Nr. 28   Spirit – Motorsport in Stollberg / Sachsen

2. Rallye der Saison 2017, die 54. ADMV Rallye Erzgebirge

 

Hallo Motorsportbegeisterte, Unterstützer und Freunde von Spirit-Motorsport,

am letzten Wochenende, also vom 31.03. – 02.04.2017 waren wir bei strahlendem Wetter im traumhaften Erzgebirge zur Achterbahnfahrt. Wie auch schon im letzten Jahr, eine der schönsten und legendärsten Rallye´s in Deutschland. Aber wie immer….der Reihe nach!

Vorab ein paar Sätze in eigener Berichterstattersache. Es gibt interessierte Leser dieser Berichte, die die ersten Seiten langsam aber sicher langweilig und für kopierbar halten. Mhhh…erstens finde ich es natürlich immer schön, wenn ich Feedback auf meine Berichte erhalte und zweitens versuche ich konstruktive Kritik selbstverständlich zu beachten und umzusetzen. In diesem Fall fällt es mir schwer…..warum? Jede Rallye hat nun mal ihren Anfang und ihren Schluss. Die Abläufe sind klar strukturiert und terminiert. Die Sequenzen sind geregelt und für jedes Team verbindlich. Für den geneigten Leser versuche ich von Bericht zu Bericht eine Struktur in den Ablauf zu bringen. Ich würde mal behaupten wollen, dass jemand der von Rallye keine Ahnung hatte und seit nun mehr zwei Jahren diese Berichte liest, am Streckenrand mit der einen oder anderen Insiderbemerkung beim Publikum glänzen könnte….und genau darum geht es mir bei diesen Berichten. Allen die nicht aktiv teilnehmen wollen oder können, den Rallyesport etwas transparenter und interessanter zu machen, sowie für alle Aktiven ein Zeitdokument zu schaffen, dass auch zu späterer Zeit die Rallye nochmals greifbar zu machen. Ich kürze das mal jetzt ab und bleibe einfach bei dem was ich bisher gemacht habe: Selbstbeweihräucherung und die heroische Darstellung des nationalen Rallyesports in Deutschland in Pathos & Ethos der bildlichen Sprache um das geschehene für Dritte abzubilden. Auf geht’s……….

Am Freitag, den 31.03.2017, sattelten wir bei unglaublichen 22°Grad und wolkenlosen Himmel unsere Fahrzeuge und ab ging es nach Sachsen in das Städtchen Stollberg. Für einen „normalen“ Freitag war die Autobahn extrem voll und mit drei Gespannen war die Anreisen zwar stressfrei aber schon in der Kategorie “nicht mit links“ ein zu ordnen! Pünktlich gegen 14.30 erreichten wir in Niederwürschnitz unsere Stellfläche für das Basiscamp. Kurz noch unseren Standort per iPhone an Steffen und nach weiteren 20 Minuten war die Spirit-Crew vollzählig. Unser Basiscamp konnten wir auf dem Parkplatz der „Alten Ziegelei“ aufschlagen. Ein idyllisches Plätzchen, direkt am Rande von Stollberg, super ruhig und landschaftlich romantisch gelegen. Ruckzuck war das Lager eingerichtet, der Roadrunner abgeladen, die ersten Käffchen gebrüht und frischer Käsekuchen auf dem Tisch.

09.04.2017

Aus der Erfahrung des letzten Jahres machten wir uns 30 Minuten vor offizieller Dokuabnahme auf zum Rallyehauptquartier. Taktisch fuhren wir mit unserem G nach Stollberg und Steffen fuhr mit Bernd im Roadrunner zur technischen Abnahme zum Subaru-Autohaus Nikolai. Wir kamen also pünktlich am Kulturbahnhof in Stollberg an und waren bereits außerhalb des Gebäudes in einer Schlange. Genau 10 Minuten nach unserer Ankunft platzte irgendwo ein Knoten und innerhalb von einigen Minuten standen mehr als 25 Teams hinter uns. OK, richtiges Timing, 5 Teams vor uns und 25 Minuten warten bis zur Dokuabnahme um 18 Uhr. Pünktlich ging die Veranstaltung los und wir absolvierten die Abnahme in Bestzeit. Also, wieder rein in die schwarze Schrankwand und rüber zur TA.

