Nr. 48  Spirit – Motorsport bei der legendären „Buten un´Binnen“ Rallye

11.04.2019

1.  Rallye der Saison 2019, die 28. ADAC Rallye Buten un´Binnen in Warpe bei Nienburg/Weser

Hallo Motorsportbegeisterte, Unterstützer und Freunde von Spirit-Motorsport,

 

endlich ist es wieder soweit und die Rallyesaison 2019 ist gestartet……..…und das mit einer der legendärsten und anspruchsvollsten Rallyes Deutschland, der Buten un´Binnen. OK, das Rallyejahr 2019 startet ergebnisbereinigt wie 2018 angefangen hatte, aber unter anderen Umständen. Aber wir immer der Reihe nach!

 

Am Freitag, den 29. März 2019 machten wir uns kurz nach 8°° Uhr, nach der langen Winterpause, in Richtung Norden auf, in das ca. 400km entfernte Warpe. Ein verträumtes Kleinod zwischen Hannover und Bremen im Nirgendwo. Nach fast 5 Monaten ging der Rallyezirkus wieder los und mit der berühmtberüchtigten Buten un´Binnen hatten wir uns auch gleich ein Benchmark der Extraklasse für dieses Jahr zu Anfang gesetzt…..warum? dazu gleich mehr. Bei super Frühjahrswetter mit strahlenden Sonnenschein, 19° Grad und wolkenlosem Himmel erreichten wir ohne Vorkommnisse & Staus erstaunlich stressfrei das Rallye-Hauptquartier.

Vor Ort bekamen wir auch gleich eine Einweisung, wo, was zu finden ist und wo wir unser Basecamp aufbauen konnten. Gesagt getan, rauf auf die Wiese, Equipment raus, alles wie gewohnt und einstudiert verbaut, eingehakt, befestigt und schon Stand das Spirit-Fahrerlager.

Traditionell wurde dann spießig Kaffee angesetzt und der frisch gebackene Kuchen auf den Tisch gebracht. Wenn schon, denn schon. Wir genossen die verbleiben Zeit bis zur Doku & TA und ließen Gott einen guten Mann sein.

Aus unseren Erfahrungen mit den „Rallyes im Norden“ wissen wir, dass es hier immer etwas entspannter zu geht und Zeiten nur Vorschläge sind. Die Dokumentenabnahme war für 16:30 Uhr ausgeschrieben und so schauten wir uns kurz vor 15 Uhr das Gelände „Okelmann´s“ mal genauer an. Hier war alles zusammengefasst: RHQ, Doku, TA und Parc Fermés. Das ist immer extra cool, alles fußläufig und auf einem Gelände. Das kommt doch dem gemeinen und immer kritikübenden Rallyeteilnehmer sehr genehm.

 

Alle Leute vom Veranstalter waren super gut gelaunt und nach kurzer Rückfrage zum möglichen Starttermin der Doku kam der lustige Beitrag mit einem Blick in die Runde : Wir sind ja alle da, trinken noch ein Kaffee und dann geht es schon los……….jupp, und genau aus diesem Grund fahren wir so gerne im Norden.

Also zurück in´s Basecamp, den Roadrunner angeworfen, Unterlegplane rein und Unterlagen zusammengesammelt.

Nach dem wir kurz nach 15:15 wieder im Festsaal bei Okelmann´s waren, ging´s auch schon los.  

Zum Jahresanfang für Euch nochmals die Qualifizierung der einzelnen Abnahmen:

1.Dokumentenabnahme (Doku)

Damit man bei der entsprechenden Rallye startberechtigt ist und in die Starterliste kommt, muss man vorab eine Nennung ausfüllen und abschicken. In diesem Formular steht welche Rallye, welche Gruppe, welche Klasse wir fahren wollen, dann typisch Deutsch, alle Angaben vom Fahrer und Copiloten, dann sämtliche Angaben zum Rallyeboliden und drei Seiten Verzichtserklärung, Versicherungsnachweise und so ein Kram…..liest keiner, unterschreibt aber jeder. In der Woche vor der Rallye erhält man die Nennbestätigung, natürlich nur wenn man das Nenngeld bezahlt hat, mit Angabe der Startnummer. Auch immer super Interessent wen man am Start vor und hinter sich hat. Die Startnummern werden den Leistungsklassen und dem „fahrerischen Können“ der Teams zugeordnet. Bei Asphaltrallyes starten die Großen (also wir) vorne und bei Schotter-Rallyes starten die Kleinen wie z.B. Cinquencentos, Golf, Swift und Co. als erste.

