Nr. 49  Spirit – Motorsport bei der 49. ADAC Roland Rallye

24.04.2019

2.  Rallye der Saison 2019, die ADAC Roland Rallye in Nordhausen / Thüringen

Buten un´Binnen

 

Hallo Motorsportbegeisterte, Unterstützer und Freunde von Spirit-Motorsport,

 

nach unserem Fehlstart bei der Buten un`Binnen stand nun die wunderschöne Roland Rallye auf dem Kalender. Die Roland Rallye besticht mit ihrer spektakulären Streckenführung durch den landschaftlich schönen Südharz, welcher als Schichtstufenlandschaft bekannt ist. Dieser Begriff ergibt sich aus bereiten und flachen, sowie zuweilen beckenartigen erweiterten Talniederungen und einer Anzahl von Höhenzügen……..oder mit anderen Worten: Eine Berg- und Talgfahrt vom aller Feinsten! Aber wie immer, der Reihe nach.

 

Am Freitag, den 12. April 2019 (für die Statistiker : Corina´s Geburtstag) ging es um 10°° Uhr in Richtung Süden. Die Autobahnen waren für den angekündigten Ferienbeginn erstaunlich leer und der Verkehr rollte. Alles lief super und wir erreichten püntkich und ohne Vorkommnisse das Fahrlerlager in Nordhausen…..….wie immer direkt neben Mc Donald´s. Die betreffende Wiese war etwas abschüssig und wir suchten uns einen strategisch höheren Standort, falls, wie angekündigt, Regen und Schnee den Untergrund in einen Sumpf verwandeln wird. Der Aufbau erfolgte rutiniert und zügig. Das Wetter konnte sich noch nicht so recht entscheiden, ob es heute schon schlecht gelaunt werden soll, oder doch erst morgen. Es blieb vorerst bei kalten Temperaturen, aber noch ohne Regen.

Traditionell kochten wir ein Käffchen und genossen leckeren, frischen Kuchen. Mit der Zeit rollten immer mehr Teams in das Fahrerlager und der Platz wurde langsam eng. Mit fast 100 eingeschriebene Teams zeigte die Roland Rallye auch ihre Qualitäten. Ach…….und das Wetter hatte mittlerwiele entschieden auf Schnee umzustellen !!

Die Abnahmen waren bei der Roland Rallye relativ spät. Die Doku war für 17:30 Uhr und die TA ab 17:45 Uhr ausgeschrieben. Auch bei dieser Rallye war alles fußläufig auf einem Gelände organisiert. Das Fahrerlager, die Dokumentenabnhame und die technische Abnahme waren nur wenige Meter auseinander.

Gegen 16:45 Uhr fuhren wir den Roadrunner zur TA und schlenderten gemütlich rüber zur Doku. Hier waren bereits die ersten Teams am Einlass und so ergaben sich ein paar interessante Benzingespräche. Pünktlich nach Plan wurde die Doku eröffnet. Alles lief geordnet und organisiert ab. Die Dokumente waren vollständig, gültig und unterschrieben. Nach wenigen Minuten waren wir wieder raus und auf dem Weg zur technischen Abnahme. Hier beklebten wir den Roadrunner mit den Sponsorenaufklebern, den Startnummern und dem Rallyeschild. Nach korrekter Fertigstellung schoben wir den Boliden in die Warteschlange und warteten auf den pünktlichen Einlass um 17:45 Uhr !

Die TA verlief gewohnt gründlich und nach ein paar Hinweisen hier und da, bekamen wir das Pickerl und waren auch schon wieder aus der Halle.

Nach den Abnahmen ist vor dem Bier….also, ein paar kühle Blonde aufgepoppt und den Grill angeschmissen. Als Nachbarn, im Fahrerlager, hatten wir mittlerweile zwei Oberflächenveredler, Silvio & Dirk. Leider hatte niemand Dirk etwas von aktuellen 2,5° Grad Außentemperatur gesagt. Er war komplett auf Sommercamping eingestellt. Nachbarschaftlich stellen wir noch unseren Grill für die Beiden zur Verfügung.

Pünktlich mit Einsetzen von verstärktem Schneetreiben und fallenden Temperaturen gingen wir in die Kojen.

Am Samstagmorgen erfolgte um 0630 Wecken und es war Rallyetime!! Endlich Action, Schotter, hübsche Menschen und bunte Autos. Nach einem frischen & heißen Kaffee holte Steffen das Bordbuch und ich taute in der Zeit den Roadrunner auf. Knackige -1,5° Grad für Mitte April ist schon heftig. Aber denkt positiv, es blieb bisher trocken.

