05.11.2015

10. Rallye der Saison die 18. Internationalen Lausitz Rallye in Boxberg

 

Hallo Motorsportbegeisterte, Unterstützer und Freunde von Spirit-Motorsport,

 

in der letzten Woche waren wir mit großer Spirit-Crewbesetzung von Mittwoch bis Sonntag in der sonnigen Lausitz in Sachsen. Es stand die härteste & längste Schotterrallye Deutschlands auf dem Programm. Drei Tage in vollem Rallyetrimm, 600 km gesamt und davon 184km als Wertungsprüfungen in 13 Einzelprüfungen. 6 als Nachtprüfungen und 7 Tagesprüfungen! Eine WP, die zweimal gefahren wurde, hatte eine Länge von 32km. Das ist sonst die Länge einer gesamten Rallye35 Tagesveranstaltung. Halleluja !!!

Rallyegrößen wie der zweimalige WRC-Vizeweltmeister & VW-Werksfahrer J.M. Latvala mit seinem Gruppe-B Monster aus den 80igern Jahren Audi S2, der sechsfache deutsche Meister M. Kahle mit seinem brandneuen Skoda R5, der zigfache norwegische Landesmeister A. Gröndal auf Subaru und die Semiprofis der Euro Rallye Trophy (ERT) waren mit am Start.

 

Das Spirit-Motorsport-Team reiste dieses Mal zeitversetzt an. Wir starteten bereits am Mittwochnachmittag um Donnerstag früh ausgeschlafen und fit zum ersten Aufschrieb starten zu können. Dann folgten Jana & Bernd zum Donnerstagmittag. Am Nachmittag kam Steffen pünktlich zur technischen Abnahme. (in der Freiwilligen Feuerwehr in Boxberg) Unser Service- und Fahrerlager hatte mit drei Wohnwagen, vier Autos, einem Trailer, einem Rallyeboliden und einem Servicetransporter eine stattliche Größe angenommen. Am Freitagnachmittag kam dann noch Sven und vervollständigte unser Spirit-Team.

Der Donnerstag begann dann mit dem Aufschrieb (und wer hat die letzten Rallyeberichte gelesen ? = Recce !!) der unzähligen Wertungsprüfungen (WP). Wir wurden ja schon von vielen alten Rallyehasen vorgwarnt. Aber wie immer ist die Realität nicht zu toppen. Kilometer auf Kilometer spulten wir ab und schrieben seitenweise Roadbooks voll. Unglaublich! Die Strecken wurden teilweise sogar von Vattenfall erst für die Rallye gebaut. (Geld spielt keine Rolle) Von unzählbaren Kurvenkombinationen in der Arena bis hin zu kilometerlangen Schotterpisten war alles vertreten….und Schotter heißt in der Lausitz im Bergbau dann doch etwas anders als gewohnt – spitzer, großer nicht abgenutzter Eisenbahn-Gleisschotter! Uns war beim Aufschrieb vollkommen unklar welche Autos und Reifen das im Renntrimm aushalten sollten. Wir hatten achtfache Bereifung mit und simulierten schon, dass das nicht reichen würde.

 

Am Freitagvormittag haben wir die restlichen 7 Wertungssprüfungen abgefahren und aufgeschrieben. Nun hatte man als Fahrer komplett den Überblick verloren. Bei 35er & 70er Rallyes konnte man sich den Streckenverlauf noch ein wenig einprägen. Hier war durch das wahllose verteilen der Abfahrtszeiten für die WP´s an zwei Tagen die Streckenkenntnis gleich = Null! Gegen 14.30 Uhr ging es dann nach Weiswasser zum Showstart. Dieses gab es schon ein paar Mal bei anderen Veranstaltungen. Was aber hier aufgezogen und durchgeführt wurde war unfassbar. Man könnte meinen, das war das Jahreshighlight in der Stadt und wir wären alles todgeweihte Gladiatoren die auf dem Weg zur Arena waren. Wir haben mehrere Autogramme auf Jacken, Shirts und Mützen geben müssen und haben 30 Autogrammkarten verteilt. Unglaublich! (irgendwie aber auch peinlich)

 

Freitag gegen 17.00 Uhr ging es dann zu den ersten vier Nacht-WP´s. Das war eine wirkliche Herausforderung. Mental ist es unglaublich schwer im dunkeln Rallye zu fahren. Man bewegt den Boliden am Limit, auf rollenden und schmierigen Gelände und das alles nur mit den Lampen die man vorher angebaut hatte. Wehe dem der zuwenig oder defekte hat…! Jede Kurve, jeder Jump und jeder ausgeführte Cut konnte schon am ersten Tag das Ende der gesamten Rallye bedeuten. Zum Schluss hatten die alten Rallyehasen wieder einmal Recht : „Bei den ersten vier Nacht-WP´s, trennt sich die Spreu vom Weizen!“ Die Ausfallrate war dem entsprechend hoch.