Zur Abnahme sitzen dann die Mitglieder des veranstaltenden MC´s an den Tischen und kontrollieren die Fahrerlaubnis, die Lizenzen und die Fahrzeugpapiere inkl. Versicherungsnachweise. Dann werden die Nennformulare vor Ort von beiden Teammitgliedern unterschrieben und man erhält eine große Tüte mit Überraschungen!? Nein, in dieser Tüte sind natürlich alle rallyerelevanten Unterlagen wie z.B. Startnummern, Bordkarten, Werbeaufkleber, Rallyeschild, Rallyejournal, Akkreditierungsanhänger und je nach Sponsor ein paar Giveaway´s. Auch diese Tüten hatten schon so die eine oder andere Überraschung für uns parat….und nicht immer positiv. Der langjährige Rallyeberichtleser weiß worauf ich anspiele! Somit wird die Inhaltskontrolle jetzt immer sehr gründlich und nach Checkliste abgearbeitet, auch wenn man den Verkehr damit mächtig aufhält.

2.Technische Abnahme (TA)

Nach dem die Startnummern, das Rallyeschild und die Sponsorenaufkleber nach „Klebeplan“ am Boliden befestigt sind, geht es zur TA . Diese Abnahme wird von qualifizierten und extra geschulten KFZ-Fachleuten, mit einer dafür zulässigen DMSB-Lizenz, durchgeführt. In den meisten Fällen werden dafür Werkstätten von Autohäusern oder die Halle der ortsansässigen freiwilligen Feuerwehren genutzt. Man „schiebt“ dann den Rallyeboliden in die Halle, grüßt höfflich und wartet auf eine Reaktion………....und schon weißt Du was Dich erwartet.

Als Erstes Motohaube und Kofferraum auf, Zulassung raus und die persönliche Fahrerausrüstung ausgepackt. Dann kontrolliert ein Abnehmer das Fahrzeug und einer die Sachen. So teilt man sich als Team auf und bemüht sich zuvorkommend um die Beantwortung alle anstehenden Fragen. Die Klassiker sind: Wo ist die Verplombung des Turbo, haben die Scheiben eine Splitterschutzfolie, wenn ja wo ist die Prüfnummer, haben Sie einen KFP, zeigen Sie mal das Originalzertifikat für den Käfig, wo ist denn ihr zweiter Scheibenhammer, sind die Löscher noch im Prüfzeitfenster, haben die Reifen eine E-Kennzeichnung, ist das Fahrwerk überhaupt eingetragen, wo finde ich die Zulassung für die Sitze, haben Sie einen gültigen Verbandskasten und zwei Warnwesten mit an Bord, wo ist eigentlich ihr SOS-Schild, ist dieser Heckspoiler bei diesem Modell überhaupt homologisiert usw. usw.

Nach ca. 15 Minuten ist auch diese Abnahme erfolgreich durch und man erhält einen Abnahme-Pickerl an der hinteren Seitenscheibe oder an der Startnummer.

Dokumentenabnahme

technische Abnahme

Nach den Abnahmen ist vor dem Bier…….alte Rallyeregel aus den Zeiten als das Rad erfunden wurde!

In diesem Fall nicht. Der Veranstalter hat für Freitag-Nachmittag bereits die Strecken auf dem IVG-Gelände hergerichtet und ausgepfeilt. Somit konnten wir die beiden Wertungsprüfungen schon am Freitag abfahren. Das entspannte den Recce um einige Samstagsvormittagsstunden.

Ein paar Anmerkungen zum IVG Gelände. Das ist ein eingezäuntes 12m²/km großes Areal mit ca. 400 Gebäuden. Diese Anlage wurde 1939 als Pulverfabrik neu gebaut und versorgte die Wehrmacht mit Kriegsmaterial. Nach dem Krieg gab es ein paar Teilnutzungen, aber ein Großteil war dem Verfall gewidmet. Als wir auf dem Gelände ankamen, konnten wir die legendären Geschichten über die WP´s mit den gnadenlosen Streckenführungen und tricky Besonderheiten nachvollziehen. Das ganze Morbide und Verfallene machte einen apokalyptischen Eindruck mit der Wahrscheinlichkeit, dass bei diesem Endzeitszenarium irgendwelche Zombies um die Ecke kommen könnten.

Der Aufschrieb gestaltete sich dementsprechend sehr umfangreich und die Begriffe „in“, „no cut“ und „über“  waren die bevorzugten Beschreibungen der Strecke. Ein Wirrwarr an Kurven, Durchfahrten und Kehren. Gerade Streckenabschnitte mit Beschleunigungspotential konntest Du an einer Hand abzählen. Hier war rumwuchten angesagt.  Dazu kam die Besonderheit, dass Sprengstofffabriken mit einem überdimensionierten Splitterschutz errichtet werden und ein großer Streckenabschnitt durch Beton-Schützengräben führte. Nicht nur, dass diese Betonwände keinen Spielraum für Fehler ließen, nein, die untere Begrenzung war dann auch noch mit Bordsteinkanten ausgeführt. Also mehr ging nun wirklich nicht mehr. Wir bissen uns durch das Roadbook, schrieben Seitenweise unsere Streckeneinschätzung auf´s Papier und fuhren dann anschließend noch einmal mit einer Kontrollfahrt und erstem Ansagen die beiden WP´s ab. Oohh man, das sollte spannend werden.

Als wir als apokalyptische Reiter zurück im Basecamp waren ploppten wir traditionell erst einmal ein paar kühle Blonde auf und genossen die erfolgreichen Abnahmen, das bomben Wetter und werteten unsere Eindrücke vom IVG-Gelände aus. Dann schmissen wir den Grill an und die Fleischspezialitäten rauf. Bei einem spektakulären Sonnenuntergang und leckerem Lammfilet ließen wir den Abend entspannt ausklingen.

Am Samstagmorgen war dann um 0630 wecken und um 0730 Abfahrt zur Außenprüfung. Hier wurde ein und dieselbe Streckenführung für eine Start-Ziel-WP und anschließend für einen Rundkurs ausgepfeilt……mmhh genauso wie es sich liest war es dann auch. Von allen Seiten und aus allen Seitenstraßen kamen uns bereits irgendwelche Rallyeteams entgegen und schüttelten mit dem Kopf. Die Idee vom Veranstalter war eigentlich nicht schlecht, funktionierte aber erst mit Fertigstellung der Auspfeilung und Markierung des Rundenteilers für die Rundstreckenvariante. Nach dem das alles geklärt war, konnten wir die Strecke abfahren, qualifizieren und kontrollieren. Mit Abschluss dieser beiden WP´s hatten wir die Buten un´Binnen auf dem Papier und konnten uns auf den Start vorbereiten.

Mit fast 15km Länge sollte die WP2 die Spreu vom Weizen gleich am Anfang trennen. Die später ausgewerteten Ausfallzahlen sollten dieser Prognose Recht geben.

 

Hinweis für alle Rallyeinteressierten:

Auf der Website : www.rallye200-info.de sind unter dem Link : Termine alle Rallye-Veranstaltungen in Deutschland, Europa und Weltweit übersichtlich aufgeführt.