Steffen und Bernd hatten den Roadrunner strategisch direkt am Eingang der Halle platziert. Nach dem wir alle Aufkleber und Startnummern am Boliden hatten, konnte es losgehen. Als erstes kam Marcus Hesse, als Helfer der TK´s, und kontrollierte die Ausrüstung von Fahrer & Copiloten. Danach ging´s in die Halle zur Abnahme. Hier warteten schon 5 TK´s hungrig und motiviert auf die Fahrzeuge. Der Ablauf war wie gewohnt und dieses Mal wurde auch der KFP in Augenschein genommen. Weitere Ausführungen zur Abnahme erstelle ich hiermit nicht.

Die, die es wissen müssen, wissen es. Für den Rest : Pickerl rauf und Abnahme durch, Allet jut.

Zurück im Basiscamp ploppten wir ein paar Bier auf und schmissen den Grill an. Lecker Lamm, Hühnchen und Erfurter Kräuterwurst standen auf der Speisekarte. Alleine diese traditionelle Grillsession am Freitagabend ist immer schon die Reise wert. Lecker essen und gute Freunde……ihr wisst was ich meine!?

Zurück im Basiscamp ploppten wir ein paar Bier auf und schmissen den Grill an. Lecker Lamm, Hühnchen und Erfurter Kräuterwurst standen auf der Speisekarte. Alleine diese traditionelle Grillsession am Freitagabend ist immer schon die Reise wert. Lecker essen und gute Freunde……ihr wisst was ich meine!? …………so viel zu den Vorteilen der Rallyes. Kommen wir jetzt zum Ernst des Lebens : 4.45 Uhr aufstehen!! Ja, Ja ich wiederhole mich, aber Rallyesport ist nichts für Nachtschwärmer und Langschläfer. Das ist schon böse, wenn man am Samstagmorgen so früh aus dem Bett geholt wird. Aber was soll´s….ist ja fakultativ! Also, Käffchen runter, rein in den Roadrunner, damit den Rest der Crew wecken, und ab ging es nach Stollberg zur Roadbookausgabe.

Nach ca. 4,5 Stunden waren wir gegen 10.30 Uhr wieder vom Recce zurück und konnten ein ausgiebiges Frühstück genießen. Gegen 11 Uhr mussten wir dann auch schon wieder los. Es wurden die Startzeiten vergeben und es stand noch eine Fahrerbesprechung auf dem Plan. Um 12 Uhr startete das erste Fahrzeug.

 

Durch das offene Zeitrisikos unserer Getrieberevision konnten wir uns erst kurz vor Nennschluß zur Rallye einschreiben. Leider werden bei der Erze die Startnummern schon zum 1. Nennschluß vergeben und die Programmhefte gedruckt. Ergebnis dieser Aktion : Starnummer 54 und nicht im Heft ! Na toll! Nach Bekanntgabe der Startnummern machten wir uns ein wenig sorgen mit der Einordnung im Startfeld. In der offiziellen Liste wurden wir hinter den Trabbis einsortiert!? OK, dann haben wir ein wenig Spaß, aber wie soll das praktisch im Rundkurs in Grünhain aussehen, mit 250PS und Allrad im Feld der Trabbis? Das könnte zu zuschauerfreundlichen Aktionen führen. Für die notwendigen Informationen setzen wir uns mit dem Veranstalter in Verbindung. Hier erfolgte die Aufklärung und wir wurden mit dem Startplatz 12 einsortiert. OK, damit lag die Latte wieder hoch. Vor uns Boliden (Team Kunstmann mit einem EVO in Gruppe G und 300 PS) hinter uns Boliden (Team Roos mit einem BMW M3 und nicht weniger PS)! Kurz nach 12 Uhr erfolgte dann für uns der offizielle Showstart auf dem Marktplatz.