Wir hatten uns vorab Rat bei Jürgen geholt und für die Lausitz-Rallye unsere Spirit-Crew verstärkt. Mit Steffen und Sven hatten wir zwei rallyeerfahrene KfZ-Meister im Service zur Verfügung. Für die ersten vier Nacht-WP´s wurden zwei Servicezeiten festgelegt. Steffen hatte alles akribisch vorbereitet, Bernd eingewiesen und eingearbeitet und Sven kam pünklich zum ersten Servicetermin in´s Fahrerlager. Ein tolles Gefühl wenn man sich als Fahrer nur um sich selbst kümmern muss. Systematisch, ruhig und sehr professionell wurden die beiden Servicetermine durchgeführt. Spitzen Leistung!

Um 23.00 Uhr waren wir dann zurück vom Parc fermé (dort werden die Boliden abgestellt und niemand darf, bis zu einer klar definerten Zeit, mehr ran an´s Fahrzeug). Um 0.30 Uhr war dann endlich Bettruhe! Mh…Fahrerlager, Servicepark, da war doch was. Genau! Wir standen direkt nebem dem Team von Rigo Sonntag. Sein Honda hatte nach den ersten WP´s akute Schwierigkeiten mit der Kupplung. Also sprang einer seiner Teammitglieder in´s Auto raste nach Hause und war gegen 05.00 Uhr morgens wieder zurück. Sofort wurde mit dem Wechseln der Kupplung begonnen. Ein audioelles Highlight! Wer nicht aus der Kfz-Branche ist – ein Druckluftschrauber arbeitet so mit 110dB, das sind um 05.00 Uhr morgens gefühlte 1.100 dB. Somit waren wir am Samstagmorgen früh auf den Beinen.

Um 08.00 Uhr holten wir unser Auto wieder aus dem Parc fermé, führten noch einmal einen kurzen Service durch und ab ging es zu den letzten sieben WP´s. Unter anderem die beiden megalangen Einzelprüfungen mit 32km! Ein super Erlebnis. Auf der WP7 haben wir mal die Pferdchen rausgelassen. Rundkurs – mein Ding! In dieser WP haben wir richtig Zeit gut gemacht und sogar den Calibra 4x4 Turbo überholt. Geil!

Wir arbeiteten uns von WP zu WP und von Service zu Service weiter nach vorne in der Gesamtwertung. Mittlerweile waren zwei Boliden in unserer Klasse ausgefallen und wir hatten noch einen polnischen Subaru als Gegner. Am Ende des Tages waren wir auf Platz 13 gesamt und 2. in der Klasse. Problematisch war jetzt nur noch, dass die Lausitz Rallye mit zwei Nacht WP´s endet. Man, Man Man... das Ergebnis war spitze und das Auto noch ganz. Die Rallye hätte zu diesem Zeitpunkt zu Ende sein können. Nein, noch zwei unkalkulierbare Nacht-WP´s – that´s Rallye! Also Zähne zusammen beissen, Lampenbaum rauf, noch ein Smoothie hinter gekippt und ab auf die Strecke.

Das alles konnten wir aber nur mit unserem Team erreichen. Ohne dem erstklassigen Service und dem tollen Catering wäre diese Leistung nicht möglich gewesen. Hiermit nochmals vielen Dank an Jana & Bernd, Steffen und Sven. Tolle Leistung!

Während und nach der Rallye hatten wir noch Besuch von befreundeten Rallye-Teams. Die Auswertung der Erlebnisse wurde brühwarm ausgetauscht und/oder verteilt. Um 22.00 Uhr ging es dann nach Weiswasser in´s Festzelt zur Siegerehrung. Ein toller Abschluss des Rallyejahres 2015. Wir haben mit einem Klassensieg und Pokal bei der Wittenberg die Saison eröffnet und würdig mit einem Klassensieg und Pokal bei der Lausitz Rallye das Jahr beendet. Was will man mehr?

Tja was soll ich sagen…..spitzenmäßig durchgekommen, alles ganz gelassen und ein sagenhaftes Ergebnis eingefahren. 14. Platz in der Gesamtwertung und Klassensieg in der Gruppe CTC (28) UNGLAUBLICH!!

Für uns war die Lausitz Rallye eine Herausforderung und wir sind angetreten um zu schauen ob wir physisch und psychisch überhaupt dazu in der Lage sind, den anstehenden Anforderungen und Belastungen gewachsen zu sein.

Vielen Dank und auf eine tolles und erfolgreiches Rallyejahr 2016 !!

 

Venceremos, Corina + Uwe

Spirit – Motorsport bei der härtesten & längsten Schotterrallye Deutschlands

Spirit – Motorsport bei der härtesten & längsten Schotterrallye Deutschlands

Wir beenden mit diesem Bericht unser erstes Rallyejahr. Es war unglaublich spannend, wir haben sehr viel gelernt und haben die Entscheidung Rallye zu fahren zu keiner Sekunde bereut. Eine unserer besten Entscheidungen die wir in unserer zwanzigjährigen Ehe je getroffen haben.

Unseren innigen und herzlichen Dank gilt all unseren Freunden, die uns immer unterstüzt und geholfen haben. Ohne Euch wäre das Jahr nicht so erfolgreich verlaufen.