Der Aufschrieb verlief ohne größere Überraschungen. Die Wegführungen zu den einzelnen WP´s waren im Bordbuch gut beschrieben und die Streckenführungen waren gleichfalls gut markiert. Unter Beachtung der herrschenden Wetterbedingungen und den Streckenverhältnissen waren die Wertungsprüfungen nicht zu unterschätzen. Auf 600m geraden Schotterpassagen mit kleinwagengroßen Löchern und Ausspülungen folgte eine Walddurchfahrt mit raffinierten Kurvenkombinationen auf Schlamm…..oder anders erklärt, von irrwitzigen 160km/h mit spektakulären Jumps mußte man auf 30km/h anbremsen, irgendwo im Nirvana ohne Bremspunkt und unter Beachtung der Streckenverhältnisse……und genau das ist Rallye, im speziellen Schotterrallye…..zu diesem Thema habe ich ja noch so die eine oder andere Lehrstunde zu absolvieren.

WP 1 / 4 Apostellbrücke (10 WPkm) ist traditioneller Bestandteil der Roland Rallye und wird in verschiedenen Variationen und in umgekehrten Start-Zielführungen jedes Jahr gefahren. Interessant und ernst zu nehmen sind hierbei die beiden aufgebauten Schikanen. Vor allem auf der Brücke ist diese Doppelschikane nur mit äußerster Vorsicht und unter Beachtung der Bordsteinkanten zu nehmen.

Dann ging es rüber (über 20km Verbindungsetappe) zur WP 2 / 5 Werther, eine WP mit „nur“ 2,18 Wertungskilometer !? Das aber zwei Kilometer ausreichen eine Rallye zu entscheiden sollten wir noch schmerzlich in Erfahrung bringen. Also, rauf auf die Strecke, 2km Aufschrieb abgespult und weiter zur letzten Wertungsprüfung

WP 3/6 Gehege. Eine Asphalt-Streckenführung durch Nordhausen, auf abgesperrte Hauptverkehrsstraßen und dem Stadtpark mit Serpentinenabfahrt. Spektakulär und legendär. Hier mit Schotterreifen am Limit zu fahren gehört zu eine der Königsdisziplinen der Roland Rallye. Ich habe diese Streckenführung bereits 2015 und 2016 unter die Räder genommen. Im ersten Jahr waren wir noch auf Fedimas unterwegs und die mögen, als Schotterreifen, den Asphalt überhaupt nicht. Im nächsten Jahr stellten wir auf Maxxis um und siehe da, gut angefahren waren Maxxis auch auf Asphalt brauchbar. Somit gestalteten wir den Aufschrieb sehr optimistisch & schnell und was in den Jahren davor noch eine „4+“ war jetzt eine „5, geht“! Beim Aufschrieb (Recce) dieser WP muss man beachten, dass alles bei laufenden & fließenden Stadtverkehr stattfindet. Teilweise stimmen die aktuell befahrbaren Streckführungen nicht mit den WP-Strecken über ein und die Schikanen zur Rundenteilung und Ausfahrt sind auch nicht aufgebaut.

Wenn Ihr Euch die Skizze für diese Schikanen mal genauer anschaut, könnt Ihr Euch eventuell vorstellen wie es praktisch aussieht, wenn man aus einer links 5+ volle Granate in die Schikane anbremst.

Nach dem erfolgreichen Recce ging es zurück in´s Basicamp und Corina hatte schon ein leckeres Frühstück mit frischen Brötchen und heißem Kaffee gezaubert. Nach dem Frühstück zog sich Steffen in seinen Transporter zurück und überarbeitete den Aufschrieb. Wir hatten dieses Mal ausreichend Zeit, da im Schotter Cup die Großen als letzte starten. Wir hatten die Startnummer 88. Wir fuhren den Roadrunner gegen 11 Uhr in den  Startpark, auf dem Petersberg mitten in Nordhausen, holten uns unsere Startzeit und fuhren zurück in´s Basecamp. Persönlich plante ich, als Schottervollpfosten, eine mögliche Platzierung zwischen dem 25-30 Gesamtplatz als realistisch ein. Das Starterfeld war mit der Cremé de la Cremé der deutschen Schotter-Rallye-Szene gespickt.

Kurz vor 14 Uhr erfolgte dann auch unser Start.