Der Aufschrieb vom Vormittag versprach einen spannenden Nachmittag. Die Strecken waren sehr selektiv und mit unglaublichen Streckenführungen sehr anspruchsvoll. Im letzten Jahr wurden bis auf eine WP komplett neue WP´s gefahren. Diese lagen uns sehr gut. In diesem Jahr ist man wieder zurück zu den Wurzeln gegangen und fuhr die alt bewehrten Streckenführungen. Alle Teams, natürlich außer wir, kannten diese Strecken aus den Jahren ´12, ´13, ´14 usw. In den Pausengesprächen staunte ich nicht schlecht, wie auf Kuppen, Kanten, Querrinnen und anderen Spaßmachern hingewiesen wurde. z.B. auf WP1 die Durchfahrt durch den Tunnel auf Schotter, mit dem Übergang auf alten abgefahrenen Asphalt. Hier war so eine brutale Kante ausgefahren dass wir dermaßen einschlugen, dass die Instrumentenabdeckung durchs Auto flog und der Scheibenwischer vor lauter Panik voll aktiv wurde. OK, den Rat eines erfahrenen Erzeteilnehmers in der 2. Sektion beachten „rechts halten“! Gesagt getan und……bäämmm das gleiche Spiel nur rechts. Ja und so ging es weiter, Kanten, Löcher, Schläge und wechselnde Beläge machten einem das Rallye fahr´n nicht leicht. In der 1. Sektion hatte ich mit der WP1 und WP3 so meine Angewöhnungsschwierigkeiten. WP2 Rundkurs war natürlich wieder mein Ding. Geile Strecke und mit 175 km/h auf der Strecke an einem Verkehrsschild mit 50 vorbei zu rasen hat schon was.

Gleich in der 1.WP schmiss Sepp Wiegand (Favorit für den Gesamtsieg) seinen Boliden voll auf den Acker. Es gibt dazu ein spektakuläres Video bei YouTube. Die Schlagzeilen dazu waren „ Rallyefahrzeug rast in Menschenmenge“ und   „Überschlag von Wiegand“. Beides stimmt nicht und erhöhte nur die Klickzahlen der Berichte im Internet!

Mit dem Unfall von Wiegand in der ersten WP und weiteren Abflügen entstanden mächtige Wartezeiten für alle Teams und natürlich auch für die tausenden von Zuschauern, die die Strecke säumten. Das ist auch immer wieder ein tolles Phänomen im Süden: diese unglaubliche Rallyebegeisterung. Die ganze Region feiert Rallye an diesem Wochenende. Dazu muss man beachten, dass alle von umfangreichen Straßensperrungen und sogar ganzen Sperrungen von Ortschaften, wie z.B. Rundkurs Grünhain, betroffen sind.

Mit diesen Verzögerungen fiel unsere Regroupingzeit auf schmale 10 Minuten zurück und so konnten wir uns gleich zur 2. Sektion aufmachen. Erstaunlicherweise lagen mir die Strecken jetzt besser und ich ärgerte mich ein wenig, dass ich nicht schon im ersten Durchgang etwas mehr angegast hatte. So konnten wir uns von einem 18. Gesamtplatz auf den 14. Gesamtplatz vorarbeiten.

Mit der 14.Gesamtplatzierung und 2. in der Klasse beendeten wir dann auch die 54. Rallye Erzgebirge, gesund und ohne Schäden! ….OK, OK, natürlich habe ich auf der letzten WP6, kurz vor dem Ziel, noch traditionell den rechten Außenspiegel abgefahren. Auf der Onboardaufnahme ist das toll zu sehen. Die Sonne kam von hinten und damit konnte man den Abschuss des Spiegels als Schatten toll mitverfolgen. Bei der Zielankunft war Alfred wieder mächtig mit Interviews beschäftigt und Corina mußte zur Einhaltung der Stempelzeiten zum Ziel laufen. Mit einem etwas entrückten Gesichtsausdruck kam Sie dann wieder zum Roadrunner und meinte, wir müßten zur technischen Schlusskontrolle! Wir? Man, dass trifft doch nur Weltmeister und Olympiasieger, die ersten Drei und eventuell noch den Klassensieger, aber nicht uns !! Ein komisches Gefühl. Hat uns einer angeschwärzt, gegen irgendetwas protestiert, müssen wir uns Sorgen machen ?? Fragen über Fragen.

