen Asphaltabschnitt auf einspurigen Betriebswegen, ging dann über Betonplatten und fiesen Kanten, auf die hochherrschaftliche Gutzufahrt mit Katzenköpfen auf eine Betonfläche, rüber über den Hof und rauf auf den Schotterabschnitt mit 120-140 km/h und spektakulärer Sprungkuppe. Dann kam der Grasweg nach Siggeneben, erneut eine Ortsdurchfahrt, dann wieder Graswege über einen Berg mit einer Schikane und einer abschließenden Feldüberquerung. Das zweimal + 2/3 der Strecke zur Ausfahrt und der Rundkurs war Geschichte. Vom Ziel WP2 ging es auf den Rosenhof zum Regrouping. Hier sammelten wir uns auf der gegenüberliegenden Wiese von unserem Basiscamp und konnten die gefahrenen WP´s ein wenig auswerten. Vor allem die Zeiten für die Verbindungsetappen WP Suxdorf waren ein heißes Thema. Die Rallyeleitung hatte bereits reagiert und die Verbindungsetappen um 10 Minuten verlängert.

Nach 30 Minuten Pause ging es in die zweite Sektion mit dem gleichen Rundkurs wir zuvor und danach wieder nach Suxdorf. Pünktlich standen wir am Start der WP3 und absolvierten den Rundkurs im zweiten Durchlauf optimal und ohne Fehler. Wir waren bisher mit unseren Leistungen und der Technik super zufrieden. Vor allem das Reifenthema muss hier mit angesprochen werden. Dem Umstand geschuldet, dass Dmack die Produktion unserer Reifen für 17`` Felgen eingestellt hatte, mußten wir uns neu orientieren. Nun sprecht mal das Reifenthema bei anderen Rallyeteams an…..Ihr kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Somit sammelten wir bei den Rallyes seit Jahresanfang alle Infos die zu erhalten waren und hörten am Ende auf Sven seine Empfehlung „indische Radiergummis“ vom Hersteller MRF. Dieser Reifenhersteller ist auf der anderen Erdhalbkugel das Non plus Ultra bei Rennreifen, ob Rallye, Formel oder Cross….MRF hat alles gewonnen was machbar war. Also, über Sven die Reifen bestellt und Steffen zog die Semisliks auf die 17“ Felgen. Die Optik, das Profil, die steifen Flanken, die Haptik und das Montieren waren erst einmal OK. Nach einer ersten Probefahrt auf Asphalt konnte auch das Fahrverhalten als „machbar“ eingeschätzt werden. Somit hatten wir mit der Rosenhof Rallye natürlich ein unglaubliches Streckenportfolio für einen ersten Rallye-Reifentest zur Verfügung. Im Nachhinein kann ich bestätigen, dass die Reifen wirklich einen guten Job abgeliefert haben. Auf Asphalt haben sie einen Super Grip, auf losem Untergrund bleibt das Auto beherrschbar und die brutalen spitzen Schotterbrocken und fiesen Betonkanten haben sie klaglos weggesteckt. Also ich bin für´s erste mit der Wahl zufrieden. Danke Sven!

Im Ziel von WP3 gab es eine Anweisung des Zeitnehmers : „Ihr sollt zurück zum Rosenhof kommen!“….?? Warum wir, was war passiert….. kurze Nachfrage : nur wir?......nein alle!!  OK, die paar Kilometer zurück und hier wurden wir darüber informiert, dass die WP 4 Suxdorf nicht stattfinden kann. Der WP-Arzt hatte bei der Abfahrt der WP einen Unfall mit seinem KFZ und stand damit nicht mehr zur Verfügung….ohne WP-Arzt keine WP, so ist das!

Somit wurde das 2. Regrouping als Pause vorgezogen und wir konnten für eine Stunde die Füße lang machen. Nach dieser Stunde kam es zu weiteren Verzögerungen, weil die Strecke noch umgebaut werden mußte. So verließen wir das Gut Rosenhof mit einer extremen Verzögerung. Auf kurzen Weg erreichten wir die WP 5 Siggeneben mit 4,2  Start-Ziel WP-km. Am Start kam es zu weiteren 25 Minuten Verzögerung, die keiner erklären konnte. Nach einer unendlichen Wartezeit standen wir endlich am Ziel und ab ging´s zur vorletzten WP der Rallye. Die WP 5 war ein Streckenauszug des Rundkurses und damit kannte man schon so die Tücken und Kanten. Im Ziel angekommen, bekamen wir den Hinweis, dass wir wegen der Zeitverzögerung gleich zur WP 6 durchfahren sollen. Also gesagt und getan, einmal um´s Eck und schon standen wir am Start von WP 6.