Gleich auf WP 1 mussten wir mehr als 20 Minuten Verzug einplanen. Die Wetterverhältnisse hatten sich massiv geändert. Sonne, Schnee und Regen wechselten sich im Minutentakt ab. Die spärlichen Asphaltanteile, meist in Kurven und Kuppen wurden mit dem Dreck der Cut´s und dem Regen unkalkulierbar.  Wir kamen erstaunlich gut über die WP1 und standen in der Tabelle auf dem Gesamtplatz 12 !! Unglaublich. Wir fuhren die mehr als 20km Verbindungsetappe zur WP2 und spulten auch diese ohne Fehler runter. Man, die zwei Kilometer hatten aber so ein paar tricky Ecken zu bieten. Im letzten Jahr hatten sich an der letzten Kurve zur Zieldurchfahrt drei Autos überschlagen und unzählige Boliden sind in den Hang gerammelt. In diesem Jahr entschärfte der Veranstalter diese Kurve mit einem Heuballen……zum Teil mit Erfolg, zum Teil mit vergleichbaren Abflügen.

Dann stand WP „Gehege“ als Rundkurs mit zwei Runden + Ausfahrt auf der Tagesordnung. Nasser, glitschiger Asphalt und wir auf groben & harten Stollenreifen unterwegs. Eine Kombi bei der man normalerweise nur mit dem Kopfschütteln kann. Also, ran an die Startlinie, ein Bolide vorbei, der Zweite vorbei und schon zählte der Starter runter, bäämm und ab ging die wilde Hatz. Man, der Roadrunner ging wie Sau und die Maxxis machten einen guten Job. Wir heizten die erste Runde rum und legten in der zweiten Runde noch eine Schippe drauf. Mit der halben dritten Runde (Ausfahrt) krönten wir dann unseren Gesamttabellenplatz unter der TOP10 !! Was für ein tolles Ergebnis. Nach der rasanten Zieldurchfahrt ging es von hier zum nur 1km entfernten Regrouping auf dem Petersberg. Normalerweise war 1 Stunde geplant. Mit den Verzögerungen aus den Starts der ersten drei WP´s schmolz die Zwangspause auf etwas über 30 Minuten zusammen. Zum Glück.

Mit dem Start zur zweiten Sektion fing es wieder an zu Regen und die Streckenverhältnisse hatten mit dieser Wetterentwicklung und bereits mehr als 90 Boliden auf dem Kurs nichts mehr mit dem Aufschrieb vom Vormittag zu tun. Erfahrung, Weitblick, Nerven und Beherrschung des Sportgerätes waren jetzt die entscheidenden Attribute.

WP 4 lief super und wir hatten einen  schönen Flow. Es machte einen riesen Spaß über die Piste zu heizen und den Hintern über die Strecke zu hängen. (Drift). Am Start von WP 5 hatten wir wieder eine Verzögerung und pünktlich zu unserem Start fing es heftig an zu Schneien. Die Wischer liefen auf volle Touren und man konnte streckenweise keine 50m mehr Vorausschauen. Also, ran an die Startlinie, der Counter zählt runter und bei Null geht´s los. Am Anfang war eine 200m lange Gerade, mit losem Schotter (der Geologe spricht in diesem Gebiet von diluvialen Schotter)  mit einer rechts 3 auf Asphalt in eine Schikane zu fahren. Dann ging es mit einer engen links-rechts Kurvenkombination über eine Autobahnbrücke und sauschnell bergab in mehrere 5er Kurvenkombinationen einen Obsthain herunter. Am Ende voll runter bremsen, in eine links 2 bergauf und weiter in eine 500m lange sauschnelle Schotterpassage, bergab. Unten angekommen stand im Aufschrieb „rechts 2, Graben außen“. Also, ordentlich anbremsen, dann rein in Kurve und auf dem nassen schmierigen Schotter rum um die Kurve. OK, sah gut aus, rum waren wir……..aber am Ende der Kurve, wir standen schon wieder gerade auf der Strecke, rutschten wir in Zeitlupe den 3m hohen Hang runter…..unfassbar, wir waren doch schon rum. Kein Kämpfen, Lenken und Gas geben hat mehr geholfen. Wir lagen wir ein umgefallenes Schlachtross auf der Seite und schauten uns das wilde Schneetreiben an. Binnen weniger Sekunden (für uns Stunden) waren die Kameraden der FFW und die Streckenposten am Roadrunner, sicherten die Strecken und holten uns aus unserer misslichen Schieflage. Der Gruppenführer sondierte die Lage, teilte die Kameraden ein und orderte ein zweites Feuerwehrfahrzeug. Wir waren nur wenige Zentimeter mit dem Dach vor einem Baum zum Stehen gekommen. Um beim Bergen den Roadrunner nicht gezwungener Maßen gegen diesen Baum zuschieben wurde von hinten ein weiteres Fahrzeug mit Winde verankert und sicherte den Boliden gegen das unkontrollierte Abrutschen. Eine tolle und sehr professionelle Leistung der Kameraden der freiwilligen Feuerwehr. Respekt und Hut ab!