So fuhren wir zum Subaru-Autohaus, parkten vor dem zugewiesenen Hallentor und warteten. Vor uns war schon ein EVO auf der Bühne und hinter uns wurde noch ein Fahrzeug ausbestellt. Das Tor geht auf, ich fuhr auf die Bühne und 5 TK´s stürzten sich auf den Roadrunner. Zulassung, KFP, Homologation, Zertifikate usw. Das volle Programm. Fragen hier, Nachweise da……aber alles in allem, allet OK und jut. Unterschrift unter dem Abnahmeprotokoll und nichts wie weg.  Das heißt, ab jetzt sind wir vollwertige Rallyefahrer!!

Nach dem Schlußschock und dieser neuen Erfahrung ging es zurück in´s Basiscamp. Jana & Bernd und natürlich die Pelze warteten schon sehnlichst auf unsere Rückkehr. Ein paar kurze Umarmungen und ein paar Knuddeleinheiten und wir konnten uns entspannt in die Klappstühle schmeißen. Um bei den altbewährten Spirit-Traditionen zu bleiben, ploppten wir ein paar kühle Blonde auf und resümierten noch zur Rallye und zur Schlussabnahme. Nach einer kurzen Akklimatisierung und einem weiteren Bier zogen wir uns um. Ich kopierte noch schnell die Onboards auf den Lappi und in der Zwischenzeit war der kulinarische Höhepunkt jeder Rallye temperiert. Wir genossen einen super Eintopf mit gegrillter Kräuterwurst, getoasteten Schwarzbrot und Kräuterbutter. Man, mir läuft heute noch das Wasser im Munde zusammen…..lecker.  Danach schauten wir noch die sechs Homemovies und bewerteten die einzelnen Aktionen auf und neben der Strecke. Mit fortschreitender Abendstunde lichteten sich die Reihen und gegen 23 Uhr war dann auch das letzte Licht ausgeblasen.

Am Sonntagmorgen kam so gegen 7 Uhr etwas Bewegung in´s Lager und somit war für 8 Uhr das Frühstück auf dem Tisch. Steffen holte ein paar frische Brötchen und ich hatte meine Bialetti für einen leckeren italienischen Kaffee eingepackt. So muss Kaffee schmecken. Die Südländers wissen schon wie man genießt…! Ohne Zeitdruck und mit viel Genuss beendeten wir unser Frühstück, bauten routiniert das Lager ab und machten uns gegen 10 Uhr auf den Rückweg in die Heimat. Auf der Rückfahrt wurden nach ca. 2/3 der Strecke schlagartig wieder alle wach. Auf der linken Spur überholte unsere Kolonne ein dreier Golf Kombi mit vier Leuten und dicht gefolgt von einer Citrone. Genau vor mir platze dem Golf sein linker Vorderreifen und stand quer auf der Autobahn.

Glücklicherweise konnte er das Auto wieder einfangen und die Citrone eckte nur kurz mit dem Stoßfänger am Golf an. Man, alles voll Reifen, super Driftgeruch in der Luft und alle waren wieder wach. Alles gut gegangen und niemand verletzt. Soviel mal wieder zum Thema runderneuerte Reifen und Geschwindigkeitsindex für Winterreifen bei 25° Außentemperatur…..!! Kurz nach 14 Uhr waren wir wieder in der Homebase. Steffen ist bereits am Heimatflughafen Bestensee nach Hause abgebogen und kam zur Nachkontrolle des Roadrunners nochmals mit rüber. Grisu wird ja jetzt Feuerwehrmann und befindet sich in dieser Woche zur Weiter- & Ausbildung in der Landesfeuerwehrschule in Eisenhüttenstadt. Damit war leider die sofortige Nachkontrolle notwendig um mögliche Bestellzeiten von defekten Teilen entgegen zu wirken. Da ich aber nicht schnell gefahren und allen Schlaglöchern und Kanten vorbildlich ausgewichen bin, ist auch nichts kaputt gegangen.

Damit gilt natürlich wieder unser herzlicher Dank unserer spitzenmäßigen Crew: Jana, Bernd und Steffen. Mit Euch wird jede Rallye zu diesen tollen und einzigartigen Veranstaltungen. Danke!

Hier noch ein paar Alltags-Rallye-Impressionen zum Thema Spirit-Crew:

Venceremos, Corina + Uwe