Wenn Ihr Interesse habt, könnte Ihr auf der gleichen Seite unter dem Link : Home immer die aktuellen Rallyes, farblich hinterlegt, aufrufen und dort unter : Livezeiten unsere Zeiten und natürlich aller anderen Teams abrufen. Nicht unbedingt in Echtzeit aber mit etwas Versatz ist man immer Live im Geschehen.

Auf dem Rückweg, von der Außenprüfung zum Basecamp, nahm das Schicksal seinen Lauf. Am Vortag war mir zwischen den hohen Betonwänden bereits ein quälendes Quietschen aufgefallen, leise aber präsent. Wir hatten am Freitagabend vorsorglich die Räder abgeschraubt und nochmals alles überprüft. Alles OK.

Jetzt, am Samstagvormittag wurde das Quietschen zu einem rasseln, poltern und schleifen. Steffen stieg auf einer langen Geraden aus und ich fuhr ein paar Meter zurück und dann als Gehörprobe an ihm vorbei. Ganz klar, vorne rechts. Bisher alles gut und nicht schlimm. Solange es Geräusche macht, ist es noch dran. Im Basecamp bockten wir den Bock auf und schraubten das Rad ab. Das Radlager selbst hatte etwas Spiel, aber bei einem Rallyeboliden noch im akzeptablen Bereich. Die Bremse war gängig und funktionierte und die Antriebe waren fest und gerade. Also nochmals rein in den Roadrunner und etwas Action auf der Zufahrtsstraße. Mit ein paar Pirouetten, Vollbremsungen und schnellen angedeuteten Schikanendurchfahrten war es dann Gewissheit, Game over! Als Carchief entschied Steffen, dass wir mit diesem Problem nicht an den Start gehen. Die Entscheidung war zum aktuellen Zeitpunkt brutal und schwer zu akzeptieren, aber die spätere Schadensanalyse sollte ihm Recht geben. Grundsätzlich sind Entscheidungen bei der Rallye auch immer Teamentscheidungen.

Somit meldete uns Steffen bei der Rallyeleitung ab, Corina toastete ein paar frische Brötchen auf und wir machten erst einmal Frühstück.

Nach dem etwas deprimierten und gesprächslosen Frühstück bauten wir in aller Ruhe das Basecamp ab, verstauten alles ordnungsgemäß und pünktlich zum Start der Rallye fuhren wir von der Wiese in Richtung Heimat.

Rallye ist eine harte & gnadenlose Geliebte…….das sollte man nicht vergessen.

Nach einer flüssigen und hindernisfreien Rückfahrt waren wir am frühen Samstag-Nachmittag wieder in unserer Homebase in Wernsdorf. Steffen hatte den Roadrunner mit nach Zessen genommen und untersuchte am Sonntag die Situation am vorderen rechten Rad.

Er schickte mir am Sonntagvormittag ein Handyvideo vom total zerstörten und festen Radlager. Worst-Case-Szenario wäre bei der Rallye ein spontan feststehendes und blockierendes rechtes Vorderrad gewesen. Also kurz und gut, richtig entschieden und alles richtig gemacht.

Resümee:

Die sagenumwobenen Lagerfeuergeschichten zur und über die Buten un´ Binnen Rallye stimmen und wir werden versuchen im nächsten Jahr diese Rallye auch mal zu fahren. Gerüchten zur folge, soll die DRM Solinger Bärenklaue und die Buten un´Binnen im nächsten Jahr fusionieren und gemeinsam ausgetragen werden!? Naja, schaun wir mal, was dann da so geht.

Aktuell bauen wir den Roadrunner für die nächste Rallye auf ein Schotter-Setup (Fahrwerk, Bremse usw.) um. Es geht am Freitag, den 12.04.2019 zur Roland Rallye nach Nordhausen. Eine super organiserte Rallye mit ultraschnellen Schotterpassagen, dem legendären Innenstadt-Rundkurs „Gehege“ und landschaftlich spektakulären Steckenführungen.

Wir freuen uns schon riesig, auch wenn es mächtig kalt werden soll!!

Venceremos, Euer Spirit-Team