 

Nach dem der Subaru wieder in Waage stand und wir in einen Nebenweg dirigiert wurden, schauten wir uns das Schlamassel an. Unglaublich, nichts, also wirklich nichts passiert. Keine Schramme, keine Beule, selbst die Stoßstangen waren unversehrt……das war wirklich mal Glück!

Wir schauten uns dann noch die restlichen vier Boliden nach uns an und staunten nicht schlecht, wie z.B. das Team Liebehenschel den Berg runter knallte, filmreif anbremste, hin und her schwing wie ein verrückt gewordenes Pendel und rumfuhr. Man, das war schon beeindruckend. Wer kann, der kann eben.

Vor uns waren bereits zwei weitere Teams an dieser Kurve rausgeflogen. (Opel OPC & EVO) Beide auf jeden Fall spektakulärer als wir und teils mit großen Schäden an den Fahrzeugen…….und wir sollten auch nicht die Letzten gewesen sein. Mit Startnummer 97 kam der Favorit der Veranstaltung angeflogen. Ein Finne mit einem EVO X. Auch er hatte wohl die Streckenverhältnisse etwas zu optimistisch eingeschätzt, dreht sich in der Kurve um 180° und rutschte den Hang, mit dem Heck zuerst, herunter. Game Over!

Steffen meldete uns beim WP-Leiter ab und übergab ihm unsere Bordkarte. Damit war die Roland Rallye für uns beendet. Auf dem Rückweg besprachen wir noch etwas Manöverkritik. Immerhin war niemanden etwas passiert und der Roadrunner war heile! Kurz vor dem Basecamp machten wir noch einen Zwischenstopp an einer Total-Tankstelle und reinigten den Roadrunner vom Dreck des Südharzes. Corina wußte in der Zwischenzeit bereits dass wir raus waren und dass uns nichts passiert war. Im Basecamp zurück, ploppten wir erst einmal ein paar Bier auf und versuchten zu entspannen. Bei leckerem Spirit-Eintopf und Auswertung der Onboards auf dem Laptop beendeten wir den Abend genüsslich und entspannt.

Am Sonntagmorgen trafen wir uns um 8 Uhr zum Frühstück. Das Wetter war mittlerweile trocken, aber immer noch mit Minusgraden auf der Temperaturanzeige. Wir packten unsere sieben Sachen zusammen, luden den Roadrunner auf und fuhren gen Norden zur Homebase in Wernsdorf.

Steffen bog vorher nach Zeesen ab und lud den Roadrunner bei sich in der Firma ab. Es stand der Umbau auf Asphalt an und damit mußten erneut die Bremsen, das Fahrwerk und die Räder gewechselt werden. Diese Umbaumaßnahmen sind abschließend nur mit einer präziesen Sturz- & Spureinstellung möglich.

Wir luden in Wernsdorf alles aus, stellen das Zelt und die Seitenwände zum Trocknen auf und tranken noch ein gemütliches Bierchen zum Sonntag.

Resümee:

Die Roland Rallye ist eine Rallye, die jedes Rallyeteam in seinem Jahreskalender zu stehen haben sollte. Eine anspruchsvolle Streckenführung, eine landschaftlich schöne und reizvolle Gegend, eine super Organisation und vom fahrerischen Anspruch mit allem ausgestattet was eine gute Rallye ausmacht. Also, im nächsten wieder!

Jetzt steht aktuell die Planung für die Wikinger Rallye (Cimbern) am 27.04.2019 an. Eine National A Rallye, die von einem dänischen Motorsportclub in Deutschland, bei Flensbrug, veranstaltet wird. Eine legendäre Rallye mit mehr als 90 Wertungskilometern.

Leider nicht für uns. Nachdem Steffen die Umbauarbeiten ausgeführt und den Roadrunner zurück zur Homebase gebracht hatte, eröffnete er uns, dass der Turbo defekt ist. Aktuell loten wir unsere Möglichkeiten aus und werden entscheiden müssen, was wir machen werden. Fakt ist, die Wikinger Rallye ist damit für uns gestorben. Da es bei allen Maßnahmen, Teilen oder Actionen, an dem man das Wort „Rallye“ anfügt, mindestens 6 Monate benötigt werden, um wieder startbereit zu sein, liegen unsere weiteren Rallye-Planungen aktuell auf Eis. Wir werden sehen wie es weiter läuft.

Steffen nutzt die gewonnene Freizeit und fährt als Co bei Sven die Fontane Rallye am 27.04.2019.

 

Venceremos, Euer Spirit-Team