 

Hier angekommen kam eine Copilotin eines anderen Teams durch und meinte die Rallye wäre zu Ende. Die Info am Ziel WP 5 war falsch und alle fahren zurück zum Rosenhof. Erstauntes Kopfschütteln, wenden der Boliden mitten im Nirgendwo und Rückfahrt mit dem fehlenden euphorischen Gefühl, wenn man komplett und ohne Schäden durch das Ziel der letzten WP feuert. Schade! Wir freuten uns auf der Rückfahrt trotzdem mächtig und klatschten erst einmal zufrieden ab.

Im Ziel angekommen stellten wir die blaue Elise ab und schlenderten in unser Basiscamp. Hier angekommen wurden wir von FK1 und den Pelzen bereits freudig in Empfang genommen. Wir ploppten erst einmal ein paar kühle Bierchen auf und gossen ein gutes Glas Roten ein. Nach dem wir uns akklimatisiert hatten und von der heroischen Schlacht in Ostholstein berichteten, zogen wir uns um und kümmerten uns um die Platzierungen. In der Auswertung belegten wir einen spektakulären 9. Platz gesamt und errangen dadurch den Klassenseig bei den dicken Allradlern CTC18. Echt genial. Unser Hauptkonkurrent aus Berlin, gleichfalls auf Subaru, mußte sich mit 0,6 Sekunden im Gesamtergebnis geschlagen geben. Wir schlenderten also mit stolzer Brust zur Siegerehrung und holten uns unseren Pokal für den Klassensieg ab. Der Gastgeber, Kai Dieter Kölle, verband die Rallyeparty mit seiner eigenen Party zum 35. Hochzeitstag. Somit kamen viele Gäste, die zur Rallye überhaupt keinen Bezug hatten und das komplette Essen und alle Getränke waren kostenfrei…..immer hin waren wir ja eingeladen. Hut ab und besten Dank!

Zurück im Basiscamp wärmten wir den legendären Spirit-Eintopf auf und genossen ein leckeres Abendessen bei einem spektakulären Sonnenuntergang. Nach dem wir uns die Onboards angesehen und die Rallye mit allen Höhen und Tiefen ausgewertet hatten, ging es zufrieden aber vollkommen knülle in die Koje.

Am Sonntagmorgen trafen wir uns um 8°° Uhr zum Frühstück. Bei genialem Sommerwetter, ohne Wind, genossen wir das leckere Essen, tranken ein paar Heißgetränke und streckten die müden Glieder Richtung Sonne. Danach bauten wir routiniert das Basiscamp ab, luden die Elise auf und sattelten die Gespanne zur Rückfahrt. Gegen 10.30 Uhr rollten wir dann über den Gutshof in Richtung Süden.  Die Rückfahrt gestaltete sich annähernd wir die Hinfahrt. Zäh, lang und baustellenreich. Um 16°° Uhr erreichten wir ohne Vorkommnisse unsere Homebase in Wernsdorf. Hier präsentierten wir noch kurz unsere Pokale, luden die Mulis aus und räumten alles in die Remise. Die Rosenhof Rallye 2018 war damit Geschichte.

Resümee:

Die Teilnahme an der Rosenhof Rallye hat sich vollumfänglich gelohnt. Das Wetter, das Ambiente, der Veranstaltungsort, die Streckenführungen und Beschaffenheit bis hin zu den Verantwortlichen und dem Gastgeber, alles erste Sahne. Bei der Durchführung der Rallye ist noch Potential nach oben und wir werden in zwei Jahren die Rosenhof Rallye in unserem Rallye-Kalender fest einplanen.

Venceremos, Corina + Uwe

Hier noch ein paar Bilder, die es nicht in den Bericht geschafft haben: